Lokalsport

„Wir sind auf einem guten Weg“

Interview mit Tischtennisverbands-Geschäftsführer Thomas Walter

In Notzingen finden am Wochenende die deutschen Tischtennis-Mannschaftsmeisterschaften der Schüler statt. Teckbote-Mitarbeiter Eberhard Einselen sprach mit dem Geschäftsführer des Tischtennisverbands Württemberg-Hohenzollern (TTVWH), Thomas Walter, über die Rolle des Ausrichters und die Entwicklung im Tischtennis als Vereinssport.

Herr Walter, wie bekommt so ein kleiner Verein wie der TTC Notzingen-Wellingen den Zuschlag für eine Veranstaltung wie die Schüler-DM?

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Walter: Der TTC Notzingen-Wellingen hat sich für die Durchführung dieser Titelkämpfe über den TTVWH beim Deutschen Tischtennis-Bund beworben. Der TTVWH war turnusgemäß dran, diese Meisterschaften zu übernehmen. Da der Verein bereits einige Veranstaltungen mit sehr guter Resonanz durchgeführt hat – zuletzt die baden-württembergischen Einzelmeisterschaften der Jugend im Dezember 2012 – bekam Notzingen-Wellingen den Zuschlag. Wir haben großes Vertrauen in den Verein, dass es am Wochenende eine mit Herzblut organisierte Veranstaltung gibt.

Finanziell ist eine solche Veranstaltung für einen Ausrichter nicht unbedingt lukrativ. Dabei steckt ein immenser Aufwand für die Notzinger dahinter. Bekommt der Verein vom Verband oder auch vom Deutschen Tischtennisbund (DTTB) eine entsprechende Aufwandsentschädigung?

Walter: Der DTTB bezahlt dem TTC Notzingen-Wellingen für die Durchführung einen Organisationskostenzuschuss und trägt sämtliche Kosten, die sich aus dem sportlichen Ablauf ergeben. Das heißt jene für Material oder auch für Schiedsrichter. Darüber hinaus werden am Wochenende einige Hundert Zuschauer jeweils über den ganzen Tag in der Halle sein, die verpflegt werden wollen. Mit dem Verkauf von Speisen und Getränken ergeben sich für den Verein zusätzliche Einnahmemöglichkeiten. Persönlich habe ich die letzten deutschen Meisterschaften 2009 in Neuenstein bei Öhringen erlebt. Dort war die Halle zwei Tage lang mit 400 Zuschauern proppenvoll. Alle 16 Teams hatten ihren Anhang dabei, das waren bis zu 60 Fans.

Wie beurteilen Sie den derzeitigen Stellenwert des Tischtennissports? Die Mitgliedszahlen sind ja eher rückläufig. Gerade im Mädchen- und Damenbereich ist der Trend besorgniserregend. Was können die Vereinsfunktionäre tun, um dem entgegenzuwirken?

Walter: Der Stellenwert im Spitzensport und in den Medien ist sicherlich nicht so, wie wir uns das wünschen. Ähnlich empfinden das fast alle Sportarten, bis auf den Fußball. Dagegen ist Tischtennis in der Breite nach wie vor beliebt. Im Freizeitbereich, ob im Schulhof, in Schwimmbädern und zu Hause ohnehin. Darüber hinaus ist es uns gelungen, in den letzten Jahren über hundert Tischtennis-Schul-AGs im Ganztagesbereich zu initiieren. Das ist ein wichtiges Zukunftsthema aus unserer Sicht. Richtig ist auch, dass wir leicht rückläufige Mitglieder- und Mannschaftszahlen haben. Jedoch stehen wir mit gut 4 500 Mannschaften im Verbandsgebiet – vor 20 Jahren waren es 5 000 – immer noch sehr ordentlich da. Der Rückgang ist, wie Sie richtig andeuten, fast ausschließlich auf den Trend im weiblichen Bereich zurückzuführen. Im Nachwuchsbereich haben sich hier die Zahlen in den letzten zehn Jahren halbiert. Wir haben die Aktion „Jahr des Mädchen-Tischtennis 2014“ gestartet. Die Bezirke ziehen dabei gut mit, starten Nachwuchsaktionen und veranstalten Lehrgänge. Es gibt gute Ansätze, um den Trend wieder ins Positive zu drehen. Wir sind da auf einem guten Weg.

Werden Sie selbst am Wochenende in der Sporthalle in Notzingen dabei sein? Ihr Verein, der Sportbund Stuttgart, hat sich bei den Jungen ja für die Meisterschaften qualifiziert?

Walter: Ja, ich freue mich sehr auf das Wochenende. Gemeinsam mit meinem Trainerkollegen bereite ich das Team seit zwei Jahren auf dieses Highlight vor. Die letzten vier Wochen waren wir täglich damit beschäftigt. Wir hatten schon in Baden-Württemberg einen harten Wettbewerb, um uns als einziges Team zu qualifizieren. Leider haben für mich am Samstagnachmittag mit der Organisation der TTVWH-Verbandsausschuss-Sitzung berufliche Aufgaben Vorrang. Aber beim Auftakt gegen Eintracht Frankfurt und am Sonntag lasse ich es mir nicht nehmen, an der Bande zu coachen. Die Mannschaft liegt mir sehr am Herzen. Unabhängig vom Ausgang: Es ist für die meisten der jungen Spieler und Vereine das größte Erlebnis ihrer Tischtenniskarriere. Zwei Tage jeweils sechs bis acht Stunden zu spielen bei einer Stimmung wie in einem Fußball-Stadion, das sollten alle Tischtennis-Fans nicht verpassen und deshalb in die Halle kommen.

Thomas Walter ist Geschäftsführer des Tischtennisverbands Württemberg-Hohenzollern (TTVWH) mit Sitz in Stuttgart. Der TTVWH ist mit 4 466 Mannschaften in 779 Vereinen der größte der drei Tischtennisverbände in Baden-Württemberg. Thomas Walter ist der Sohn von Kuno Walter, der 1947 den DJK Sportbund Stuttgart gründete.