Lokalsport

„Wir sind noch nicht fertig“

Lenningen hilft vor dem Schlussduell nur noch grenzenloser Optimismus

Es war nicht die letzte Chance, aber ein denkwürdiges Spiel. Die womöglich entscheidende Niederlage im Kampf ums Überleben in der Handball-Landesliga gegen den TV Weilstetten II hat den Lenninger Mangel schonungslos offenbart.

Einsatz und Leidenschaft stimmten auch am Samstag. Trotzdem muss die SG Lenningen nach der jüngsten Heimniederlage gegen den TV
Einsatz und Leidenschaft stimmten auch am Samstag. Trotzdem muss die SG Lenningen nach der jüngsten Heimniederlage gegen den TV Weilstetten 2 am Samstag auswärts auf ein Handballwunder hoffen.Foto: Ralf Just

Lenningen. In puncto Dezibelstärke muss die SG Lenningen in der Handball-Landesliga keinen Gegner fürchten. Bis zur Schlussviertelstunde galt das auch im Schicksalsspiel am vergangenen Samstag. Dann jedoch genügte dem TVW eine fünfminütige Schwächephase der Gastgeber, um das Spiel in den Griff zu bekommen und die Lenninger „Südtribüne“ auf Zimmerlautstärke herunterzuregeln. Ein völlig ausgeglichenes Spiel war plötzlich gekippt, und für viele auf den Rängen waren an diesem Abend wieder einmal die Schiedsrichter schuld, die vor allem in der zweiten Hälfte einige strittige Entscheidungen trafen.

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Entscheidender als die Leistung der beiden Unparteiischen an diesem Abend waren ganz andere Faktoren. Das Farmteam des Bundesligisten von der Alb war die spielerisch besser ausgebildete, taktisch reifere und am Ende konditionell stärkere von beiden Mannschaften. Bezeichnenderweise war es ein erst 18-Jähriger, der die Wende einleitete. Linksaußen Martin Haigis brachte mit einem Doppelschlag seine Farben erstmals mit vier Toren in Front. Ein Streich, von dem sich die Gastgeber nicht mehr erholten. Haigis zählt nicht zur glorreichen Jugendspielgemeinschaft des HBW, die in der Bundesliga-Südgruppe auf Torejagd geht. Anders als von vielen Lenningern befürchtet, stand kein Einziger aus dieser Mannschaft am Samstag auf dem Feld. Haigis spielt für die zweite A-Jugend-Mannschaft in der Bezirksliga und hatte am Samstag seine ersten Minuten in der Zweiten des TVW.

Einen solchen Unterbau mit ähnlich solider Ausbildung hat Lenningen nicht, auch wenn Nachwuchskraft Tobias Baumann nicht nur wegen seiner vier Treffer am Samstag erneut vor Augen führte, dass Erneuerungskräfte durchaus auch im Täle wirken. Baumann ist vielleicht die Entdeckung der Saison auf der Mitteposition der Blau-Weißen. Nur: Von seinem Schlage hat die SG zu wenig. Wenn SG-Coach Markus Hornung von einer „Freizeittruppe“ spricht, die er betreut, dann meint er das nicht despektierlich, sondern benennt nur die Fakten.

Hornung schont niemand, wenn es um Lenninger Verhältnisse geht. Nicht die Leute, die im Verein das Sagen haben, auch nicht die Mannschaft. Wenn er seine Spieler vor Anpfiff zur Vorbesprechung zu sich nach Hause einlädt, macht er das nicht nur, um Streicheleinheiten zu verteilen. „Beim TV Weilstetten stehen Spieler in der Mannschaft“, sagt Hornung, „die trainieren in einer Woche mehr, als manch einer von uns im ganzen Monat.“ Magere zwei Einheiten pro Woche zur späten Stunde ab halb neun sind der Standard. Nicht wenige schaffen durch Beruf oder Studium nicht einmal das. Egal, wie die Saison endet: Viel von dem wird sich auch künftig nicht ändern.

Chris Rieke lange verletzt, der gerade erst zurückgekehrte Ricki Austen vor einer erneuten Schulter-OP, Marc Bächle berufsbedingt außer Reichweite – die Zahl derer wächst, denen beim Gedanken an den immer noch möglichen Klassenerhalt mulmig wird. Die Vereinsspitze gehört nicht dazu: „Wenn wir wissen, wohin die Reise geht, dann setzen wir uns zusammen und mischen die Karten neu“, sagt SG-Abteilungsleiter Jochen Häußler. Bis dahin gilt: „Wir sind mit der Landesliga noch nicht fertig.“

Am kommenden Samstag fährt ein Fanbus nach Tuttlingen zur entscheidenden Schlacht gegen den Tabellensiebten HSG Rietheim-Weilheim. Lenningen muss dort auf jeden Fall gewinnen, die einen Punkt besser gestellten Kontrahenten aus Herrenberg und Weilstetten jeweils verlieren. Unmöglich ist das nicht: Die SG hat das Hinspiel Mitte Dezember überraschend deutlich mit 33:26 für sich entschieden. Die beiden anderen Teams treffen mit Grabenstetten und der HSG Böblingen-Sindelfingen auf zumindest tabellarisch noch stärkere Gegner. „Wir gewinnen mit zwei Toren Differenz“, lässt sich Jochen Häußler zu einem Tipp überreden. Ob das am Ende reicht, werden andere entscheiden.