Lokalsport

Wo kleine Flieger ihren großen Auftritt haben

Per Seilwinde kommen die Modellsegler in die Luft. Dann gilt es, möglichst genau sechs Minuten zu fliegen und auf den Punkt zu l
Per Seilwinde kommen die Modellsegler in die Luft. Dann gilt es, möglichst genau sechs Minuten zu fliegen und auf den Punkt zu landen. Foto: Lars Reinhold

Mancher Zuschauer des Hahnweide-Pokals am vergangenen Sonntag dürfte Probleme gehabt haben, die Modellflugzeuge in 150 Metern Höhe überhaupt zu erkennen. Bis zu vier Meter Spannweite haben die Segler, die zu Beginn jeden Durchgangs mit einer Seilwinde in die Luft gezogen werden oder, von einem kleinen Klapppropeller im Bug beschleunigt, auf Ausgangshöhe steigen. Ein gutes Auge ist also das Mindeste, was ein Modell-Pilot mitbringen muss. Dazu kommt motorisches Feingefühl in den Fingern, um die richtigen Steuerimpulse zu geben, damit das Flugzeug möglichst exakt sechs Minuten in der Luft bleibt und am Ende möglichst genau auf einem sechs Meter langen Strich landet. Über- oder unterschreitet der Pilot die Zeit, gibt es Punktabzüge. „Einen Punkt pro Sekunde“, erklärt Martin Trautwein, Chef-Auswerter der Wolf-Hirth-Modellfluggruppe, die zum 36. Mal zum Hahnweide-Pokal eingeladen hatte. Auch Patzer bei der Landung kosten Punkte. „Pro zwanzig Zentimeter, die der schlanke Rumpf von der Linie entfernt zum Liegen kommt, zehn.“ Dreht sich das Flugzeug beim Landen um mehr als 90 Grad, kostet auch das wertvolle Zähler, eine Drehung um mehr als 180 Grad ist fatal - dann wird die Landung „genullt“.

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Fluchen und Schimpfen gehören dazu

Insgesamt fünf Durchgänge fliegen die 59 Piloten beim Hahnweide-Pokal. Immer acht Teilnehmer bringen ihre Flugzeuge gleichzeitig in die Luft. Der Beste von ihnen bekommt 1 000 Punkte, die anderen entsprechend ihrer Flugzeit und eventuellen Strafpunkten prozentual weniger. Zum Schluss wird aufsummiert, und der Pilot mit den meisten Punkten gewinnt. Es sind am Ende Nuancen, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Umso verständlicher, dass mancher Teilnehmer flucht und schimpft, wenn sein Vogel bei der Landung übers Ziel hinausschießt oder ihn die Schwerkraft noch vor Ablauf der sechs Minuten wieder auf den Boden holt. Zumeist folgt dem Fehler aber ein gequältes Lächeln - begleitet von mitleidigen Blicken der Konkurrenz. „Man ist ja selbst Schuld“, kommentiert Matthias Neumann lakonisch. Für den Haßlocher und seine Kameraden ist der Hahnweide-Pokal ein Fix-Termin zum Saisonausklang. „Man kennt sich und freut sich auf ein Wiedersehen.“

Jörg Vogelsang ist ebenfalls Hahnweide-Wiederholungstäter. „Mindestens zum zehnten Mal fliege ich hier mit - wahrscheinlich geht es sogar aufs 15. Mal zu“, sagt der Pilot aus Nordrhein-Westfalen. Für den Hahnweide-Pokal lasse er sogar die NRW-Meisterschaften sausen. „Was mich hier immer wieder fasziniert, ist der perfekt durchorganisierte Ablauf. Da weiß jeder, was er tut. Und was auch ein Faktor ist, dass man hier noch Preise gewinnen kann. Das wird leider auch immer weniger bei Modellflugwettbewerben.“

Tatsächlich ist der „Gabentisch“ zur Siegerehrung am späten Nachmittag reich gefüllt mit Dingen, die das Modellfliegerherz begehrt. Werkzeuge, Elektronik, Baumaterial - die Sieger haben die freie Wahl. Als Erster darf sich Tobias Misterek bedienen, der mit fünf 1 000ern einen fast perfekt Wettbewerb geflogen hat, wären da nicht 20 Strafpunkte. Er nimmt auch den Wanderpokal mit nach Hause und verweist Julian Benz und Simon Sperl auf die Plätze zwei und drei. Bei den Junioren bis 18 Jahre gewinnt Jannik Frank vor Luis Tack und Marius Münch.

Am Ende kann Timo Schiettinger, Chef der Wolf-Hirth-Modeller, ein positives Fazit ziehen. „Perfektes Wetter, faire Teilnehmer, unfallfreie Flüge und eine Menge Spaß - der Hahnweide-Pokal ist einmal mehr seinem Ruf als toller Saisonabschluss für ambitionierte Modellflieger gerecht geworden.“Lars Reinhold