Lokalsport

Zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag: Das Bühlbergfest ist Geschichte

Leichtathletik Die Traditionsveranstaltung des TV Unterlenningen fällt auch der umstrittenen Wettkampfform „Kinderleichtathletik“ zum Opfer. Von Peter Eidemüller

Start zum Nachwuchssprint auf dem Bühl - ein Bild, das es nach dem Aus der Traditionsveranstaltung in Unterlenningen in Zukunft
Start zum Nachwuchssprint auf dem Bühl - ein Bild, das es nach dem Aus der Traditionsveranstaltung in Unterlenningen in Zukunft nicht mehr geben wird. Foto: Mirko Lehnen

Die Sportregion ist um eine Traditionsveranstaltung ärmer. Das Bühlbergfest in Unterlenningen ist nach insgesamt 61 Auflagen Geschichte, eine 62. in diesem Sommer wird es nicht geben. Mangels Personal kann der ausrichtende TV Unterlenningen die Organisation nicht mehr stemmen, zumal diese in den vergangenen Jahren an gerade einmal drei Personen hing. Die rührigen TVU-Urgesteine Manfred und Brigitte Eichhorn, sowie Leichtathletik-Abteilungsleiterin Cornelia Luber haben die Traditionsveranstaltung darum schweren Herzens zu Grabe getragen. „Mir geht das richtig nahe“, gesteht Luber, „aber wir hatten einfach einen irrsinnigen Aufwand.“

Dass dieser sich spätestens ab diesem Jahr nicht mehr gelohnt hätte, liegt nicht zuletzt an der Wettkampfform „Kinderleichtathletik“. Das vom Deutschen Leichtathletikverband (DLV) vor vier Jahren initiierte spielerische System sieht in den Altersklassen U8 und U10 keine klassischen Dreikämpfe wie auf dem Bühl, sondern nur noch Teamwertungen vor. „Dafür braucht man aber noch mehr Personal als bei normalen Wettkämpfen“, klagt Cornelia Luber, die auf dem Bühl jährlich rund 120 Helfer im Einsatz hatte.

Um den Jüngsten nicht nur in Unterlenningen weiterhin Dreikämpfe bieten zu können, hatte sich der Kreis Esslingen mit dem Württembergischen Leichtathletikverband (WLV) auf eine Übergangsregelung geeinigt, nach der bei den U8 und U10 die Disziplinen Sprint, Weitsprung, Wurf und Staffel modifiziert für den Dreikampf akzeptiert wurden.

Damit ist seit 1. Januar Schluss. Nachdem ein vom Kreisvorsitzenden Martin Moll beim Württembergischen Leichtathletikverband (WLV) gestellter Antrag auf Wiedereinführung der klassischen Wettkampfdisziplinen mit 7:13 abgelehnt worden war, werden Veranstaltungen ohne Kinderleichtathletik vom WLV künftig nicht mehr genehmigt - wie das Bühlbergfest. „Bei den Kindern hatten wir aber immer mit am meisten Teilnehmer“, weiß Cornelia Luber, „wenn die jetzt ersatzlos wegbrechen, fehlen natürlich auch die Eltern oder Großeltern, die eine Wurst essen oder was trinken.“ Das wirtschaftliche Risiko für eine Abteilung, deren einzige Einnahmequelle das alljährliche Kräftemessen im Dreikampf war, wurde so zu groß.

Bangen um andere Sportfeste

Das Aus der Traditionsveranstaltung sorgt in der Leichtathletikszene für Betroffenheit. „Das Bühlbergfest war fester Bestandteil im Wettkampfkalender mit einer ganz tollen, familiären Stimmung“, sagt Moritz Hönig, Abteilungsleiter des VfL Kirchheim, der nun um andere Veranstaltungen wie in Nellingen, Köngen und Leinfelden bangt. „Ich befürchte, dass es nicht das letzte Sportfest war, dass es trifft“, unkt er.

Auch vor diesem Hintergrund bleibt die Frage nach dem weiteren Umgang mit dem Thema Kinderleichtathletik. „Entweder wir stellen was auf die Beine, oder es gibt bei uns künftig für Schüler unter zehn keine Wettkämpfe mehr“, sagt Cornelia Luber, die neben ihrem TVU-Ehrenamt noch Jugendwartin im Kreis Esslingen ist. Im Rahmen des Kreistags am Freitag in Denkendorf will sie Pläne vorstellen, wie 2018 wenigstens eine Veranstaltung nach dem neuen Wettkampfsystem angeboten werden kann.

„Wir müssen uns überlegen, wie wir die Kinderleichtathletik installieren“, sagt auch der Kreisvorsitzende Martin Moll, der jedoch keinen Hehl daraus macht, dass er dem klassischen Dreikampf im Schülerbereich nachtrauert. „Die Vereine sollten wählen können, welche Wettkampfform sie anbieten, aber der Verband zwingt uns die Kinderleichtathletik einfach auf“, klagt er.

Kritiker wie Moll argumentieren, dass mit der spielerischen Wettkampfform der Charakter der Leichtathletik als Individualsportart verloren geht und der Reiz für den Nachwuchs fehlt, sich mit Gleichaltrigen zu messen. Zumal der Verband das Wettkampfsystem ausgerechnet in den Altersstufen reformiert hätte, in denen die Teilnehmerfelder groß genug waren, dass sich der organisatorische Aufwand lohnt - bestes Beispiel: Bühlbergfest.

Warum setzt der DLV auf Kinderleichtathletik?

In seinem 2012 aufgelegten Handbuch zur Kinderleichtathletik beschreibt der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) seine Philosophie.

Dabei hat der Verband für Kinder eine „Spezialisierungsbremse“ eingebaut. Vielseitigkeit wird in Form von wechselnden Mehrkämpfen abgerufen.

Eine aufeinander abgestimmte und schrittweise den Schwierigkeitsgrad erhöhende Wettkampfkonzeption zum Laufen, Springen und Werfen von Kindern, weiß dabei mehr zu bieten als eine traditionell fokussierte Leichtathletik, mit der man sich im Kinder-Wettkampf zuallererst auf das geradeaus Laufen, geradeaus Springen und geradeaus Werfen beschränkt.

Grundsätzlich sind jeweils eine Lauf-, eine Sprung- und eine Wurfdisziplin Teil des Wettkampfangebotes. Weitere Disziplinen können Ausrichter nach Belieben ergänzen.

Beispiele für solche Disziplinen sind Wechselsprünge statt des Weitsprungs, 30 Meter aus verschiedenen Lagen statt der 50 Meter aus dem Startblock, Stoß-Dreikampf statt des Ballwurfes. Quelle: leichtathletik.de

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