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Zurück auf Los

Die Knights testen die ersten Bewerber für den neuen Zweitliga-Kader

Erschwerter Neustart nach einer erfolgreichen Basketball-Saison: Die Knights müssen sich intensiver als geplant auf dem deutschen Spielermarkt umsehen.

„Wenn ein junger Spieler diese Chance erhält, dann muss man ihm viel Glück wünschen.“ Kirchheims Headcoach Michael Mai (links) ä
„Wenn ein junger Spieler diese Chance erhält, dann muss man ihm viel Glück wünschen.“ Kirchheims Headcoach Michael Mai (links) äußert Verständnis für die Entscheidung Besnik Bekteshis, den es in die BBL zieht.Foto: Jörg Bächle

Kirchheim. Basketball-Genuss, einfach so. Ohne Pflichten, ohne Kopfzerbrechen. Konsumieren statt agieren. Die letzten Tage seines zweiwöchigen Urlaubs hat Christoph Schmidt in Zügen genossen. Im Strandhaus im südkalifornischen San Diego lief am vergangenen Donnerstag das erste Finalspiel der NBA zwischen den Golden State Warriors und den Cleveland Cavaliers. Pizza und Spiele. Fachkundiger Begleiter vor der Mattscheibe: Der Mann, der die Basketballfans in Kirchheim bis vor wenigen Wochen mit seinen Ballkünsten verzückte. Das freundschaftliche Treffen mit Richie Williams in dessen Heimatstadt war für den Manager der Knights nicht der einzige Moment, der eine außergewöhnlich erfolgreiche Saison in Kirchheim noch etwas verlängerte. Kurz zuvor war Jordan Wild hier aufgekreuzt. Beide sind momentan auf Familienbesuch in ihrer Heimat.

Seit vergangenem Sonntag ist auch Schmidt wieder zurück daheim. Was dort auf ihn wartet, hat mit dem Hochglanz-Format NBA allerdings wenig gemein. Es stehen Aufräumarbeiten an. Meteorologisch blieb Kirchheim von den schlimmsten Unwettern der vergangenen Tage verschont. Sportlich nicht ganz. Erst der Wirbel um die Zukunft der Regionalliga-Mannschaft des VfL, dann das ausgebremste JBBL-Projekt und jetzt sind mit Johannes Joos und Besnik Bekteshi auch noch zwei deutsche Schlüsselfiguren der Knights aus dem Rittersaal verschwunden. Über beider Pläne war der Geschäftsführer auch während seines Urlaubs informiert. Er sagt: „Wir hätten natürlich beide gerne weiter verpflichtet.“

Dass Joos ohne Kirchheim plant, war offenbar schon seit Längerem klar. Bei Besnik Bekteshi hatte man bis zuletzt versucht, ihn zum Bleiben zu überreden. Das Angebot des BBL-Aufsteigers aus Vechta war am Ende allerdings zu verlockend. Schmidt macht dennoch keinen Hehl daraus, dass er Bekteshis Schritt für einen Fehler hält. „Besnik hätte bei uns in der kommenden Saison eine zentrale Rolle gespielt. Mein Rat war, dass er das eine Jahr noch bleibt,“ sagt Schmidt und betont: „Wir wünschen ihm natürlich in Vechta das Beste.“ Dem schließt sich auch Kirchheims Headcoach Michael Mai an, der die Spielmacherposition nun völlig neu besetzen muss: „Wenn ein junger Spieler diese Chance erhält, dann muss man ihm viel Glück wünschen“, meint der Trainer. Eine faire Geste, die nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass Bekteshis Abschied eine Niederlage ist. Von der längerfristigen Bindung des einzigen Eigengewächses sollte ein Signal ausgehen. Ein Gegenentwurf zum schnelllebigen Geschäft in der Liga. Ein Signal, das nun schon nach der ersten Halbzeit erlischt.

Immerhin: Weitere Überraschungen sind damit vorerst ausgeschlossen. Andreas Kronhardt, der im vergangenen Jahr aus Crailsheim kam, ist neben Bekteshi der einzige Deutsche mit einer Ausstiegsklausel für die BBL im Vertrag. Der 26-jährige Center hat bereits klar signalisiert, dass man mit ihm auch im nächsten Jahr in Kirchheim wird rechnen können. Das gleiche gilt für den ehemaligen Ludwigsburger Tim Koch. Um die beiden einzigen Überlebenden aus der Mannschaft, die es im April in die Play-offs schaffte, müssen Schmidt und der Trainer nun möglichst rasch eine neue, schlagkräftige Einheit formen.

Zumindest was die deutschen Positionen betrifft, gibt es heute Abend beim ersten Tryout in der Sporthalle Stadtmitte Gelegenheit, eine Reihe von Kandidaten zu testen. Der Verhandlungsspielraum ist dabei wie immer eng bemessen. Business as usual in Kirchheim. Obwohl der Großteil der Geldgeber den Vertrag für die neue Saison verlängert hat und einige Gespräche noch ausstehen, rechnen die Knights mit einem Gesamtbudget, das unter dem des Vorjahres liegen wird. Die kommenden neun Wochen versprechen also spannend zu werden. Klarheit wird wie jedes Jahr spätestens am 15. August herrschen. Dann, wenn sich das neue Team zum ersten Training trifft.

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