Lokalsport

Zwei Klubs bündeln ihre Kräfte

Tischtennis Der TTC Frickenhausen und der TSV Frickenhausen beschließen eine Kooperation und wollen ab der kommenden Saison unter einem neuen Namen um Punkte kämpfen. Von Alexander Schmid

Ziehen künftig gemeinsam an einem Strang: von links TSV-Abteilungsleiter Christoph Heermann, TTC-Manager Jürgen Veith, Doris Sch
Ziehen künftig gemeinsam an einem Strang: von links TSV-Abteilungsleiter Christoph Heermann, TTC-Manager Jürgen Veith, Doris Schmid, Sportliche Leiterin des TTC, TSV-Jugendleiter Adrian Becker und TSV-Vorstandsmitglied Oliver Andersch. Foto: Alexander Schmid

Tischtennisspieler aus Frickenhausen mit dem Namen TTC oder TSV auf dem Trikot wird man vorerst nicht mehr an den Platten in der Region sehen. Vergangene Woche besiegelten die führenden Köpfe beider Klubs eine Kooperation. Unter einem neuen Namen wollen sie gemeinsam den Tischtennis-Sport im Neuffener Tal wieder voranbringen.

„In einem Ortschäftchen wie Frickenhausen zwei Tischtennisvereine zu haben, macht keinen Sinn mehr“, sagt Jürgen Veith. Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich der einstige Manager des Herren-Profiteams beim TTC Frickenhausen in erster Linie mit Fragen zu hoch talentierten Neuzugängen aus Asien oder potenziellen Großsponsoren als neue Namensgeber für den Klub beschäftigte.

Mittlerweile hat sich der Wind im Neuffener Tal aber gedreht. Für Veith und seine Mitstreiter beim TTC, der sich im Jahr 1971 vom TSV loseiste, um auf Spitzen- anstelle von Breitensport zu setzen, geht es nicht mehr um den ganz großen Erfolg. Inzwischen geht es ihnen um die Basis, um den Nachwuchs und den ganzen Standort Frickenhausen, der weiterhin für erfolgreichen Tischtennis-Sport stehen soll.

Dass in Zeiten gravierend rückläufiger Spielerzahlen im ganzen Land neue Wege beschritten werden müssen, darüber waren sich die führenden Köpfe des TTC Frickenhausen und des TSV Frickenhausen einig, als sie die Kooperation besiegelt hatten, von der sich beide Vereine einiges versprechen. Von zwingend notwendigen „Synergieeffekten“, von „Chancen und Vorteilen für beide“ sprachen TSV-Abteilungsleiter Christoph Heermann, TSV-Vorstandsmitglied Oliver Andersch und Jugendleiter Adrian Becker ebenso wie Jürgen Veith und die Sportliche Leiterin des TTC, Doris Schmid.

Ab der neuen Saison wollen beide Klubs unter einem neuen Namen gemeinsam um Punkte in den jeweiligen Spielklassen kämpfen. Im Jugendbereich haben beide Vereine schon seit einem Jahr gemeinsam an einem Strang gezogen, durch die neue Kooperation gehen jetzt auch die Damen- und Herrenteams in einem Klub auf.

Dass es sich dabei um eine Kooperation zwischen zwei Vereinen handelt und nicht um eine Fusion, das betonen beide Parteien mit Nachdruck. Voraussetzung für die Zusammenarbeit sei eine Namensänderung gewesen, die der TTC in einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende Juni beschließen will. „Im Tischtennis gibt es leider keine Spielgemeinschaften. Deshalb mussten wir eine Zwischenlösung finden“, sagt Doris Schmid. „Wir vom TSV treten geschlossen dem TTC bei“, erklärt TSV-Vorsitzender Andersch. Denn die Regularien des Tischtennis-Verbandes sehen vor, dass mindestens 75 Prozent der in der abgelaufenen Saison gemeldeten Spieler eines Vereins die Farben wechseln müssen, will der neue Klub die Spielklasse des abgebenden Vereins übernehmen.

Für das neue Konstrukt ist dies von entscheidender Bedeutung. 24 Spieler werden laut Andersch vom TSV zum TTC wechseln. Nur so ist es möglich, dass die erste Mannschaft weiterhin in der Landesklasse aufschlagen kann, in der der TSV diese Saison den Klassenverbleib sicherstellte, und nicht in Kreisliga A, in der sich der TTC nach dem Absturz aus der Zweiten Bundesliga wiedergefunden hat. Die erste Frauenmannschaft wird weiterhin in der Oberliga auflaufen, die Zweite nach dem Oberliga-Abstieg nur in der Verbandsklasse an den Start gehen.

Analyse in einem Jahr

Ob das neue Frickenhausener Modell langfristig angelegt, oder nur von vorübergehender Dauer ist, lassen die Vereinsoberen bei aller Aufbruchstimmung offen. „In einem Jahr wollen wir uns nochmals zusammensetzen und dann mal schauen, wie es weitergeht“, sagen die TSVler, die aber davon überzeugt sind, dass von ihrem Schritt alle profitieren - Hobbyspieler, wie talentierte Nachwuchshoffnungen. Denn nur zusammen, sagen sie, sei es möglich, in der neuen Saison vier Herrenmannschaften und mehrere Jugendteams in den Wettbewerb zu schicken und damit Talenten ausreichend Perspektiven zu bieten.

Vom Deutschen Meister zum Kreisligisten

Seit 1998 trat der im Jahr 1971 gegründete TTC unter der Bezeichnung TTC metabo Frickenhausen an. Nach dem Ausstieg dieses Sponsors wurde dessen Name 2005 aus der Vereinsbezeichnung gestrichen. 2006 und 2007 wurde die Mannschaft deutscher Meister und gewann 2007 auch den Europapokal und den deutschen Verbandspokal.

Im April 2008 fusionierte der TTC mit dem Bundesligaverein Müller Würzburger Hofbräu, der neue Vereinsname lautete TTC Müller Frickenhausen/Würzburg. Ein Jahr später wurde diese Fusion wieder rückgängig gemacht, die Vereine wurden wieder selbstständig.

Im Jahr 2010 musste der TTC den Gang in die 2. Bundesliga antreten und schaffte als TTC matec Frickenhausen in der Folgesaison den direkten Wiederaufstieg in die TTBL.

2015 löste der Verein aus finanziellen Gründen die erste Mannschaft auf und zog sich aus der Bundesliga zurück. Nach dem Ausstieg von Hauptsponsor matec zum Ende der Saison 2014/15 wurde auch der Vereinsname wieder in TTC Frickenhausen geändert.

Nach der Saison 2017/18 erfolgte erneut aus finanziellen Gründen der Rückzug aus der 2. Liga und damit aus dem Profisport. In der Saison 2018/19 spielte das Herrenteam in der Kreisliga A und wurde dort Zweiter.wikipedia.de

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