Lokalsport

Zweiter Anzug ohne Form

*
*

Zweite Mannschaften = erstklassige Unterhaltung. Wer der Formel nicht traut, der schaue mal in den bisherigen Spielplan der Kreisliga B-Staffel 6: Kanterniederlagen von Vereins-Zweitvertretungen ziehen sich durch diese Saison wie ein roter Faden.

Am zweiten Spieltag wurde der SV Nabern II vom TSV Oberlenningen mit 8:0 vom Feld gejagt, vor wenigen Wochen Holzmaden II von den Jesinger Kickerkollegen 16:1 eingeseift. Dazwischen entpuppten sich auch der TV Neidlingen II (1:16 bei Meister AC Catania) und Ötlingens Unterbau (1:17 gegen den TSV Weilheim II) als Meister-Schießbuden. Am dritthöchsten Ligastandort war man vor Rekordeinschlägen lunteriechender Gästekicker auch nicht permanent sicher. Auf dem über 410 Meter hoch gelegenen Neuffener Sportgelände Spadelberg verlor die VfB-Zweite am 10. April gegen Catania mit 0:9 – eine weitere Bestätigung des Trends, wonach die Secondhand-Teams bei Spielerausfällen, Unterzahl oder Formschwäche immer Gefahr laufen, dass die eigenen Niederlagen zweistellig enden.

In bisher absolvierten 220 Saisonpflichtspielen blieben nur zwei der neun Zweitvertretungen von Prügel-Resultaten verschont. Zum einen der letztjährige A-Kreisligist TSV Weilheim II, was alles andere als eine Überraschung war. Zum anderen zog sich die vor Saisonstart improvisiert zusammengebastelte TG Kirchheim II sensationell gut aus der Affäre. Wer auf die TG-II-Truppe trifft, sieht als Erstes schwarz – und braucht sich nach dem Anpfiff nicht zu wundern, wenn die wie die Löwen kämpfenden Asylbewerber anstatt der Opferlamm-Rolle den Part des Dominators übernehmen. Bis auf den fünften Tabellenplatz hat sich die Black-Power-Truppe von der Jesinger Allee inzwischen nach oben gearbeitet.

Woran liegt‘s generell, dass Reservemannschaften überdurchschnittlich oft an Gegentor-Orgien beteiligt sind? Welcher Rechercheur bei der Antwortsuche nach wissenschaftlich belegten Fakten fahndet, wird nicht wirklich fündig. Eher der, der die Stammtische abfragt. Dort klingt die Erklärung für so manches Ergebnis-Fiasko der Reservemannschaft manchmal ganz einfach. Die Spieler seien einfach nicht besser, sagt der Beobachter.

Ob die Wahrheit so simpel ist, bleibt offen. Tatsache ist: Reservekicker haben hohen Unterhaltungswert – öfters den höchsten.top

Anzeige