Lokalsport

Zwischen Himmel und Hölle

Basketball Die Knights strapazieren weiter die Nerven ihrer Fans bis zum finalen Glücksmoment. Am Ende bleibt der erfolgreichste Saisonstart aller Zeiten. Von Bernd Köble

Irgendwann ist auch der glühendste Basketball-Enthusiast mit seinen Kräften am Ende. Als in der Nacht auf Montag mitteleuropäischer Zeitrechnung die Portland Trail Blazers gegen die Grizzlies aus Memphis die Hundert voll machten, war der Coach auf der Couch vorm Fernseher längst weggedämmert. Dabei hatte Michael Mai am Sonntagabend sein Bestes gegeben - bis zum Schluss. Dem Erfolg seines Heimatklubs in der NBA war ein knüppelhartes Wochenende in der Pro A vorausgegangen. Zwei nervenzerfetzende Spiele, ein Tausend-Kilometer-Trip. Dass sich seine Mannschaft mit den Siegen Nummer sieben und acht ganz nebenbei an die Spitze der ewigen Bestenliste im Kirchheimer Basketball katapultiert hat, war nur eine Randnotiz. Der beste Saisonstart aller Zeiten? Mehr als ein „Really?“ war dem Chef darüber nicht zu entlocken.

Zweitliga-Basketball in Kirchheim, das ist im Moment allerbeste Unterhaltung, kein Zweifel. Das wiederum liegt weniger am blanken Erfolg als an der Dramaturgie der Spiele. Kein Team in der Liga, das die Nerven seiner Fans ähnlich hart auf die Probe stellt, um sie am Ende tiefenentspannt in die Nacht zu entlassen. Alles gut gegangen, was sonst?

Gegen Paderborn war es am Freitag eine katastrophale erste Hälfte mit einem 18-Punkte-Rückstand nach dem ersten Viertel. Am Sonntag gegen Chemnitz ein schwaches Schlussviertel, das den lange Zeit beruhigenden Vorsprung wie den ersten Schneeflaum auf der Alb dahinschmelzen ließ. Ein Team zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen ernster Bühne und purem Slapstick. Spielmacher Carrington Love als Symbolfigur für eine ganze Mannschaft. Ein Typ wie ein Pinball, dem auf den ersten Metern wohl keiner folgen könnte, gäbe es für Gummisohlen auf Parkett nicht doch eine Haftungsgrenze. Dem Gegner den Ball zu mopsen, eine Disziplin, die der 22-jährige Rookie konkurrenzlos gut beherrscht. Leider auch jene, ihn anschließend häufig wieder zu verlieren. Love steht wie kein anderer für das Auf und Ab, für Licht und Schatten und eben auch: für Top-Unterhaltung.

Topteam oder nicht? Auf diese Frage hat der Trainer auch nach dem Wochenende noch immer keine klare Antwort gefunden. Zwar steht man noch immer punktgleich mit dem designierten Wiederaufsteiger MBC an der Tabellenspitze, doch ein Spiel lang klar dominiert hat man noch keinen Gegner. „Wir erleben Himmel und Hölle in einem Spiel“, sagt Michael Mai, dessen Aufgabe derzeit allein darin besteht, der Mannschaft Stabilität einzuimpfen. Stabilität für die vor allem einer sorgt: Jonathon Williams ist so etwas wie der Anker in tosender See. Die Konstante, an der sich junge Spieler wie Jonathan Maier, am Freitag in Paderborn mit elf Punkten und 13 Rebounds bärenstark, orientieren können. Eine solche ist auch Seth Hinrichs, der mit unspektakulärem Werk Woche für Woche fast unbemerkt Top-Statistiken auflegt.

„Die mannschaftliche Geschlossenheit ist unsere größte Qualität“, sagt Geschäftsführer Christoph Schmidt. „Wie jeder für den anderen ackert, das ist schon bemerkenswert.“ Und Glück gehört am Ende dazu. Schmidt:„Sonst wäre es kein Spiel.“

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