Lokalsport

Zwischen Toleranz und Training

Der ehemalige VfL-Oberligakicker Armin Ohran widmet sich als angehender Berufsschullehrer dem Thema Inklusion

Wie kann man die Toleranz gegenüber Menschen mit Behinderung erhöhen? Diese Frage treibt auch einen angehenden Berufsschullehrer mit Kirchheimer Fußballvergangenheit um. Armin Ohran (25) macht das Thema Inklusion im Sportunterricht an der Schöllkopfschule stark.

Keine Hemmungen hatten die Schüler der Schöllkopf-Schule beim Rollstuhlbasketball, das von Armin Ohran (kleines Bild) im Sportun
Keine Hemmungen hatten die Schüler der Schöllkopf-Schule beim Rollstuhlbasketball, das von Armin Ohran (kleines Bild) im Sportunterricht zum Thema Inklusion angeboten wurde. Foto: Jörg Bächle

Kirchheim. Lehrer haben vormittags recht und nachmittags frei – der öde Pädagogenwitz trifft auf Armin Ohran garantiert nicht zu. Wenn der 25-jährige Deutsch-Bosnier nicht gerade als Referendar der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule in Kirchheim auf seinen Abschluss hinarbeitet, schwitzt er bei den Fußballern des FC Heiningen für den Verbandsligaaufstieg. Beim Landesligazweiten tritt der gebürtige Reichenbacher seit Anfang vergangener Saison gegen den Ball, nachdem er zuvor zwei Jahre beim SV Schwetzingen – Ohran studierte im benachbarten Mannheim – und eine Saison beim FC Frickenhausen gekickt hatte.

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Szenekenner in der Teckregion verbinden mit ihm jedoch den VfL Kirchheim, wo der schlaksige Mittelfeldspieler von der D-Jugend an alle Nachwuchsmannschaften durchlief, um im Dezember 2007 in der Oberliga zu debütieren. Unter den Trainern Rentschler, Hofberger, Sehrig und Baumann galt Ohran zwar immer als großes Talent, konnte den endgültigen Durchbruch aber nie wirklich schaffen. Erst recht nicht unter Rainer Kraft, der ihn noch vor Beginn der letzten Kirchheimer Oberligasaison 2010/11 kurzerhand aus dem Kader strich.

Über seine Kirchheimer Fußballvergangenheit macht sich der ehemalige WFV-Auswahlspieler inzwischen keinen Kopf mehr. Stattdessen brütet der angehende Berufsschullehrer für Wirtschaftspädagogik und Sport täglich über seinem Unterricht.

Den hält er als Referendar seit Januar an der Kirchheimer Schöllkopfschule, wo ihm im Zuge der allgegenwärtigen Thematik Inklusion im Sommer eine bahnbrechende Idee kam: Um zu untersuchen, ob sich die Grundhaltung normaler Menschen gegenüber solchen mit Beeinträchtigungen ändert, wenn sie selbst ein Handicap erhalten, setzte Ohran kurzerhand Blindenfußball und Rollstuhlbasketball auf den Sportstundenplan. „Die Schüler haben keinerlei Hemmungen gezeigt und waren begeistert. Ich musste sie stellenweise eher zügeln, so engagiert waren sie bei der Sache“, schildert er lachend die Eindrücke der insgesamt acht Unterrichtsstunden, in denen er die 18 Schüler zunächst mit verbundenen Augen kicken ließ, ehe sie in Rollstühlen auf Korbjagd gingen.

Ideen holte sich Ohran dabei von Ulrich Pfisterer, Trainer der Blindenfußballmannschaft des MTV Stuttgart, und Werner Rieger, aktiver Rollstuhlbasketballspieler in Ellwangen, der ihm auch spezielle Sportrollstühle zur Verfügung stellte. „Die Vorbereitung und Organisation waren eigentlich am stressigsten. Die Umsetzung lief reibungslos, weil die Schüler so engagiert dabei waren“, sagt er.

Nach der letzten Unterrichtseinheit geht‘s für Armin Ohran nun an die Auswertung. Per Fragebogen will er prüfen, ob sich die Grundhaltung der Schüler beim Thema Inklusion nach der Selbsterfahrung geändert hat. „Die Bereitschaft ist auf jeden Fall da“, will er bereits positive Ergebnisse erkannt haben. Auf dieser Basis muss er bis Mitte Januar eine Dokumentationsarbeit verfassen, die für seinen Abschluss im März relevant sein wird.

Nebenbei will er als Heininger Mannschaftskapitän natürlich auch den ärgsten Rivalen um den Verbandsligaaufstieg kleinhalten, den TSV Weilheim. Mit den dortigen Leistungsträgern Chris Eisenhardt, Emrah Polat und Ferdi Er ist Ohran seit gemeinsamen VfL-Zeiten immer in Kontakt geblieben.