Teckbotenpokal

Über Alfred, Papa und Entenhausen

Turniersplitter Die 55. Auflage des Teckbotenpokals bot auf und neben den Plätzen Stoff für unzählige Anekdoten.

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Turnier vorbei, Chefs happy. Nach neun Tagen Dauerstress zog Rainer Braun, gemeinsam mit Christian Renz der Strippenzieher in Dettingen, ein positives Fazit: „Vor allem die letzten drei Tage waren super. Wir können wirklich zufrieden sein.“ Genaue Zuschauerzahlen lagen gestern zwar noch nicht vor, doch gehen die Dettinger davon aus, die 10 000er-Marke über die gesamte Veranstaltungsdauer geknackt zu haben.

 

Unverständnis löste der kurzfristige Verzicht des TSV Wendlingen II aufs Achtelfinale aus. Obwohl bereits seit Donnerstag als Zweiter der Gruppe D sicher für die Runde der letzten 16 qualifiziert, ließ sich der A-Ligist bis Freitagabend Zeit, um die Turnierleitung zu informieren, dass man zu viele Verletzte und Urlauber habe. Dass vier in Dettingen eingesetzte Spieler am Samstag bei einem Testspiel der Wendlinger „Ersten“ dabei waren, hinterlässt allerdings einen schalen Geschmack.

 

Regen war das zentrale Thema in Dettingen. Durchschnittlich 86 Millimeter pro Quadratmeter fallen normalerweise in der Schlossberggemeinde - im gesamten Monat Juli. Aber allein am nasskalten Mittwoch, als witterungsbedingt alle Spiele auf den Kunstrasen verlegt werden mussten, bedachte Tief „Alfred“ den Ort mit knapp 40 Millimetern.

 

Nah dran am Turniertorrekord war im Achtelfinale der TSV Weilheim: Beim 11:1-Sieg blieb der TSVW nur einen Treffer unter der historischen Marke des TSV Jesingen. Der hatte 2000 in Ohmden den TSV Schlierbach mit 12:0 vom Platz gefegt. Dreifacher TSVJ-Torschütze vor 17 Jahren: der heutige SGOH-Trainer Viktor Oster.

 

Italien-Power in der Nachbarstaffel: Nachdem der TSV Schlierbach, trainiert von Cesare D‘Agostino und geleitet von Paolo Pinnisi, mit den Neuzugängen Nicolo Incorvaia (VfL) und Carmelo Scaffidi (reaktiviert) sowie den arrivierten Fabio Santini und Carmelo Stuppia beim Turnier Lust auf italienisches Flair in der Kreisliga B6 gemacht hatte, kam der Schock: Das Team von der Bergreute ist der Staffel 7 im Göppinger Kreis zugeteilt worden. „Das ist eine Katastrophe“, klagt D‘Agostino.

 

Einen Nachfolger des TSV Weilheim als Gewinner des Duells mit dem Sieger des Nürtinger Sennerpokals wird es dieses Jahr nicht geben. Der 2016 erstmals ausgetragene „Supercup“ der beiden Zeitungsturniergewinner findet heuer mangels Geldgeber nicht statt - die AOK als letztjähriger Sponsor ist ausgestiegen, was zumindest in Dettingen für Enttäuschung sorgt. „Schade“, so Turnierleiter Christian Renz, „ich finde das eine klasse Idee.“

 

Rohrbruch und Brandherd: Für Tilo Starkert, der gemeinsam mit Fabian Pitzinger und Manuel Kurfiß die Turnierhomepage der SFD betreute, gab‘s auch neben dem Teckbotenpokal einiges zu tun. Am Mittwoch wurde er, seit 16 Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv, mit den Dettinger Floriansjüngern erst zu einem Rohrbruch auf den Guckenrain und dann zu einem Brand in einer Spedition gerufen. „Wir sind quasi immer in Bereitschaft“, so Starkert.

 

Sonnenschirmattacke: Da steht man nichts ahnend auf dem Turnierleitungscontainer und geht seinem Berichterstatterjob nach, und dann das: Eine Windböe schmettert einem donnernd einen Sonnenschirm gegen den Dez, wo gleich mal die Haut aufplatzt. Ein Pflaster aus dem Malteser-Zelt später kann der Zeitungsdienst jedoch bebeult fortgesetzt werden - sage noch einer, der Teckbotenpokal sei nicht aufregend!

 

Partyzeit bizarr: Wenn nach den Spielen gefeiert wurde, begann für manche Jugendliche das große Schmuggeln: „Da ziehen wir oft eine Wodkaflasche nach der anderen raus”, staunte Lucia Ba- rocka, Einsatzleiterin bei der Firma Steiner Security. So musste eine 16-Jährige bei der Kon- trolle ihre Tasche vor den Augen der Eltern öffnen - schon kamen vier Flaschen zum Vorschein, die Eltern fielen aus allen Wolken. „Der Vater wird sicher erst mal seinen Schnapsschrank kontrollieren“, meinte Steiner-Mitarbeiter Florian Beck.

 

Lass das mal den Papa machen - der Titelsong des Films „Stromberg“ bot wohl die kurioseste Tormusik der Turnierwoche. Wo sonst basslastige Partykracher („Freed from Desire“) oder stadiontaugliche Hits („Bro Hymn“) die Treffer untermalten, sorgte die gediegene Jazznummer von Christoph-Maria Herbst zumindest einmal für Kopfschütteln. „Sag mal, nehmt ihr da drinnen schon Alkohol zu euch?“, fragte Christian Renz in den Turnierleitungscontainer, als „Papa“ mal wieder angespielt wurde.

 

Immer festen Tritt dank Rindenmulch: Am zweiten Turniertag bannten die Dettinger den Matsch zwischen Parkplatz, Festzelt und Schlossberghalle mit knapp 87 Kubikmetern „Hackschnitzel“. „Das waren rund 20 Tonnen“, stöhnte Jens Weber vom Orga-Team, der kurzerhand seinen Geländewagen zur Verfügung stellen musste, da Heinz Häuptner mit seinem Frontlader nicht durch die Eingänge passte. „Da mussten wir ganz schön schaufeln“, so Weber.

 

Turnierpremiere für einen Funktionärsveteranen: Obwohl seit Jahren im lokalen Fußball unterwegs, erlebte SFD-Spielleiter Thomas Beller, zuvor lange Jahre in Kirchheim beim VfL und AC Catania in Amt und Würden, in Dettingen sein Teckbotenpokaldebüt als Verantwortlicher. „Davor hatte ich mich bislang immer erfolgreich gedrückt“, lachte er, der am heutigen Montag seinen 58. Geburtstag feiert.

 

Tapferer Pfeifenmann: Dass ein Mammutturnier wie der Teckbotenpokal auch den Schiedsrichtern alles abverlangt, wurde in Dettingen einmal mehr unter Beweis gestellt. Am Dienstag biss Markus Roth (Nürtingen) trotz Oberschenkelzerrung in seinen beiden Vorrundenspielen auf die Zähne. „Ist schon beim ersten Sprint passiert, aber was soll‘s?!“ zuckte Roth in der Halbzeitpause lachend die Schultern.

 

Entenhausen in Dettingen? Könnte man meinen, wenn man den Turnier-Spitznamen von SFD-Kassier Michael Bak (37) kennt, der mit Funktionärskollege Martin Schramm unter der Woche die Einnahmen in einem eigens geschaffenen Geldspeicher hinterm Festzelt bunkerte. Immerhin: „Dagobert“ Bak trägt weder Gamaschen noch Zwicker oder Zylinder. Und Panzerknacker haben ihn unter der Woche auch keine heimgesucht.

 

Rechnen lohnt: Heute in genau 363 Tagen beginnt die 56. Auflage des Teckbotenpokals. Gastgeber vom 29. Juli bis 5. August 2018 wird der TSV Weilheim sein. „Vielleicht fangen wir wie die Dettinger schon samstags an“, verrät Turnierplaner Günther Friess - in dem Fall verkürzt sich die Wartezeit auf 362 Tage.

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