Basketball

Eine Allianz fürs Überleben

Basketball Die Knights holen mit dem MTV Stuttgart und dem BV Hellas Esslingen Partner in der Nachwuchsarbeit ins Boot. Ziel ist die Qualifikation für die Jugend-Bundesliga (JBBL) im Juni. Von Bernd Köble

Gemeinsam stärker: Knights-Jugendkoordinator Frank Acheampong, Hellas-Jugendleiterin Gabriella Benyei, Knights-Geschäftsführerin
Gemeinsam stärker: Knights-Jugendkoordinator Frank Acheampong, Hellas-Jugendleiterin Gabriella Benyei, Knights-Geschäftsführerin Bettina Schmauder, VfL-Abteilungsleiter Marco Wanzke, BV-Vorsitzender Stergios Mangos, MTV-Jugendwart Olaf Müller und Stuttgarts Chefcoach Torsten Böhringer (von links).Foto: Stefan Schmauder

Es ist der nächste Schritt auf der Leiter, und er ist zumindest aus Kirchheimer Sicht alternativlos: Die Basketballer der Knights und des VfL Kirchheim wappnen sich für den Sprung in die Jugend-Bundesliga (JBBL). Eine Forderung der Pro A, an die ab Sommer die Lizenzvergabe geknüpft sein wird. Ob die U16-Qualifikation im Juni gelingt, hängt davon ab, ob man es schafft, bis dahin eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Alleine ist das nicht zu stemmen, mit neuen Partnern vielleicht schon: Der MTV Stuttgart und der Basketballverein Hellas Esslingen haben jetzt gemeinsam mit dem Zweitligisten einen Kooperationsvertrag unterzeichnet.

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Es geht um mehr als um Geld und Lizenzen, auch wenn der Verzicht auf erstklassige Nachwuchsarbeit die Zweitligisten demnächst teuer zu stehen kommt. Noch kann man sich freikaufen. Auf bis zu 10 000 Euro jährlich in drei Stufen bis 2020 belaufen sich die Sanktionen der Liga. Die Mehrheit der Klubs in der Pro A ist schon lange dabei. Unter der Teck herrscht jetzt Zugzwang. Deshalb hat man mit Frank Acheampong im September einen Jugendkoordinator in Vollzeit eingestellt. Seitdem ist der 37-jährige Berliner auf der Suche nach möglichen Kooperationspartnern.

Drei Vereine, ein Projekt, und alle sollen davon profitieren. Gute Jugendarbeit leistet jeder, an allen drei Standorten gibt es vielversprechende Talente, doch sie reichen nicht, um alleine den Weg nach oben zu schaffen. Im Spannungsfeld zwischen den Erstliga-Zentren in Ludwigsburg, Tübingen und Ulm herrscht ein Verteilungskampf um die stärksten Nachwuchsspieler. „Natürlich haben wir in den letzten Jahren stark darunter gelitten, dass unsere größten Talente abgewandert sind,“ betont Knights-Geschäftsführerin Bettina Schmauder. Das macht sich bemerkbar: Die Kirchheimer U16 ist Tabellenletzter in der Oberliga, die U14 Vorletzter.

Die Regionalliga als Brücke

Jetzt will man leistungsorientierten Jugendlichen langfristig eine Perspektive bieten - und nicht nur denen. „Es geht um ein Netz, in dem keiner verloren geht“, sagt Schmauder. „Wer an der Spitze Erfolg haben will, muss vor allem in der Breite stark sein.“ Es geht auch um Durchlässigkeit. Von der U12 bis zu den Aktiven. Nach dem Rückzug der VfL-Mannschaft aus der baden-württembergischen Regionalliga im vergangenen Frühjahr war die Kluft zum Zweitliga-Kader unüberbrückbar. Mit dem MTV Stuttgart in der 1. Regionalliga ist diese Lücke wieder geschlossen. Darunter gibt es Hellas und den VfL mit ihren beiden Landesliga-Mannschaften. Damit ist auch klar, welcher Schritt als nächster folgen muss: eine gemeinsame U19-Mannschaft in der Nachwuchs-Bundesliga (NBBL).

Das Ziel ist formuliert, ob es auf Anhieb zu schaffen sein wird, ist fraglich. In den drei Wochen nach den Pfingstferien finden die Qualifikationsturniere zur JBBL statt. Bisher sind weder Namen noch Anzahl der Gegner bekannt. Fest steht: Von den Nachwuchsteams der Erstligisten muss keiner in die Quali. Gleichzeitig wird über eine Aufstockung der JBBL von 54 auf 60 Mannschaften spekuliert. Damit stiegen die Chancen für den Neuling. „Es ist schwer, aber nicht unmöglich“, meint der designierte JBBL-Coach Frank Acheampong, der ein sechsköpfiges Trainerteam aus allen drei Vereinen anführen soll. Ihm bleibt wenig Zeit. Die ersten Sichtungen gab es schon. Bis Mitte April finden in Stuttgart und Esslingen weitere Tryouts statt. Bis Pfingsten soll der Kader stehen. Ein Stamm, der vor allem jung sein wird und überwiegend aus Spielern des Jahrgangs 2004 bestehen soll. „Damit gehen wir bewusst ins Risiko“, sagt der Coach. Gelingt die Qualifikation am Ende nicht, hätte die Mannschaft in gleicher Zusammensetzung ein Jahr später die erneute Chance. Bettina Schmauder bleibt gelassen: „Keiner kann uns zwingen, erfolgreich zu sein“, sagt sie. Mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages habe man nun das Fundament gelegt. „Den Erfolg können wir uns nicht backen.“