Basketball

Mirolybov und die Ritter gehen getrennte Wege

Basketball Die Kirchheim Knights und der finnische Trainer lösen wegen unterschiedlicher Auffassungen nach nur einer gemeinsamen Saison den Vertrag auf, der eigentlich noch bis 2019 gelaufen wäre. Von Peter Eidemüller

Nicht mehr Kirchheimer Trainer: Anton Mirolybov
Nicht mehr Kirchheimer Trainer: Anton Mirolybov

Kirchheims Zweitligabasketballer müssen sich nach einem neuen Trainer umschauen. Nach nur einer Saison haben die Knights und Anton Mirolybov ihre Zusammenarbeit bereits wieder beendet. Unterschiedliche Auffassungen in Sachen Spielweise, Auftreten und Entwicklung der Mannschaft nennt Sportchef Christoph Schmidt drei von mehreren Gründen für die Trennung, die zwar einvernehmlich vonstattengegangen ist, aber dennoch vorzeitig kommt.

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Mirolybov hatte vergangenes Jahr bei seiner Verpflichtung auf einer Klausel bestanden, die nach der Hinrunde eine automatische Vertragsverlängerung bis Saisonende 2019 vorsah, sofern die Knights ihm nicht kündigen würden. „Solch eine Klausel wird es in Zukunft nicht mehr geben“, betont Schmidt, der sich mit Mirolybov auf eine Auflösung des Vertrags geeinigt hat. „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, sagt er. „Nach vielen langen Gesprächen sind wir zu der Auffassung gekommen, dass es keine gemeinsame Basis für eine weitere Zusammenarbeit gibt.“

Ob und in welcher Form der Verein vor diesem Hintergrund an Glaubwürdigkeit verlieren könnte, bleibt abzuwarten. Schließlich waren die Ritter vor weniger als einem halben Jahr noch felsenfest überzeugt, dass der 40-jährige Finne „der richtige Mann ist, um die Knights in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln“, wie es Geschäftsführerin Bettina Schmauder damals formulierte. „Im Dezember war noch nicht abzusehen, dass wir in so vielen Punkten verschiedene Ansichten haben würden“, betont Christoph Schmidt.

Streitfall Kronhardt

Einer davon: die Personalie Andreas Kronhardt. Mirolybov hatte den Kapitän im Laufe der Rückrunde vom Anfangsaufläufer zum Bankdrücker degradiert, weil er der Meinung war, dass die Mannschaft neben Keith Rendleman keinen weiteren Center auf dem Parkett vertrage. Obwohl die Fronten zwischen beiden verhärtet schienen, verlängerte Kronhardt vor knapp fünf Wochen seinen Vertrag - auch im Wissen und Glauben, dass Mirolybov Trainer bleiben wird. „Ich hätte mich gerne in der Saisonvorbereitung mit ihm ausgesprochen und ihm gezeigt, dass Keith und ich gut miteinander harmonieren“, sagt Kronhardt, der sich nun stattdessen darauf freut, dem neuen Coach sein Können zu beweisen. „Ein guter Trainer sieht die Qualität der Spieler und setzt sie entsprechend ein“, sagt er nicht ohne Seitenhieb auf Mirolybov.

Dieser war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, findet in der offiziellen Pressemitteilung der Knights jedoch positive Worte: „Ich möchte mich bei meinen Spielern und dem Klub für eine gute Saison bedanken. Wir hatten mit vielen Verletzungen zu kämpfen, aber die Spieler waren jederzeit dazu bereit, hart zu arbeiten und für die Mannschaft zu kämpfen.“

Kritiker: Kein roter Faden zu sehen

Unter Mirolybovs Führung hatten die Knights 15 der 30 Saisonspiele gewonnen und waren nur aufgrund des schlechteren direkten Vergleichs mit Hanau als Tabellenneunter an den Play-offs gescheitert. Frei von Kritik war die Arbeit des Finnen trotzdem nicht. Nach einer verheißungsvollen Hinrunde, in der die Mannschaft trotz großer Personalprobleme auf Play-off-Kurs gesteuert war, geriet nach dem Jahreswechsel immer mehr Sand ins Getriebe. Fans monierten fehlende Impulse von der Bank und vermissten den roten Faden im Spiel der Knights.

Obwohl er diese Ansichten zum Saisonende hin stellenweise teilen konnte, bricht Sportchef Christoph Schmidt eine Lanze für den Ex-Coach. „Menschlich hat es mit Anton immer gepasst, wir hatten ein gutes Arbeitsverhältnis und werden auch in Zukunft in Kontakt bleiben.“

Nach der Trennung beginnt für die Knights nun die Suche nach einem Nachfolger für die am 22. September beginnende Saison. „Vor dem Hintergrund der Kaderplanung ist es natürlich unser Wunsch, dass es schnell klappt“, sagt Christoph Schmidt, „aber wichtiger als Schnelligkeit ist, dass sich der Neue für unsere Philosophie und das Projekt Kirchheim begeistern kann.“