Konzert des Württembergischen Kammerchors in Maria Königin
Magisch-mystische Klänge

Kirchheim. Begeistert aufgenom­men und stürmisch gefeiert wurde die Aufführung zweier Chorwerke des 1957 geborenen Stuttgarter 


Gunthild Arnold

Komponisten Axel Ruoff durch den Württembergischen Kammerchor unter Leitung von Dieter Kurz in der Kirchheimer Kirche Maria Königin.

Das hoch dekorierte Ensemble zu rühmen, nicht zuletzt, was die Interpretation Neuer Musik angeht, heißt Eulen nach Athen tragen. Man kennt seine Qualitäten seit Jahrzehnten und kommt doch einmal mehr aus dem Staunen nicht heraus, was klangliche Homogenität, perfekte Intonation und Artikulation, dynamisches Spektrum und die musikalische Durchdringung hoch komplexer Partituren angeht.

Ruoffs in teils freitonaler, teils atonaler Klangsprache komponierte „Missa brevis“ hat als Zentrum einen ergreifenden „Miserere“-Teil, in dem der Chor von Johanna Zimmers Solosopran überglänzt wurde – Neue Musik, die unmittelbar anspricht und doch auf ihre Weise kompromisslos ist. Dies gilt in verstärktem Maße für die Kantate „ Die Hexe von Endor“ nach alttestamentarischen Texten. Sujetgemäß herrscht hier eine düstere, teils aggressiv-dämonische, teils magische Klangwelt vor, deren Effekte nicht zuletzt durch das von Chorsängern bediente Schlagwerk erzeugt werden. Dieter Kurz gestaltete mit seinen Musikern die Klangvisionen des halbstündigen Werks in geradezu atemberaubender Weise. Beschwörend sang Sabine Czinczel die Mezzosopran-Partie der Hexe, zum Terzett ergänzt durch Georg Kalmbachs kernigen Tenor und den Bass von Albrecht Meincke.

Die großartige Organistin Bernadetta Sunavska meisterte nicht nur horrende technische Schwierigkeiten mit Leichtigkeit – sie gab der Kantate über weite solistische Passagen hinweg ein geschärftes musikalisches Profil und wurde zu Recht bejubelt.

Als sinnreiche Ergänzung zu den Ruoff-Stücken standen drei eher unbekannte Werke von Johannes Brahms auf dem Programm: das „Geistliche Lied“ op. 30, ein Choralvorspiel aus op. 122 und die drei Sätze einer unvollendeten Chormesse. Die hier fast durchgehend introvertierte Brahms’sche Tonsprache bildete den meditativen Kontrast zu den harten Kontrasten und wilden Ausbrüchen der „Hexenkantate“. Einzigartig auch hier die Klangkultur, mit der der Württembergische Kammerchor „seinen“ Brahms sang: ein beeindruckender Abend.