Abschlussbericht der Kirchheimer Demenzkampagne im Ausschuss vorgestellt
„Man muss sich nicht verstecken“

Zum Abschluss der Kirchheimer Demenzkampagne ist im Finanz- und Verwaltungsausschuss des Gemeinderats folgendes Fazit gezogen worden: Es kann jeden treffen. Immer mehr Menschen erkranken. Betroffene und Angehörige brauchen viel Unterstützung.

Kirchheim. Für Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ist es besonders wichtig, „dass der Öffentlichkeit bewusst wird, dass immer mehr Menschen an Demenz erkranken“. Die zurückliegende Kampagne habe den Anstoß gegeben, um ein Netzwerk aufzubauen. Dabei gehe es vor allem darum, diejenigen aufzufangen und zu unterstützen, die demenzkranke Menschen betreuen. Eine besondere Unterstützung kann schon allein die folgende Aussage der Oberbürgermeisterin sein: „Man muss sich nicht verstecken.“

Kirchheims Sozialamtsleiter Roland Böhringer sagte im Ausschuss, dass es in Kirchheim rund 600 Menschen gebe, die an Demenz erkrankt sind. Bis 2050 sei mit einer Verdoppelung dieser Zahl zu rechnen. Derzeit sei gegen die Alzheimer-Krankheit noch kein Kraut gewachsen. Sie sei weder vermeidbar noch heilbar. Vorhandene Medikamente könnten lediglich helfen, den Verlauf der Krankheit hinauszuzögern.

Die Hoffnungen würden zwar auf der Forschung ruhen. Solange es aber noch keine wirksamen Medikamente gibt, sei es eine schwierige Aufgabe für die Gesellschaft, den Umgang mit der Krankheit und mit den Erkrankten zu meistern. Die Menschen seien auf eine besondere Pflege angewiesen, weil sie zwar ihre Gedächtnisleis

­tung und ihre Fähigkeiten verlören, nicht aber ihre Empfindungen. Die Angehörigen stießen deshalb schnell an ihre Grenzen. Es sei aber eine gemeinschaftliche Aufgabe, Demenzkranke möglichst lange in der Mitte der Gesellschaft leben zu lassen und sie nicht sofort an besondere Einrichtungen weiterzugeben.

Michaela Göhler-Bald vom Amt für Familie und Soziales erläuterte Einzelheiten zur Kampagne, die bei 39 ganz unterschiedlichen Veranstaltungen immerhin rund 1 200 Besucher verzeichnen konnte. Zu den Veranstaltungen gehörten Vorträge, Theateraufführungen, Kunstausstellungen, Kinofilme, Stadtführungen. Vorlesestunden, ein Gottesdienst, ein Weinabend und der „Tanztee“, der auch nach dem Ende der Demenzkampagne fortgeführt werden soll. Auch der Einsatz jugendlicher Skater, die in den Ferien Einkäufe erledigt und den Erlös der Demenzkampagne gespendet hatten, fand bereits seine Fortsetzung mit dem „Demenzcafé“ im Mehrgenerationenhaus Linde.

An Zielgruppen, die die Demenzkampagne erreichen sollte, nannte Michaela Göhler-Bald die Bürgerschaft allgemein, zu denen natürlich auch Betroffene und Angehörige zählen, sowie Personen mit Publikumsverkehr – bei Banken, bei der Polizei oder auch im Einzelhandel – und Fachpersonal. Gerade beim Fachpersonal habe es anfangs geheißen, dass es genügend eigene Fortbildungsveranstaltungen gebe. Die Auswertung der Demenzkampagne ergab jedoch, dass 22 Prozent der Besucher aus beruflichen Gründen kamen. Lediglich die Angehörigen stellten mit 30 Prozent ein noch größeres Kontingent.

Stadtrat Andreas Kenner (SPD) betonte im Ausschuss: „Wir sind alle nicht vor Demenz gefeit. Wir sollten die Stadt jetzt so prägen, dass wir später einmal sorgenfrei dement werden können.“ Dr. Silvia Oberhauser (Frauenliste) schlug zu diesem Zweck vor, nach dem Prinzip der Kelly-Inseln Anlaufstellen in der Stadt einzurichten.