Räte begrüßen Kreisbauvorhaben – aber nicht in allen Details
Massive Baukörper in der Kritik

Die Kreisbaugenossenschaft möchte neun Gebäude in der Bismarck- und in der Eichendorffstraße sanieren oder auch durch Neubauten ersetzen. Der Kirchheimer Gemeinderat hat sich grundsätzlich für diese Erneuerung ausgesprochen. Die Detailplanung wurde indessen auch stark kritisiert.

Kirchheim. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ging im Ratsrund zunächst darauf ein, dass die Planungen der Kreisbaugenossenschaft direkt auf die Ergebnisse der „Zukunftswerkstatt Neues Wohnen“ von 2008 zurückzuführen seien. Einerseits gehe es natürlich darum, alte Bausubstanz zu erneuern. Andererseits aber brauche es in Zukunft „mehr Platz für Kommunikation“. So sollten in dem Quartier auch Gemeinschaftsräume angeboten werden. Und weil das Durchschnittsalter der Gesellschaft im Steigen begriffen ist, habe der Bauträger im Vorfeld auch schon Kontakt zum nahegelegenen Altenzent­rum Sankt Hedwig aufgenommen. Schließlich stehen die Bedürfnisse älterer Menschen bei der Planung immer mehr im Vordergrund.

Dieter Mündler vom Stadtplanungsamt stellte einige technische Eckdaten vor. Der vorhandene Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 1953, ist also nahezu 60 Jahre alt. Angedacht ist nun, dass die vorhandenen drei Gebäude Bismarckstraße 60 bis 64 jeweils Neubauten weichen sollen. In der Eichendorffstraße geht es um die sechs Doppelwohnblocks mit den Hausnummern 53 bis 75. Von diesen sechs Gebäuden sollen zwei abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Vier Gebäude werden im Bestand grundlegend saniert.

Dr. Thilo Rose (CDU) fand es grundsätzlich gut, dass dort etwas für die Innnenentwicklung getan wird. Allerdings hatte er Schwierigkeiten mit dem künftigen Bebauungsplan: „Sämtliche Gebäude, die abgerissen und erneuert werden, sind breiter, tiefer, höher als bisher.“ Gerade mit den ausgebauten Dachgeschossen würden die neuen Gebäude wirken, wie wenn sie vier Vollgeschosse hätten, und nicht wie bisher nur drei. Dabei hat Thilo Rose eine ganz klare Vorstellung, wie die Neubauten wirken müssen: „Die neuen Objekte sollen sich in die Umgebung harmonisch einfügen.“ Um die Ausmaße und die Wirkungen der neuen Gebäude besser beurteilen zu können, forderte er ein Modell.

Sabine Bur am Orde-Käß (Grüne) lobte das Vorhaben zunächst ebenfalls, weil sich der Bauträger intensiv an der „Zukunftswerkstatt Neues Wohnen“ beteiligt habe. Von der Neubebauung beziehungsweise Sanierung erhofft sie sich „energetische Verbesserungen“. Deshalb erwartet sie bis zum Satzungsbeschluss noch ein Energiekonzept. Die geplanten Gemeinschaftsfreiflächen stellen für sie einen „guten Ansatz“ dar, wobei sie noch hinzufügte: „Eigentlich sollte es in jedem Haus einen Gemeinschaftsraum geben.“ Den vorhabenbezogenen Bebauungsplan als solchen können die Grünen allerdings nur teilweise begrüßen: „Ein Plan für das gesamte Raunergebiet wäre uns natürlich lieber gewesen.“

Birgit Müller von der Frauenliste hatte ebenfalls das gesamte Wohngebiet im Blick, als sie das konkrete Vorhaben kritisierte: „So wie geplant, wird es viel zu massiv für das Wohngebiet.“ Zum einen hätten die Neubauten vier statt drei Stockwerke. Aber es sei nicht nur die Höhe der Gebäude, sondern „die gesamte Kubatur“, was die Maßstäbe der bestehenden Bebauung sprenge. Als positiv bewertete auch Birgit Müller die Tatsache, dass die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt in die Planungen mit eingeflossen sind.

Peter Bodo Schöllkopf (SPD) störte sich gleichfalls an den Ausmaßen der neuen Häuser: „Neue Gebäude in dieser Massivität, das gibt eine ganz andere Struktur. Da wird eine Überarbeitung notwendig sein. Die Bürger wollen keine so großen Projekte mehr.“ Nicht zuletzt die Trauf- und Firsthöhen gäben noch Anlass für Diskussionen.

Hagen Zweifel, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, sieht im Rauner eigentlich zwei unterschiedliche Wohngebiete: Der ursprünglich bebaute Rauner ende mit der Silcherstraße, während das Gebiet, um das es jetzt gehe, erst in den 1950er-Jahren entstanden sei. Nach 60 Jahren seien gewisse Anpassungen „mehr als überfällig“. Und für größere Wohnungen brauche es zwangsläufig auch mehr Grundfläche und größere Baukörper. Besonders begrüßte Hagen Zweifel den geplanten Bau einer Tiefgarage.

Bis zum Beginn möglicher Bauarbeiten wird es noch viele Möglichkeiten zum Diskutieren geben. Vorläufig hat der Gemeinderat nur den Aufstellungsbeschluss gefasst – aber immerhin einstimmig.