Tausende Besucher rund um das Kirchheimer Feuerwehr-Museum und die Max-Eyth-Schule
Mechanische Stars auf Technik-Meile

Rauchende Schornsteine, stampfende Kolben und blitzendes Blech: Das war gestern auf der Kirchheimer Technik-Meile bestens spürbar. Vom dampfbetriebenen Lokomobil bis zum hochmodernen Elektroauto gab es hier Raritäten aus über 100 Jahren Maschinen- und Fahrzeugbau.

Kirchheim. In Sachen Technik hat Kirchheim einige Raritäten zu bieten. Zum Beispiel die Schnellzuglok BR 03-188, die zum Auftakt gellend ihre Pfeife ertönen ließ. „Von ihr gibt es in Deutschland nur noch ein ­Exemplar und das steht im Deutschen Eisenbahnmuseum“, sagt Achim Gold, Vorsitzender der Vereins „Historische Dampftechnik“. Und auch er und seine Mitstreiter nennen eine echte Kostbarkeit ihr Eigen: einen kompletten Fowler-Pflugsatz, Baujahr 1909, inklusive Vier-Schar-Kipppflug und Kultivator. Bis Anfang der 60er-Jahre war das Gespann in der Lohnpflügerei im Einsatz. Die Maschinen fuhren nicht etwa übers Feld, klärt Gold die vielen interessierten Besucher auf: „Die haben 20 Tonnen Gewicht, da pflanzen sie sonst nichts mehr an.“ Vielmehr standen die zwei Maschinen am Feldrand und zogen den schweren Pflug mittels Seilwinde hin und her. Bis zu 500 Meter Seil fasste früher die große Kabeltrommel unter dem Dampfkessel. „Heute haben wir nur maximal 300 Meter für das Schaupflügen drauf“, meint Gold.

Die mächtigen Eisenrösser und die Dampfstraßenwalze der Firma Zettelmeyer sind die Stars der Kirchheimer Technik-Meile rund um die Feuerwache und die Max-Eyth-Schule. „Hier sieht man mindestens noch, dass sich was bewegt“, sagt ein Besucher. Und nicht nur die Kinder nutzten die Gelegenheit, die Veteranen der Technik aus nächster Nähe zu begutachten.

Alte Technik gibt es auch ein paar Meter weiter zu bestaunen, wo das Feuerwehrmuseum und das Team vom Verein der Freunde und Förderer der historischen Feuerwehrtechnik der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim (VfH) ihre wertvollen Stücke präsentieren. Unter anderem die Magirus-Dampfspritze, ebenfalls eine echte Rarität wie die aufwendig restaurierte dunkelgrüne LDL von Mercedes/Magirus, früher bei der Werkswehr der Firma Otto & Söhne im Einsatz.

Dass die alte Mechanik durchaus noch oder wieder einsatzbereit ist, bewiesen die Mitglieder des Vereins, der in diesem Jahr bereits sein 20-jähriges Bestehen feiern darf, am Nachmittag bei einer eindrucksvollen Schauübung mit der Dampfspritze.

Den Sprung ins 21. Jahrhundert machten die Besucher dann bei den Präsentationen der Max-Eyth-Schule: Vom selbstfahrenden Rasenmäher-Roboter bis hin zur satellitengesteuerten Navigation in der Agrarwirtschaft oder Elektrofahrzeug boten die Lernenden und Lehrenden einen Einblick in die Unterrichtsvielfalt der Gewerblichen Schule für Metall- und Elektrotechnik.

Landrat Heinz Einiger, der die Technik-Meile am Vormittag eröffnete, informierte sich bei einem Rundgang über die aktuellen Unterrichtsthemen und Projekte. In seiner Rede bekannte sich der Kreischef zudem unter dem Beifall der Zuhörer eindeutig zum Fortbestand der Schule. „Sie ist zukunftsfähig und sie wird weiter ausgebaut“, sagte er den Kirchheimern zu. Die Max-Eyth-Schule sei ein Standortfaktor für Technik, Industrie und Handwerk in der Raumschaft Kirchheim, den es zu sichern gelte, führte Eininger weiter aus. Die Schule solle in den kommenden Wochen und Monaten neu aufgestellt und ausgerichtet werden. Der entsprechende Antrag werde demnächst im Kreistag gestellt.

Zwischen zischenden Dampfkesseln und Hightech bot die Technik-Meile auch Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein. Während die Oldtimer auf Hochglanz gewienert in der Sonne glänzten, nutzten viele Besucher die Gelegenheit, sich in den kühlen Hallen der weitläufigen Garagen des VfH zu stärken. Auch ein Aufstieg hoch ins Feuerwehrmuseum garantierte eine attraktive kleine Pause. Auf der Sonnenterrasse auf dem Dach der Max-Eyth-Schule bot sich beim Weißwurst-Frühstück Gelegenheit zu einem Blick auf die TechnikMeile. Und auch die Kinder kamen beim Wettlöschen oder Spiel voll auf ihre Kosten.