

Mitgebracht hatte die gute Theaterfee der Theaterprofi Bernd Gnann. In Karlsruhe ist das Stück letztes Jahr in seinem Kammertheater mit Erfolg gelaufen. In einer kurzen Vorrede stellte sich Gnann als „Intendant“ des „Kirchheimer Stadttheaters“ vor und kündigte vier weitere Gastspiele an. Als Energiebolzen strebt er ein eigenes Haus in Kirchheim und eigene Produktionen an, alles in Eigenfinanzierung. Von dem „Heilmittel“ Theater kann es nicht genug geben. Die eigene Spielstätte wird nötig sein, um den hehren Titel „Stadttheater“ mit Inhalt zu füllen. Denn Theatergastspiele in der Stadthalle, die gibt es schon, und keine schlechten.
Etwas Besonderes hat Gnann aber mitgebracht: einen Megastar. Ingrid van Bergen lockte die Leute an zwei Abenden an. Ihre künstlerische Karriere und ihr bewegtes Leben sind allgemein bekannt. Sie wurden im Vorfeld im Teckboten ausführlich gewürdigt. Gerade durch ihre Lebenserfahrung ist sie wie geschaffen für die Rolle der Maude. Sie kann auf der Bühne in aller Gelassenheit ihre Aura wirken lassen. Jede Geste und jedes Wort sitzt. Sie spricht nicht nur von Lebenszuversicht, sondern führt sie, über achtzig Jahre alt, vor.
Unterstützt wird sie in ihrer Mission von einem Bühnenbild, das von Henri Rousseaus „Traum“ inspiriert ist. Die Bildtafeln vermitteln die Atmosphäre einer natürlichen und sinnesfrohen Welt. Sie sind beweglich und schaffen dadurch immer wieder neue Spielräume.
Alexander Merbeth behauptet sich als Harold mit jugendlichem Charme gegenüber der Mittelpunktsfigur Maude und mit Coolness gegen seine Mutter, die es so gut meint und doch alles falsch macht. Unter der Regie von Ingmar Otto darf Catrin Flick als Mutter die Komödie bedienen. In verstärktem Maße ist das bei Katja Hirsch und Hans Rüdiger Kucich in Vielfachrollen der Fall: sie als mehrfache skurrile Ehekandidatin, er als Vertreter der Ordnungsinstanzen des american way of life, das heißt als Polizist, Psychiater und Geistlicher.
Aber diese Instanzen versagen kläglich. Das hat schon dem 1971 produzierten, sehr erfolgreichen Film „Harold and Maude“ einen satirischen Biss gegeben. Der Text von Collin Higgins hat literarische Qualität, den Beweis liefert allein schon die Tatsache, dass die Romanfassung als Reclamheftchen greifbar ist. Die Theaterfassung unterhält und ergreift, auch wenn der Filmkenner den Soundtrack von Cat Stevens vermisst und in der Stadthalle bei der Aussteuerung der Bühnenmikrofone und bei der Lichtregie noch Wünsche offen bleiben.
Ein höchst zufriedenes Publikum begab sich anschließend zu einem kostenlosen Imbiss in das wohnlich ausgestattete Foyer. So lässt man sich ein Gastspiel gefallen, Stadttheater hin oder her.
