ADFC. Die Ergebnisse der ADFC-Radreiseanalyse 2025, an der eine Rekordzahl von 17.300 Menschen im Rahmen einer repräsentativen Online-Umfrage teilnahm, zeichnen ein detailliertes Bild des aktuellen Radtourismus in Deutschland. Insgesamt sind 39,3 Millionen Menschen im Urlaub, auf Reisen oder in der Freizeit mit dem Rad unterwegs, wobei die Nutzung von E-Bikes stetig zunimmt und die Erholung in der Natur im Vordergrund steht. Trotz des großen Interesses – jeder vierte Radreisende investiert in neue Ausrüstung – zeigt die Analyse einen Rückgang bei der Zahl der Radreisen und Tagesausflüge. Laut Christian Tänzler, Radtourismusexperte im ADFC-Bundesvorstand, verfügt Deutschland zwar über ein enormes Potenzial, da bereits jeder zweite Erwachsene das Fahrrad nutzt und sich die Hälfte der Nicht-Radreisenden eine solche Reise künftig vorstellen kann, doch bedarf es gezielter Maßnahmen bei der Infrastruktur, der Bahnanreise und Angeboten für Familien, um die Attraktivität zu steigern. Dies deckt sich mit der Nationalen Tourismusstrategie der Bundesregierung, die dem Radverkehr auf allen Ebenen neuen Schub verleihen will.
Radfahren im Urlaub
Der Radreisetourismus gliedert sich laut Analyse in vier Segmente: Radreisen, Radkurzreisen, Tagesausflüge und die Radnutzung im Urlaub. Im Bereich der klassischen Radreisen (mehr als drei Übernachtungen) sank die Zahl der Reisenden von 3,6 Millionen im Jahr 2023 auf 3,3 Millionen im Jahr 2025. Diese unternahmen insgesamt 4,6 Millionen Reisen mit einer durchschnittlichen Dauer von 7,6 Übernachtungen. Auch die Radkurzreisen (ein bis zwei Übernachtungen) verzeichneten einen Rückgang von 5 Millionen (2023) auf 4,2 Millionen Menschen (2025) bei insgesamt 7,6 Millionen Reisen, wobei der Mai und der Juni als beliebteste Monate hervorstachen. Massive Einbußen gab es bei den Tagesausflügen: Hier sank die Zahl von 455 Millionen im Jahr 2023 auf 361 Millionen Ausflüge, die von insgesamt 34 Millionen Menschen unternommen wurden. Einzig das Segment Radfahren im Urlaub verzeichnete ein deutliches Wachstum: 12,7 Millionen Menschen nutzten das Rad insgesamt 22,8 Millionen Mal als Nebenaktivität, verglichen mit 10,6 Millionen Menschen im Jahr 2023. Als Gründe für die Rückgänge in den anderen Bereichen werden das wechselhafte Wetter im Juli 2025, ein gesteigerter Wunsch nach reiner Erholung, Sicherheitsbedürfnisse sowie gestiegene Kosten angeführt.
Jeder Zweite auf Radreisen mit Pedelec
Trotz sinkender Ausflugszahlen bleibt der Radtourismus ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor mit Gesamtausgaben zwischen 38,7 und 41,8 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die Pro-Kopf-Ausgaben sind gestiegen, was auch daran liegt, dass vermehrt Hotels statt Campingplätze genutzt werden. Radreisende gaben im Schnitt 133 Euro pro Tag aus, Kurzreisende 144 Euro, Radurlauber 128 Euro und Tagesausflügler 34 Euro. Zudem gaben 29 Prozent der Befragten an, die Reise zum Anlass für Neukäufe genommen zu haben, primär Fahrradtaschen, Kleidung und Ersatzteile. Bemerkenswert ist, dass jeder zehnte Käufer in ein neues E-Rad investierte, während nur jeder Zwanzigste ein Fahrrad ohne Motor erwarb. Mittlerweile ist jeder Zweite auf Radreisen mit einem Pedelec unterwegs, was den Tourismus auch für neue Zielgruppen in hügeligen Regionen zugänglich macht.
Elberadweg am beliebtesten
Bei den Zielen führt der Elberadweg weiterhin die Liste der am meisten befahrenen Radfernwege an, gefolgt vom Weserradweg und dem Ostseeküstenradweg. Die weiteren Plätze der Top Ten belegen der Rheinradweg, der Bodensee-Königssee-Radweg, der Mainradweg, der Donauradweg, der Moselradweg, der Emsradweg und der Fünf-Flüsse-Radweg. Die Motivation hinter diesen Reisen ist eindeutig: 93 Prozent der Befragten suchen Erholung in der Natur, wobei Konflikte mit anderen Ausflüglern mit nur 15,8 Prozent eine untergeordnete Rolle spielen. Der ADFC, der als weltweit größte Interessenvertretung über 240.000 Mitglieder zählt, betont auf Basis dieser seit 1999 durchgeführten Langzeitstudie, dass Radreisen gesund und erholsam sind, der Markt jedoch kontinuierliche Pflege der Infrastruktur und zielgruppenorientierte Konzepte benötigt.

