Nürtingen. Bis heute ist das Nürtinger Traditionsunternehmen im Besitz der drei Gründerfamilien. 25 Gesellschafter halten Anteile. Jetzt soll dieser Gesellschafterkreis erweitert werden. „Die drei Inhaberfamilien sind bereit, neue Anteilseigner aufzunehmen und so frisches Geld ins Unternehmen zu holen“, sagt Garbrecht. Dies passiere nicht aus der Not heraus. Vielmehr gehe man damit konsequent den nächsten Schritt bei der Restrukturierung des Unternehmens. „Unsere Strategie ist auf Langfristigkeit und Wachstum ausgelegt“, so Garbrecht. Die vor zwei Jahren eingeschlagene Neuausrichtung mit der Konzentration auf professionelle Anwender und einer Produkt- und Zielgruppenoffensive trage nun Früchte. Im vergangenen Jahr habe man ein positives operatives Ergebnis erreicht. Der Umsatz wurde um 13 Prozent auf 338 Millionen Euro gesteigert. Auch die Zahlen des ersten Quartals 2011 seien erfreulich: „Das zeigt, dass wir den richtigen Kurs eingeschlagen haben.“
Das Wachstum und die Investitionen in neue Produkte kosteten aber Geld. Hier wolle man nun die derzeit guten Bedingungen sowohl auf dem Absatz- wie auf dem Kapitalmarkt ausnutzen. Geld von Kapitalanlegern sei genug auf dem Markt: „Mit dem neuen Kapital wollen wir unsere Wachstumsstrategie und den weiteren Ausbau strategischer Geschäftsfelder beschleunigen.“ Mit wie viel Geld der neue Kapitalgeber einsteigen soll, hänge vom Konzept und den Ideen des Investors ab, ergänzt Finanzvorstand Eric Oellerer. Es sei auch möglich, dass dieser die Mehrheit übernehmen wolle: „Damit muss man sich auseinandersetzen.“
Mit der Suche nach einem Kapitalgeber wurde das Hamburger Bankhaus Berenberg beauftragt. „Wir gehen auf solide Finanzinvestoren zu, die auf Nachhaltigkeit setzen und die unsere strategische Ausrichtung aus Überzeugung mittragen“, bekräftigt Garbrecht. Eine sogenannte Heuschrecke soll es auf keinen Fall sein. Ob man bereits potenzielle Investoren im Auge hat, dazu wollte die Geschäftsleitung nichts sagen. Schon relativ bald wolle man mit einer Auswahl von Investoren reden. „Wir möchten einen zügigen Prozess“, so Garbrecht.
Die Gesellschafter stünden hinter der Entscheidung, so der Vorstandsvorsitzende. Ihnen sei wichtig, dass es für das Unternehmen der richtige Weg ist: „Es gibt eine hohe emotionale Bindung der Gesellschafter zum Unternehmen.“ Die Eigentümerfamilien hätten in der Zeit der Restrukturierung und der Wirtschaftskrise „in erheblichem Umfang“ Kapital nachgeschossen. Sie wollen am Unternehmen beteiligt bleiben, selbst wenn ein Investor die Mehrheit übernehmen würde.
Den Schritt in die Öffentlichkeit gehe man bewusst bereits jetzt zu Beginn des Prozesses, sagt Pressesprecher Peter Hartung. So wolle man verhindern, „dass falsche Gerüchte aufkommen“. 2004 hatte es Gerüchte um einen Verkauf von Metabo nach China gegeben. „Heute geht es nicht um einen Verkauf, sondern um Kapitalbeschaffung“, so Hartung.
Die Mitarbeiter wurden am Montag über die Pläne informiert. Diese seien plausibel vermittelt worden, berichtet der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Hans Schweizer. Im Betriebsrat beurteilt man die eingeschlagene Strategie positiv. Erste Erfolge seien da. Man sei mit Arbeit gut ausgelastet. Jüngst hätten rund 20 Leiharbeiter befristete Verträge bekommen. Wichtig sei den Mitabeitern bei den Betriebsversammlungen gewesen, dass die Arbeitsplätze nicht gefährdet sind, was vom Vorstand bekräftigt worden sei. Man erwarte, dass bei der Auswahl des Investors darauf geachtet werde, dass dieser ein langfristiges Engagement anstrebe und die Strategie mittrage.
