Bissingen. Dem Natur- und Artenschutz soll durch das neue Alt- und Totholzkonzept einmal mehr Rechnung getragen werden. „Viele Tiere und Pflanzen leben in den abgestorbenen Bäumen“, wusste Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf und plädierte nicht nur aus Gründen der Biodiversität für das neue Konzept. Es sorge auch für eine praxisnahe Bewirtschaftung und für Rechtssicherheit.
Im Staatswald ist dieses Konzept verbindlich umzusetzen, dem Kommunalwald empfiehlt der Landesforst Baden-Württemberg, es ihm gleichzutun.
Das Alt- und Totholzkonzept steht auf zwei Säulen: Zum einen sollen Minibannwälder oder „Waldrefugien“ mit mindestens einem Hektar Fläche ausgewiesen werden und zum anderen sogenannte Habitatgruppen, die überwiegend in über 100 Jahre alten Waldbeständen liegen. Das können etwa fünf bis 15 Bäume sein, auf denen schützenswerte Tiere leben.
Diese Baumgruppen bleiben bis zu ihrem Zerfall bestehen. Das gleiche gilt für das liegende Totholz. Zwischenzeitlich entstehen dann an neuer Stelle andere Schutzinseln im Wald, die nicht forstwirtschaftlich genutzt werden.
Darüber hinaus können die Kommunen, die an dem Konzept teilnehmen, Ökopunkte erhalten. Für einen Quadratmeter Minibannwald vier Ökopunkte, das sind pro Hektar 40 000 Punkte, die bei anderweitigen Eingriffen als Ausgleichsmaßnahme angerechnet werden können. „Diese Punkte sind bares Geld“, so der Bürgermeister. Allerdings weiß noch niemand, was sie wert sind. „Es läuft erst an. Es hat sich noch kein Markt entwickelt“, so Marcel Musolf.
Die Kommune kann die Ökopunkte ansammeln und sich ein Konto anlegen. Sie können auch an Dritte verkauft werden, die einen Eingriff in die Natur planen.
„Kaum eine Gemeinde tut sich so leicht, das Konzept zu verwirklichen, da es im Bissinger Wald Bestände gibt, in denen sich eine Bewirtschaftung nicht lohnt“, sagte Forstamtsleiter Felix Reining. Das sind die sehr schwer zugänglichen Steillagen unterhalb der Ochsenwanger Steige und zwischen Auchtert und Lindenspitz. Außerdem wies der für den Bissinger Wald zuständige Dettinger Förster, Benjamin Fischer, zehn Habitatbaumgruppen im Gemeindeforst aus, die sich als Schutzinseln eignen, aber wirtschaftlich nicht relevant sind, wie der Bürgermeister sagte.
Das Alt- und Totholzkonzept wurde im Februar 2010 in Baden-Württemberg eingeführt.
