Esslingen. Am Esslinger Bussteig 2 hängt noch der Abfahrtsplan des durch die Nacht-S-Bahn ersetzten Nachtbusses N 10. Daneben steht eine Gruppe junger Leute und will nach Nürtingen.Der Aushang am Taxihäuschen ist leider auch nicht besser. Jugendliche wundern sich zu Recht, als sie die alte Abfahrtszeit 3.20 Uhr lesen, haben sie ihr Nachttaxi doch auf 2.50 Uhr bestellt. Das ist auch richtig, denn die drei Esslinger Nachttaxilinien verkehren nun direkt im Anschluss an die erstaunlich gut besetzten Nacht-S-Bahnen. Die Linie NT 10 fährt nach Ostfildern und Denkendorf, die Linie NT 11 nach Aichwald, die Linie NT 12 nach Hohenkreuz und Rüdern. Zusätzlich gibt es den Nachtverkehr auf der Linie T1 06 nach Baltmannsweiler, der von Taxi Jannis in Plochingen betrieben wird und statt am Taxistand am Busbahnhof abfährt.
Das Esslinger Nachttaxi wird im neuen VVS-Fahrplan auf Seite 833 erklärt. Leider entspricht die Information dem Stand vor dem Fahrplanwechsel, Abfahrtszeiten und Fahrpreise sind falsch. Sechs Euro für bis zu zwei Fahrgäste und drei Euro für jeden weiteren, das gilt nur noch für Schüler und Studenten. Alle anderen zahlen aktuell sieben beziehungsweise 3,50 Euro.
Taxis hat es in jener Nacht genug am Esslinger Bahnhof. Doch weniger als die Hälfte der Esslinger Taxis sind auch Nachttaxis. Ein Teil der Unternehmer macht nicht mit. Denn sie müssten Belege sammeln und abrechnen, auf die Differenz zum Normalpreis warten. Früher erkannte man ein Nachttaxi wenigstens am Schild im Fenster, doch diese Schilder gibt es nicht mehr. Jetzt hängt am Taxihäuschen ein Zettel mit den Taxinummern, die mitmachen. Der Fahrgast muss die Nummern mit den wartenden Taxis vergleichen. Oder er fragt direkt die Fahrer. Deren Antworten fallen teils ziemlich grummelnd aus. Den beiden jungen Damen, die nach Krummenacker wollen, sagt der Fahrer, der Normalpreis sei mit acht Euro fast gleich. Sie zahlen. Wegen der Bauarbeiten ist die Taxizentrale umgezogen, das Häuschen nicht mehr besetzt. Es fehlt anderes Personal, das die Fahrgäste verteilen könnte. Maria-Lena Prestel muss suchen und ist sauer. Dass es nicht funktioniere und man lange warten müsse, sei an der Tagesordnung, klagt sie. Erst Punkt drei Uhr sitzt sie im Nachttaxi nach Hohenkreuz. Weil mehrere Nicht-Nachttaxis vor dem Fahrer stehen, verlässt er den Taxistand über den Gehweg.
Obwohl die Nachttaxilinien feste Zeiten haben und die Fahrgäste 30 Minuten vorher vorbestellen müssen, haben sie keinen Vorrang. Andere Fahrgäste und Aufträge auf dem Display des Fahrers können dazwischenkommen. Begründet wird das mit der Beförderungspflicht. „Einmal wurde mir das vorbestellte Taxi von anderen weggeschnappt“, erzählt Jugendgemeinderat Kai Nitsche. „Viele Fahrer fahren nicht gerne Nachttaxi. Teils wurde der volle Preis verlangt.“
Kein Wunder, dass die Jugendlichen einen richtigen Nachtbus wollen, dafür 2 500 Unterschriften gesammelt haben. Einen Nachtbus, der zwar nicht wie das Taxi bis zur Haustüre fährt, aber mit normalen VVS-Fahrscheinen zu benutzen ist, und in den man auch unterwegs einsteigen kann. „Das große Interesse zeigt, dass das etwas ist, was Esslingen hinbekommen sollte“, sagt Nitsche.
Nachttaxifahrgäste als Kassenpatienten, die eben länger warten müssen? In Wendlingen nicht. Dort wartet in der gleichen Nacht um vier Uhr am Bushalt 1 das schwarze Großraumtaxi der Linie NT 81 in Richtung Nürtingen. Das Linientaxi ist exklusiv für Nachttaxifahrgäste da, eine Vorbestellung nicht nötig. Fahrer Frank Neef steht mit der Taschenlampe draußen und kontrolliert die VVS-Fahrausweise, sie gelten ohne Zuschlag. Als überraschend nochmals acht Mann nach Nürtingen wollen, bestellt er ein zweites Fahrzeug. „Es ist in wenigen Minuten da“, verspricht er.
