Erfolg für Lehner Sensor Systeme Kirchheim beim bundesweiten Wettbewerb „Ausgewählte Orte im Land der Ideen“
Mit innovativem Pflanzen-EKG in die Zukunft

Die Idee hat das Zeug, das Miteinander von Mensch und Pflanze revolutionär zu verändern. Für ihre Innovation „E-Plant – das Pflanzen-EKG“ erhielt die Lehner GmbH aus Kirchheim das Prädikat „Ausgewählter Ort 2012“.

Kirchheim. Aus insgesamt 2 100 Bewerbern hatte eine Expertenjury aus Wissenschaftlern, Wirtschaftsmanagern, Journalisten und Politikern neben 40 weiteren Mitbewerbern aus Baden-Württemberg auch das E-Plant Sensorsystem des Kirchheimer Unternehmens in den illustren Kreis von 365 ideenreichen und kreativen Vorbildern aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Umwelt, Bildung und Gesellschaft ausgewählt. Bislang vor allem bekannt für die Entwicklung und Produktion intelligenter Sensorsysteme und Anlagen für die Prozessorautomatisierung ist das im Industriegebiet Kruichling angesidelte Unternehmen inzwischen auch auf dem Gebiet der Biotechnologie erfolgreich innovativ tätig.

Der bundesweit ausgetragene Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ zeichnet nicht Orte im geografischen oder politischen Sinn aus, sondern Impulsgeber, die zukunftsorientierte Ideen entwickeln, fördern und aktiv umsetzen. Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker freute sich mit Dr. Lars Lehner und seinem Vater Rolf-Peter bei der offiziellen Feierstunde trotzdem ganz besonders darüber, dass auch Kirchheim zum Kreis der 41 in Baden-Württemberg ausgewählten und damit herausgehobenen Standorte zählt.

Dass in der Geburtsstadt von Max-Eyth noch immer „schlaue Köpfe“ gute Ideen ausbrüten, mit großer Leidenschaft umsetzen und für ihre Sache begeistern, mache sie stolz und dankbar zugleich. Beeindruckt von Dr. Lehners mitreißender Begeisterung attestierte sie ihm, ein Zukunftsmensch zu sein, der die Welt von morgen mitgestaltet, Vorbild sein kann und wichtige Impulse geben kann. Aufhorchen ließ sie mit ihrem Hinweis auf eine weitere demnächst anstehende Preisverleihung. Dr. Lehner zählt auch zu den 60 Unternehmern, die bei dem zum Geburtstag von Landesregierung und SWR ausgelobten Wettbewerb „Übermorgenmacher 2012“ ausgewählt wurden.

Welch großartiges Potenzial im Pflanzen-EKG des patentierten „E-Plant“-Systems steckt, machte Lars Lehner anschließend deutlich. Die in Kirchheim neu entwickelte Messmethode erfasst – vergleichbar den ärztlichen EKG-Messungen am menschlichen Körper – schwache elektronische Signalmuster direkt auf der Pflanzenoberfläche. Diese Signale stehen in direktem Zusammenhang mit verschiedenen Wachstums- oder Entwicklungsstadien. Irregularitäten – etwa durch Trockenstress, Parasitenbefall oder aber den Beginn der Blütenbildung – sind in den aufgezeichneten Kurvenverläufen klar erkennbar. Dass Umweltveränderungen und die sich daraus ergebenden negativen Einflüsse auf das Pflanzenwachstum frühzeitig erkannt und damit auch gemeldet werden können, eröffnet vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Gartenbau sowie in der Land- und Forstwirtschaft. Die Funksensorik ermöglicht großflächige Überwachungen von Anbauflächen im Freiland und im Gewächshaus. Durch frühzeitiges Erkennen kann Fehlentwicklungen gegengesteuert werden, um Ernteerträge zu sichern oder auch zu steigern. Durch gezielten Einsatz von Spritzmitteln und das gleichzeitige Einsparen überflüssiger Spritzkampagnen kann auch die Umweltbelastung reduziert werden.

Neben dem Entwicklungszustand der Pflanzen – wie etwa der Reifebestimmung im Weinbau – ermöglichen die bei Parasitenbefall sich verändernden elektronischen Signale auch, befallene Kulturen zu identifizieren und gezielt zu behandeln. Was in der erwerbsmäßigen Landwirtschaft in der Pflanzzucht, beim Wein- und Hopfenanbau oder in großen Obstplantagen zum Einsatz kommt, kann aber auch im privaten Haushalt gute Dienste leisten. Wertvolle Kübelpflanzen und Formgehölze oder die klassischen Balkonkästen können bei entsprechender sensorischer Betreuung fachgerecht vor dem Austrocknen und den früh erkennbaren Belastungen von Trockenstress bewahrt werden.

Mit einer kleinen Filmeinspielung wurde demonstriert, wie einfach hochkomplexe Zusammenhänge dokumentiert werden können, um dann durch entsprechend zielorientiertes Handeln die Bedingungen für Pflanzen zu optimieren.

Christine Montigel, die als Vertreterin der Initiative „ Deutschland – Land der Ideen“ aus Berlin zur Preisverleihung angereist war, erinnerte in ihrer Laudatio an den chinesischen Philosophen und Dichter Dschuang Dsi, der einmal gesagt hat: „Das Wirken der Natur zu erkennen und zu erkennen, in welcher Beziehung das menschliche Wirken dazu stehen muss: das ist das Ziel“. Beeindruckt zeigte sie sich daher, dass Projekte wie das prämierte „E-Plant“-System gleichzeitig Ressourcen der Umwelt schützen und nützen. Sie gratulierte Dr. Lehner und seinem Vater stellvertretend für alle Projektbeteiligten offiziell zur Auszeichnung „Ausgewählter Ort 2012“.

Den symbolträchtigen „Pokal“ mit je einer in voller Blüte darin „eingefrorenen“ schwarzen, roten und goldenen Dahlie überreichte Dr. Christian Stotz vom Kooperationspartner Deutsche Bank. Er freute sich darüber, dass das innovative Unternehmen aus dem Kreis Esslingen sich in „Konkurrenz“ mit solarbetriebenen Wasseraufbereitungsanlagen, co2-neutralen Supercomputern und Kardanwellen aus nachwachsenden Rohstoffen einen Platz unter den Preisträgern sichern konnte. Gut gelaunt sensibilisierte er anschließend seine Zuhörerschaft für das angebrochene neue Denken. Wer noch immer glaubt, „über allen Wipfeln ist Ruh‘“ habe nur nicht richtig „zugehört“. Wie ja überzeugend belegt wurde, senden sie unentwegt Signale aus über ihre derzeitigen Befindlichkeiten.