Neidlingen. Diplom-Ingenieur Griebel von der Württembergischen Obstgenossenschaft Raiffeisen stellte die Eckpunkte und die Ziele des ökologischen Landbaus vor. Die Nachfrage nach Bio-Säften und -Konzentraten ist weiterhin steigend.
Seit 2007 sei nach einer EG-Verordnung auch der Bio-Mostobstanbau möglich, berichtete Griebel. Dieser kommt ohne chemische und synthetische Wirkstoffe aus und duldet keinerlei Herbizide. Biologische Düngemittel sind auf dem Markt und daneben bieten sich unter anderem Stallmist, Kompost, Rindenkompost, Holzasche, Kaliseife, Paraffinöl und Schwefel an. Wer Bio-Erzeugnisse in seinem Betrieb erzeugen will, komme um eine volle Betriebsumstellung nicht herum.Bio-Erzeuger und -Anlagen würden wegen dem hohen Vertrauensschutz in entsprechende Erzeugnisse überwacht.
Die Ausführungen zum biologischen Anbau wurden sehr aufmerksam verfolgt, wobei jedoch erkannt werden musste, dass sich einzelne Betriebslösungen sehr schwertun werden und die derzeit vorhandenen Grundstücksverhältnisse wenig geeignet erscheinen.
In der Sitzung wurde auch der im Vorjahr verstorbenen Mitglieder Hermann Hitzer und Willy Burkhardt gedacht. Der Vorsitzende Kurt Hepperle blickte anschließend auf Blüte und Reife der Obstfrüchte zurück. Bereits am 3. Juni gab es die ersten Kirschen, am 20. Juli die letzten und damit insgesamt sieben Kirschenwochen.
Die Förderprojekte nach dem Life+-Programm berühren den Verein selbst nicht, wohl aber die Mitglieder. Zu dieser Förderung wurde sehr bedauert, dass Bewirtschafter, die ihre Bäume bisher einigermaßen gepflegt haben, leer ausgehen, und angemerkt, dass Kirschbäume von der Förderung kaum profitieren. Angeblich deshalb, weil diese sich allgemein in einem annehmbaren Zustand befinden und ihnen wohl weniger Bedeutung für die Vogelwelt zugemessen wird als vor allem Apfel- und Birnbäumen.
Die regen Vereinstätigkeiten vor allem im Kirschenmuttergarten, bei Schnittkursen und nicht zuletzt beim Miteinander der Vereine im Ort, ergaben sich lückenlos aus dem Bericht von Schriftführer Kurt Waimer. Als Kassenverantwortlicher legte Roland Kuch Einnahmen und Ausgaben offen. Zur Kassenprüfung stellte Roland Ruoß fest, dass es keinerlei Beanstandungen gab und nichts einer Entlastung von Kassier und dem gesamten Vorstand im Wege steht. Diese wurde von Bürgermeister Rolf Kammerlander beantragt und einstimmig erteilt. Der Bürgermeister wertete die Ausführungen und Begründungen für einen biologischen Anbau grundsätzlich positiv. Jedoch seien die Grundstückszuschnitte in Neidlingen meist nicht allzu geeignet. Das Life+-Programm habe bei aller Förderung jedoch auch viel Ärger mit sich gebracht, weil ihm Neubaugebiete geopfert werden mussten. Es führe auch kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass es sich um ein Vogelschutzprogramm handle, habe aber auchdazu geführt, dass der Wert der Streuobstwiesen und der damit verbundene Pflegeaufwand deutlich erkannt worden sind. Weiter wurde auf das anstehende Problem der Entsorgung von Schnittgut aus obstbaulichen Pflegemaßnahmen eingegangen. Eine befriedigende Lösung sei in Neidlingen noch anzustreben. Sehr anerkennend wurde der Einsatz der vereinseigenen Obstauflesemaschine hervorgehoben.
Gespannte Aufmerksamkeit galt den Informationen, Auskünften und Fragen zum Pflanzenschutz durch den Vorsitzenden, wobei die Bekämpfung der Kirschfruchtfliege, die durch die in jüngster Zeit auch in Baden-Württemberg festgestellte Kirschessigfliege einen weiteren Mitschädling gefunden haben dürfte.
Es war noch zu erfahren, dass im abgelaufenen Jahr knapp 250 Tonnen Mostobst maschinell aufgelesen wurden. Allerdings geht es auch dabei nicht ohne Handarbeit, denn faulige Früchte müssen auf jeden Fall aussortiert werden.
Ein zweitägiger Ausflug nach Michelbach im Odenwald ist im August vorgesehen, und das Frühlingsfest wird am 6. Mai starten. Eine Verbindung zu einem Verein im Elsass ist derzeit im Entstehen. Die Versammlung hat auf jeden Fall grünes Licht gegeben und sieht einer positiven Entwicklung dieser Partnerschaft entgegen. Schließlich wird der Verein auf Anregung eines Mitglieds einen Weg suchen, um der Bürgerschaft einen gemeinsamen Besuch der Landesgartenschau in Nagold anzubieten.ur
