Beuren protestiert gegen Landkreis-Pläne – Freilichtmuseum braucht teure Ersatzflächen für Bunker
Munitionsdepot wird wieder Wald

Bis zum Jahr 2029 bleibt noch Zeit, um das ehemalige Munitionsdepot im Tiefenbachtal vertragsgemäß aufzuforsten. Aber die Absicht des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Esslingen, das Areal im Tiefenbachtal zu kaufen, löste im Gemeinderat Beuren große Sorgen aus, dass die Erddeponie vergrößert wird.

Kreis Esslingen. Die Aufforstung hat auch für das Freilichtmuseum Folgen: Es hat in den alten Bunkern Inventar gelagert und braucht Ersatzhallen. Die Kosten dafür könnten im Millionenbereich liegen.

Beurens Bürgermeister Erich Hartmann sagte, auf dem Areal gebe es schöne Bunker, die „tolle Lagerplätze für allerlei Gut“ darstellten. Mit der geplanten Aktion werde wertvolles „Volksvermögen“ vernichtet.

Vor gut 20 Jahren sollte die Mülldeponie des Kreises vergrößert werden. Die Beurener Bürger hatten dagegen erfolgreich protestiert. „Uns berührt die Befürchtung“, sagte der Bürgermeister, „dass eine Großdeponie durch die Hintertür kommt“. Das Volumen mit 500 000 Kubikmetern unbelasteter Erde sei „nicht ohne“. Er frage sich, wo die Rechtsgrundlage für Aufschüttung und Verfüllung sei.

Laut Rolf Hahn, Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB), hat sich der Kreis Esslingen in dem 1999 geschlossenen Mietvertrag mit dem Land Baden-Württemberg verpflichtete, spätestens mit Ende der Laufzeit im Jahr 2029 das Munitionsdepot rekultiviert zu haben. Dies könne entweder durch Beseitigung aller Gebäude oder durch eine Verfüllung in einer gewissen Höhe und Neubepflanzung erfolgen. Rund die Hälfte der Mietzeit sei nun abgelaufen. 500 000 Kubikmeter Erde könnten nicht kurzfristig akquiriert werden. Deshalb müsste man mit der Planung und Umsetzung bereits heute beginnen.

Die Gemeinde Beuren hatte dagegen gehofft, dass dieser Wald nach der Rekultivierung der Mülldeponie Blumentobel zur Ruhe kommt. Durch die Pläne im daneben liegenden Waldteil werde die Unruhe mindestens weitere zehn Jahre dauern. Wenigstens werde Beuren von den 25 000 bis 30 000 Lkw-Ladungen Erde, die in das Waldgebiet gefahren werden, nur zu einem kleinen Teil betroffen sein, glaubt Hartmann. Die Hauptanfahrtsstrecken liefen über Nürtingen und Owen. Er verstehe aber nicht, dass hier „munter alles kahl geschlagen werden“ könne. Um später eine voll funktionsfähige Waldfläche zu erhalten, würden die Vegetation und Tierwelt zunächst erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Für geplante Baugebiete einer Gemeinde bedeuteten Halsbandschnäpper, Bruthöhlen und alte Streuobstbestände dagegen oft das Aus. Laut AWB-Geschäftsführer Hahn ist der Mietvertrag mit dem Land nicht verlängerbar, da die Landesforstverwaltung wieder Wald haben wolle. Nach dem Motto „Was Wald war, soll wieder Wald werden“ wollten der Abfallwirtschaftsbetrieb und der Kreis Esslingen der Forderung der Landesforstverwaltung nachkommen. Auf das „Volksvermögen“ komme es nicht an. Geprüft werde, die Verwaltungsgebäude beizubehalten, die vom Freilichtmuseum genutzt werden, obwohl diese bereits einige Gebäudeschäden aufwiesen.

Felix Reining, Leiter der Forstverwaltung im Kreis, schaute auf die Entstehung des Munitionsdepots zurück. Die Fläche sei rechtlich immer Wald gewesen. Damit sei klar, dass nach der militärischen Nutzung der Wald wieder hergestellt werden müsse. Weil das Abbrechen der Bunker unwirtschaftlich sei, bliebe nur die Verfüllung. Für die Rekultivierung sei eigentlich der Bund als Nutzer zuständig gewesen. Dieser habe die Rekultivierung an Baden-Württemberg übertragen und das Land wieder an den Kreis als derzeitigen Nutzer. Naturschutzrechtliche Bedenken hat Reining nicht, da das Nadelholz erst 40 Jahre alt und nicht standortgerecht sei.

AWB-Betriebsleiter Manfred Kopp zeigte Pläne zur geplante Überschüttung. Auf dem Areal entstehe kein richtiger Erdberg, „sondern nur eine vernünftige Geländemodellierung, um dort wieder heimischen Wald pflanzen zu können“. Die Maßnahme solle sich über zehn Jahre erstrecken, so werde die Verkehrsbelastung reduziert, ebenso der jährliche Einschlag im Nadelwald.rok/dg