Serenadenkonzert des Symphonischen Orchesters der Musikschule Kirchheim
Musikalische Auferstehung

Dettingen. Beim Untergang der Titanic wurde es plötzlich ausgesprochen lebendig. Lächelnde Gesichter und wiegende Oberkörper begleite­-


ten das fortwährend weiterschlagende Herz, mit dem sich Celin Dion über Monate hinweg in den Charts halten konnte, der Doppelpunkt für den zweiten Teil der Serenade des Symphonischen Musikschulorchesters unter der engagierten Leitung von Johannes Stortz.

Teil eins endete mit zwei Sätzen aus Luigi Boccherinis G-Dur-Cellokonzert. „Gute Nerven“ bräuchte man für den Solopart, gab der Komponist selber zu. Und nicht nur allein diese Eigenschaft warf Katharina Sigel üppig in die Waagschale. Es war auch jenes sensible Gespür für einen harmonischen Ausgleich zwischen technisch anspruchsvoller Virtuosität und feinsinnigem Musizieren, das ihren Bogenstrich auszeichnete und für eine solch junge Künstlerin sicher sehr wegweisend ist. Umso bedauerlicher war, dass der für die zahlreichen Zuhörer und Musizierenden gleichermaßen hoch anspruchsvolle erste Teil dieses selten bunten Programms hinter der Lebendigkeit und Verve der Soundtracks von „Titanic“ bis „Lord of Dance“ im zweiten Teil deutlich zurückblieb. Erst also die Arbeit, dann das Vergnügen?

Auch das eigentlich selten verrückte Concerto g-Moll für zwei Celli von Antonio Vivaldi eröffnete die Serenade eher verhalten zögerlich, gleichsam einem abzuarbeitenden Vorprogramm, wobei die dumpfe Wohnzimmer-Atmosphäre des Gemeindehauses im Dettinger Pfarrgarten den beiden hoch talentierten Solisten Tabea Hilfer und Johann Riepe sicher nicht unbedingt in die Karten spielte. Es bedurfte ihres engagierten Zugriffs, um sich gegenüber den umklammernden Orchestertuttis angemessen Gehör zu verschaffen. Und sie verschafften sich eindrucksvoll Gehör! Dabei entfaltete der zurückgestellte Sitzplatz des Co-Solisten eine dezente Echowirkung, die diesem Stück ein neuartiges, aber durchaus interessantes Hörerlebnis bescherte.

Ja, wir befanden uns kurz vor Weihnachten, eigentlich nicht unbedingt die Zeit für sommerliche Freiluftveranstaltungen, für die man musikgeschichtlich den Begriff der „Serenade“ kreierte. Immerhin aber kam mit Sweelincks „Hodie Christus natus est“ kurz vorweihnachtliche Kurrende-Atmosphäre auf, wozu auch die äußerst vorteilhafte Aufstellung im Flur des Gemeindehauses sorgte. Ein Kunstgriff, der vorwegnehmend bestätigte, wie überfordernd das laute Orchestertutti beim „One Last Shot“ in „Fluch der Karibik“ für den akustisch relativ beschränkten Kirchengemeindesaal in Dettingen eigentlich war. Warum also nicht gleich der vorzügliche Kirchenraum der Sankt-Georgs-Kirche als Austragungsort? Der ursprünglich für Vokalquintett komponierte ausgelassene Jubel der „Engel und Gerechten“ in Sweelinks Komposition war jedenfalls förmlich mit Händen zu greifen, eine Begeisterungsfähigkeit, die den beiden temperamentvollen italienischen Concerti unverdientermaßen fehlte und die nach der Pause schließlich auch die Streicher beim „Karibischen Fluch“ zu lächelnder Vitalität anspornte. Fehlte zuvor möglicherweise die rhythmisch antreibende Prägnanz eines echten Cembalos?

Es war ohnehin faszinierend zu beobachten, welch atemberaubendes künstlerisches Potenzial bei den musizierenden Schülerinnen und Schülern der Kirchheimer Musikschule erlebbar wurde. Vielleicht hätte sich dies noch durch angemessenere pädagogische Entscheidungen deutlicher entfalten können.