Das Ensemble „Conflauti“ entführte in der Owener Bernhardskapelle seine Zuhörer nach Italien und Frankreich
Musikalische Reise zu Europas barocken Zentren

Owen. Von Venedig nach Paris: In seinem Konzert in der Owener Bernhardskapelle stellte das Ensemble „Conflauti“ Werke des französischen und italienischen Barock einander
 gegenüber. Irmtraud Geywitz und Martin Hermann (Blockflöten), Hélène Godefroy (Viola da gamba und Barockcello) und Alexander Strauss (Cembalo und Orgelpositiv) spürten dabei der Kontinuität musikhis­torischer Traditionslinien nach, machten aber auch deutlich, welch unterschiedliche Ansätze der Klangkultur und Aufführungspraxis beide Strömungen erfordern.

Der zentralistisch regierte Versailler Hof übte unter der Regentschaft des Sonnenkönigs Louis des XIV. eine regelrechte Sogwirkung auf das europäische Musikleben seiner Zeit aus. Antoine Dornel, Antoine Forqueray und Jaques Hotteterre waren drei der namhaftesten Komponisten, die an dieser höfischen Prachtentfaltung unter dem künstlerischen Monopol Lullys Anteil hatten.

Mit Dornels Triosuite D-Dur aus den „Livres de simphonies“ führten die Musiker von „Conflauti“ ihre Hörer mitten hinein in die distinguierte höfische Welt Frankreichs um 1700. Die Suite, also eine kunstvolle Reihung stilisierter Tanzssätze, kann als eine spezifisch französische Entwicklung betrachtet werden, wohingegen Hotteterre, der auch den Beinamen „Le Romain“ führte, sich mit seiner viersätzigen Triosonate in d-Moll an italienischen Vorbildern orientierte.

In der Interpretation von „Conflauti“ leuchteten beide Werke als formvollendete, von feierlicher Eleganz geprägte Kaleidoskope kompositorischen Ideenreichtums auf, zu der sich die Abfolge musikalischer Bilder der „Pièces“ aus der 1. Gambensuite von Forqueray in ergänzendem Kontrast hinzustellte.

Wird seinem Kollegen Marin Marais gemeinhin eine eher lyrische Grundierung bescheinigt, gilt Forqueray als der Dramatiker unter den Gambenvirtuosen. Zu

Recht, wie die Deutung von Hélène Godefroy aufzeigte. Eine stark konturierte, expressive Bildhaftigkeit prägt die drei ­„pièces“, die sich im letzten Stück „La Portugèse“ gar zur robusten, scharf akzentuierten Lautmalerei auswächst.

Der stets etwas samtverhangenen Noblesse des französischen Barock folgte in der zweiten Konzerthälfte eine weitaus lichtere Welt. Ein Sprung um einhundert Jahre zurück in den oberitalienischen Kulturraum bescherte klanglichen Facettenreichtum mit vielfältigem Instrumentarium. Vor allem der Einsatz von Diskantflöten sorgte für ein kräftiges, offenes Klangbild, dem sich Geywitz und Hermann in überschäumender, von figurativem Laufwerk getragener Virtuosität widmeten.

Tarquinio Merulas Canzoni „La Catarrina“ und „La Treccha“ gerieten dank des offensiven Zugriffs beider Flötisten zu vital schillernden Por­träts. Ihr beachtliches solistisches Können, ihren meisterlichen Umgang mit der hohen Kunst der Diminuition stellten die beiden Holzbläser mit ihren Darbietungen der Variationen Richardo Rognionos über „Un gay bergier“ und dem „Recercata quarta“ von Giovanni Bassano eindrucksvoll unter Beweis.

Auch das Orgelpositiv wurde dank Alexander Strauss‘ Interpretation der „Fantasia terza di medemo“ aus seiner Continuo-Rolle zu solistischen Ehren gehoben, bevor sich die Kräfte des Ensembles abschließend bündelten und Francesco Turinis „Sonata a 3“ zur musikalischen Kulmination führten.

Warum das Werk den Beinamen „il corisino“ trägt, wurde rasch klar. Rhythmisch pochend zieht ein an den menschlichen Herzschlag gemahnendes Motiv durch alle Stimmen. Allein im hörenden Nachvollzug dieses unprätentiösen musikalischen Abbilds wurde die große Qualität des Ensembles noch einmal deutlich: Ein transparentes, auf historische Authentizität gerichtetes Klangbild, das fern von akademischer Spröde die Hörer mit Klangsinnlichkeit, Homogenität und spielerischem Elan zu begeistern wusste.