Frühjahrskonzert des Zither- und Akkordeonvereins in der Kirchheimer Stadthalle
Musikalische Weltreise

Einen weiten Bogen über mehrere Epochen und Stilrichtungen schlug der Zither- und Akkordeonverein Kirchheim bei seinem Frühjahrskonzert in der Kirchheimer Stadthalle. Von der Polka über Schlager und Ragtime bis hin zum Tango Nuevo war einiges geboten.

Kirchheim. Fritz Rueß, der Leiter der Zithergruppe, kündigte eine musikalische Drei-Länder-Reise an, die mit der Polka „Beim Storchenwirt“ von Hans Dondl begann, benannt nach einem bayerischen Wirtshaus. Den traditionellen „Schwyzer Ländler“ versprach die Gruppe „in einem Affatempo“ zu spielen und grüßte damit die gemütliche Schweiz. Weiter ging es beim „Kärntner Liedermarsch“ von A. Seifert im zügigen Wanderschritt in das südliche Österreich mit seinen warmen Seen, an deren Ufern die Volksmusik zu Hause ist. Der „Oberösterreichische Bauernwalzer“ von Oskar Maurus führte mit einem großen Klangspektrum in die Region an der Donau, die für ihren Most bekannt ist. Der „Steirische Liedermarsch“ von Hermann Pölzl brachte gute Laune auf die Bühne und viel Applaus in den Saal, sodass eine Zugabe fällig war. Zu dieser kehrten die Musiker nach Kirchheim zurück und trugen den von dem unvergessenen Hermann Kielnecker komponierten Marsch „Flott weg“ vor.

Unter der Leitung von Wolfgang Haller begann der Harmonika-„Club 66“ seinen Auftritt mit dem von Karl Bohnenstengel komponierten „Kosaken-Ritt“. Mit der „Gitarren-Serenade“ von Franz Funk präsentierten die Musiker einen Tango, der auch ohne Gitarre mit schönen Harmonien begeisterte. Ein bekannter Schlager von Mireille Matthieu aus den 70er-Jahren war „Es geht mir gut, Cherie“ mit seinen traurig-theatralisch anmutenden Versen und dem fröhlichen Refrain. Bei dem Schlager „Mamy Blue“ von Hubert Giraud kam das beeindruckende Klangvolumen der kleinen Handharmonikas gut zur Geltung. Zum Abschluss trug die Gruppe Udo Jürgens‘ „Ich war noch niemals in New York“ vor, der Applaus entlockte dem Ensemble als Zugabe noch Peter Alexanders „Feierabend“.

Das Akkordeon-Jugendorchester unter der Leitung von Claudia Raichle stimmte nach der Pause mit dem von Jürgen Schmieder komponierten „Tango-Fieber“ auf moderne Or­ches­ter­litera­tur der Gegenwart ein. Besonders gelungen war die Percussion-Einlage aller Spieler, zu der sie zeitweilig die Tastatur verlassen muss­ten. Mit „Strangers In The Night“ brachte die Gruppe einen bekannten Schlager von Bert Kaempfert zu Gehör. Die „Pop Collection“, ebenfalls von Jürgen Schmieder, brachte den Klang einer Band mit lockerem Off-Beat auf die Bühne.

Die anschließende Umbaupause wurde den Zuschauern mit einem Lichtbildervortrag über Aktivitäten im Vereinsleben verkürzt.

Das Akkordeonorchester, ebenfalls unter der Leitung von Claudia Raichle, begann seinen Auftritt mit Jimmy Webbs „Mac Arthur Park“, einer Pop-Hymne mit den Elementen einer Ouvertüre. Mit dem nachfolgenden „Root Beer Rag“, den man von Billy Joel eigentlich als Klavier­solostück kennt, bewiesen die Spieler, dass dieser temporeiche Ragtime auch von einem ganzen Orchester in rhythmischer Einheit und präzisem Zusammenspiel präsentiert werden kann. Vorwarnen musste der Erste Vorsitzende Holger Reusch das Publikum vor dem „Undertango“ von Astor Piazzolla. Dieser Funken sprühende expressionistische Tango Nuevo des Argentiniers verbarg hinter rhythmischer Untermalung teilweise märchenhaft schöne Melodien und schaffte es dennoch, die Stimmen auf faszinierende Art miteinander zu verknoten, bis sich der dissonante Schlussakkord explosionsartig Bahn brach.

Eine an Michael Jacksons „Smooth Criminal“ angelehnte Rock-Fantasie mit kernigem Rhythmus brachte wieder angenehmen Wohlklang auf die Bühne, und auch für das Auge war mit der ausdrucksstarken Tänzerin Priscilla Tharan einiges geboten. Eine Folge von Boney-M.-Hits löste im Publikum große Begeisterung aus, doch die Zugabe „Crazy Little Thing Called Love“ von Freddy Mercury in einer Bearbeitung durch die lebende Akkordeon-Legende Hans-Günther Kölz heizte die Stimmung noch mehr an, was eine zweite Zugabe erforderlich machte. sr