Harmonie Schlierbach feiert mit einem Jubiläumskonzert in der Dorfwiesenhalle sein 90-jähriges Bestehen
Musikverein bietet eine „persönliche Heimat“

Der Musikverein Harmonie Schlierbach hat sein 90-jähriges Bestehen gefeiert. Rund 200 Besucher kamen zum Jubiläumskonzert in die Dorfwiesenhalle und blickten bei einer musikalischen Weltreise auf die traditionsreiche Geschichte des Vereins zurück.

Schlierbach. „1924 von ein paar musikalischen Idealisten gegründet, musste der Musikverein gleich zu Beginn schwere Zeiten überstehen“, sagte Sylvia Buchele. Nach der Inflation sei es sicherlich nicht einfach gewesen, Instrumente zu beschaffen. Trotzdem hätten sich die damaligen Vereinsmitglieder nicht entmutigen lassen und bei Festen, Tänzen, Hochzeiten und anderen Anlässen mit Elan und voller Leidenschaft für die Musik aufgespielt, wie das Vorstandsmitglied berichtete. „Aus der Zeit der großen Massenarbeitslosigkeit und des Zweiten Weltkriegs gibt es kaum Aufzeichnungen“, so Bu­chele weiter. „Aber es ist anzunehmen, dass der Verein in dieser Zeit sein größtes Tief erlebte.“

Erst im Mai 1948 sei der Musikbetrieb wieder aufgenommen worden. Am 15. Februar 1949 habe der Verein eine Generalversammlung abgehalten, in deren Folge sich wieder ein aktives Vereinsleben entwickelte. Es entstanden Kontakte in die Schweiz, und eine Vereinsfahne wurde angeschafft, die 1963, im Beisein des Musikvereins Ebersbach, geweiht wurde. In den 70er-Jahren entstand Sylvia Buchele zufolge eine Freundschaft zum Musikverein Schlierbach in Oberösterreich, die bis heute währt. Einige dieser Musikfreunde waren eigens für das Jubiläumskonzert aus Österreich angereist.

1977 fand das erste Jugendlager statt, und das Vereinsheim wurde erworben. 1978 zelebrierte der Musikverein erstmals die Schlierbacher Musiktage. „Darüber hinaus wurden etliche Zeltfeste veranstaltet, der Fasching in der Turnhalle wurde gefeiert, das Straßen- und das Kreuzeichfest wurden ins Leben gerufen und auch der erste Seniorennachmittag wurde abgehalten“, so Sylvia Bu­chele. Die damit einhergehenden musikalischen Angebote haben ihr zufolge das kulturelle Leben in Schlierbach im Lauf der Jahrzehnte bereichert. An Höhepunkten der jüngeren Zeit nannte sie eine Musikreise nach Tschechien im Jahr 2009 oder 2010 die Teilnahme am Bezirksmusikfest in Schlierbach in Oberösterreich. Zahlreiche weitere Highlights wie die Teilnahme am Kölner Rosenmontagsumzug, Sommerfeste oder Kameradschaftsabende bereichern das Vereinsleben.

Peter Prinz betonte, dass der Musikverein Harmonie Schlierbach in seiner Geschichte immer ein besonderes Augenmerk auf die Jugendarbeit gerichtet habe. „Nachwuchsarbeit bedeutet nicht nur, junge Menschen für die Musik und den Verein zu begeistern“, so das Vorstandsmitglied. „Zusammen mit anderen in einem Orchester zu musizieren, bedeutet Teamfähigkeit einzuüben, aber auch mit und von anderen zu lernen.“ Gleichzeitig könnten Jugendliche und junge Erwachsene ihre Fähigkeiten entdecken und weiterentwickeln. Das gelte nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf das Vereinsleben, das ohne das Engagement und den Einsatz der Mitglieder nicht auskomme.

„Wir binden die jüngeren im Bunde frühzeitig in die Gestaltung des Vereinslebens ein“, so Peter Prinz. „Sie können kreativ sein, Ideen einbringen und ihre Interessen vertreten.“ Immerhin gehe es bei der Vorbereitung auf Konzerte auch darum, sich ein Ziel zu setzen, an ihm zu arbeiten und sich einem Publikum zu präsentieren. Durch die daraus resultierenden Erfolgserlebnisse werde auch das Selbstbewusstsein junger Menschen nachhaltig gestärkt.

Bürgermeister Paul Schmid betonte, dass der Musikverein in seiner 90-jährigen Geschichte nicht nur viele Zuhörer begeistert, sondern auch das kulturelle Leben in Schlierbach bereichert habe. „Der traditionsreiche Musikverein baut auf einem breiten Fundament ehrenamtlichen Engagements und auf künstlerischem Ehrgeiz mit anspruchsvollem Leistungsniveau auf. Auch viele Neubürger lassen sich von seiner Gemeinschaft anstecken und finden in ihm ihre persönliche Heimat.“ Dies sei eine wichtige und überaus wertvolle Leistung des Musikvereins. Der Rathauschef sprach nicht nur den Gründungsmitgliedern, die den Verein in schwierigen Zeiten am Leben hielten, seinen Respekt aus. Er dankte allen Musikern und Vereinsfreunden für ihr Engagement und ihren Einsatz, mit dem sie das musikalische und kulturelle Leben in der Gemeinde bereichern und stetig weiterentwickeln.

Ebenso sah es das Publikum in der Dorfwiesenhalle. Die rund 200 Besucher applaudierten lautstark, als die Blasorchester der Musikvereine Ebersbach und Harmonie Schlierbach aufspielten. Mit lateinamerikanischen Stücken, wie „Libertango“ und „Cordilleras de los Andes“, brachten sie den Konzertsaal zum Beben. Mit Beifall und stehenden Ovationen feierten die Zuschauer auch die Darbietung des Ebersbacher Musikvereins zu „The Lord of the Dance“ und die musikalische Ausführung des Stücks „Textilaku“ der Schlierbacher Musiker. Das Publikum forderte beim Jubiläumskonzert zahlreiche Zugaben ein, bei denen es nicht nur durch Mitklatschen, sondern auch durch Jubelrufe seiner Begeisterung Ausdruck verlieh.

Beim Jubiläumskonzert wurden darüber hinaus Carina Rapp, Nele Klaus und Tobias Buchele für zehn Jahre aktive Mitgliedschaft geehrt. Martina Zick erhielt eine Ehrung für 20 Jahre aktive Mitgliedschaft. Für 25  Jahre fördernde Vereinszugehörigkeit wurden Marco Gois und Oliver Boss ausgezeichnet. Adalbert Pittner erhielt von Bruno Milder, Vorstandsmitglied des Blasmusikkreisverbands Göppingen, eine Ehrung für sein 40-jähriges Dirigentenjubiläum. Außerdem wurden Friedrich Boffenmeier, Herbert Greiner und Georg Schmid für 60 Jahre aktive und fördernde Mitgliedschaft im Musikverein Harmonie Schlierbach geehrt.

Die Einnahmen des Konzerts gehen zu hundert Prozent an die Bürgerstiftung Schlierbach.