CSR Kirchheim: Gemeinsamer Einsatz für verantwortliche Unternehmensführung
Nachhaltigkeit als Unternehmenswert

Zehn Kirchheimer Unternehmer haben sich 2012 auf den Weg gemacht, ihre Unternehmensziele neu zu überdenken. Im Mittelpunkt stehen Verantwortung und Nachhaltigkeit. Nächste Woche berichten sie in der Stadthalle über erste Erfolge.

Kirchheim. „Im Grunde geht es um positive Veränderungen. Einerseits möchten wir gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, andererseits soll das Thema Nachhaltigkeit als Unternehmenswert ins öffentliche Bewusstsein rücken“, sagt Matthias Bankwitz, dessen Architektur-Büro die Projekt-Koordination von „CSR Kirchheim“ übernommen hat. CSR steht für „Corporate Social Res­ponsibility“ und ist der Ausdruck für eine Unternehmenshaltung, bei der genau diese Themen im Mittelpunkt stehen, erklärt Sandra Erne, die innerhalb der Firma Bankwitz für das Projekt zuständig ist. „Allein die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, wäre nichts Besonderes. Erst wenn etwas über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgeht, ist es CSR.“

Das Projekt „CSR Kirchheim“ vereint zehn Unternehmen der Teckstadt, die ihren wirtschaftlichen Erfolg mit sozial- und umweltverträglichen Zielen verbinden möchten. Nachhaltigkeit soll bei ihnen so verankert werden, dass eine ausstrahlende Wirkung auf Kunden, Mitarbeiter und Partner entsteht. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Überlegungen der Projektteilnehmer verteilen sich dabei auf die CSR-Themenfelder „Arbeitsplatz“, „Markt“, „Energie und Umwelt“ sowie „Vernetzung und Kommunikation“. Im Bereich „Arbeitsplatz“ reichen die Beispiele von Gesundheits-Workshops über das kostenlose Anbieten von Obst im Büro bis hin zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gerade beim Thema Arbeitsplatz hätten alle Unternehmen bereits eigene Erfahrungen mit verschiedenen Maßnahmen gemacht. „Im regelmäßigen Austausch lässt sich dabei so manches vonei­nander lernen“, sagt Bankwitz.

Im ersten Schritt wird eine Bestandsaufnahme im jeweiligen Unternehmen gemacht. „Hier wird festgestellt, in welchem der CSR-Themenfelder es bereits Angebote und Schwerpunkte gibt und wo eventuell noch Handlungsbedarf besteht“, sagt Sandra Erne. So werden Unternehmen beispielsweise dazu ermutigt, über eine Lieferantenbefragung herauszufinden, wo und wie ihre Arbeitsmaterialien oder Waren hergestellt werden. Nachdem die möglichen Handlungsfelder abgesteckt sind, werden dann im zweiten Schritt auf der Basis von Informations- und Erfahrungsaustausch mit den anderen Projektteilnehmern Ideen und Empfehlungen für verschiedene CSR-Themenfelder ausgesprochen. Für den Einzelhändler etwa könnte eine Empfehlung im Themenfeld „Markt“ lauten, mehr Produkte aus der Region und des Fairen Handels ins Sortiment aufzunehmen. Im Bereich „Energie und Umwelt“ könnte Unternehmen hingegen vorgeschlagen werden, ihre Leuchtmittel umzustellen, um den Stromverbrauch zu senken. „Was davon übernommen und umgesetzt wird, richtet sich ganz nach Größe und Bedarf der Unternehmen und bleibt letztlich Sache der jeweiligen Geschäftsführung“, erklärt Erne. „Nicht jede Maßnahme ist für jeden Betrieb gleichermaßen geeignet. Wirtschaftlichkeit spielt natürlich auch eine Rolle.“ Bankwitz fügt hinzu: „Nicht immer lässt sich der Nutzen in Euro und Cent beziffern, die in Mehreinnahmen oder Einsparungen zu Buche schlagen.“ Manchmal sei er eher ideeller Art. „Das Unternehmen darf aber nicht unter CSR leiden. Man steht schließlich auch gegenüber seinen Mitarbeitern in der Verantwortung.“

Auf die Frage, wie und warum er sich selbst für mehr Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung einsetzt, antwortet Matthias Bankwitz: „Ich bin Überzeugungstäter. Es ist nicht verboten, die Welt etwas besser zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat.“ Sein Architekturbüro hat das Thema Nachhaltigkeit schon seit vielen Jahren im Unternehmensleitbild verankert. Im Jahr 2008 zog die Firma in das nach dem Passivhaus-Standard gebaute „Eisbärhaus“. Das Gebäude verfügt über keine herkömmliche Heizung. Wie das tierische Vorbild am Polarkreis, setzt es auf eine effiziente Rückgewinnung der inneren Wärmelasten und nutzt dabei vor allem die Energie der Computer, Bildschirme, Drucker und Menschen, die es beherbergt. Auch die im Büro verwendeten Hilfsmittel, vom Papier bis zum Schreibtisch, folgen dem Gedanken der Nachhaltigkeit. „Je umweltfreundlicher und langlebiger, desto besser“, sagt Bankwitz.

Von den Erfahrungen des Architekturbüros im Bereich Energie und Ökologie am Arbeitsplatz können über das Projekt nun auch die anderen teilnehmenden Unternehmen profitieren. „Das Thema CSR in Kirchheim ist aber ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist“, betont Bankwitz. Zur Präsentation der bisherigen Ergebnisse am Mittwoch, 12. März, in der Kirchheimer Stadthalle, sind nicht nur Firmen und Verbände eingeladen, sondern ausdrücklich auch alle interessierten Bürger. „Die Weitergabe unserer Informationen und Erfahrungen auch über das Projekt hinaus ist uns besonders wichtig. Wir möchten das Bewusstsein weiterer Unternehmen und Menschen für das Thema schärfen und sie dazu ermutigen, sich aktiv damit auseinanderzusetzen.“