Bundestagswahl

Rente soll mehr sein als Grundsicherung

Vorsorge Der Teckbote hat die Kandidaten des Bundestagswahlkreises Nürtingen gefragt, welche politischen Weichen zu stellen sind, um die finanzielle Versorgung im Alter zu sichern. Von Andreas Volz

Welche finanziellen Perspektiven bieten sich für Rentner in Deutschland? Sechs Bundestagskandidaten nehmen zu dieser Frage Stell
Welche finanziellen Perspektiven bieten sich für Rentner in Deutschland? Sechs Bundestagskandidaten nehmen zu dieser Frage Stellung.Symbol-Foto: Jean-Luc Jacques

Bei der Rente ist vor allem eines sicher: Früher oder später wird sie für jeden ein Thema. Je jünger jemand heute ist, desto banger kann ihm dabei werden. Wenn nämlich immer weniger Arbeitnehmer für immer mehr Rentner Beiträge zahlen müssen, haben beide Seiten ein Problem: Die einen zahlen zu viel, und die anderen bekommen zu wenig.

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Der Teckbote hat die hiesigen Bundestagskandidaten der sechs chancenreichsten Parteien befragt, wie es aus ihrer Sicht um die Zukunft der gesetzlichen Rente in Deutschland bestellt ist.

Für Michael Hennrich (CDU) steht die Rente momentan sehr gut da: „Wegen der guten wirtschaftlichen Lage haben wir eine Rücklage von rund 33 Milliarden Euro. Bis 2030 passiert da nichts Gravierendes.“ Für die Zeit danach gebe es „ein paar Baustellen, an denen wir mittelfristig arbeiten müssen“. Vor allem will er den fließenden Übergang in die Rente stärken und ein flexibleres Eintrittsalter ermöglichen. Derzeit lebten drei Prozent der Menschen im Rentenalter von der Grundsicherung: „Dieser Prozentsatz darf sich nicht erhöhen.“

Nils Schmid (SPD) sagt: „Sollten weitere Erziehungszeiten auf die Rente angerechnet werden, ist das aus Steuermitteln zu bezahlen.“ Das Rentenniveau bei 48 Prozent zu halten und die Beitragssätze auf 22 Prozent zu beschränken, gehe nur, „wenn man Selbstständige mit reinnimmt und den Steuerzuschuss erhöht“. Wer mindestens 35 Jahre in Teilzeit gearbeitet habe, solle trotzdem mit seiner Rente mindestens zehn Prozent über der Grundsicherung liegen. „Es muss einen Unterschied machen, ob jemand gearbeitet hat oder nicht.“

Versicherungsfremde Leistungen sind nach Ansicht von Matthias Gastel (Die Grünen) auf jeden Fall über Steuern zu finanzieren und nicht über die Beiträge. Er denkt dabei unter anderem an die Mütterrente. Ansonsten macht er sich für eine Bürgerversicherung stark: „Da zahlen alle ein - auch Abgeordnete, Selbstständige und Beamte.“ Die Grundrente solle zwischen 900 und 1 000 Euro liegen, auch für diejenigen, die dafür nicht genug eingezahlt haben. An dieser Stelle warnt er speziell vor der „Teilzeitfalle“ bei der Rente.

Vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen hat Heinrich Brinker (Die Linke) im Blick. Er denkt an eine Mindestrente, deren unterstes Limit bei 1 050 Euro liege. Auch die „Privatisierung der Rente“ kritisiert er: „Wer ohnehin zu wenig verdient, soll sich davon auch noch privat versichern.“ Er fordert, dass der Rentenversicherungsanteil der Arbeitgeber wieder dem der Arbeitnehmer entspricht. Auch Betriebsrenten hält er für eine „Mogelpackung“, weil der Arbeitgeber Steuern und Krankenversicherung spare.

Renata Alt (FDP) setzt auf größtmögliche Flexibilität beim Eintritt ins Rentenalter - ganz individuell und abhängig von der Branche, der Vorsorge und der Motivation. „Wir müssen die betriebliche und die private Altersvorsorge attraktiver machen - und wir brauchen eine Riester-Förderung, die sich wirklich lohnt.“ Wie an der Börse, gelte auch bei der Rente die Devise: „Die Mischung macht’s.“ Eine wichtige Vorsorge fürs Alter sei das Wohneigentum: „Deshalb fordern wir einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer.“

Die Erwartungen an die Riester-Rente hätten sich leider nicht erfüllt, stellt Vera Kosova (AfD) fest - und legt gleich nach: „Wenn jemand, der sein Leben lang gearbeitet hat, im Alter nicht mal eine Rente bekommt, von der er sorgenfrei leben kann, ist dies ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft.“ Die staatliche Niedrigzinspolitik sieht sie als Gefahr für die private Vorsorge durch kapitalgedeckte Renten und Lebensversicherungen. Deshalb sollten staatliche Überschüsse durch Niedrigzinsen wieder in die Rente fließen.