Klare Ansagen gab es bei der Demonstration gegen Rechtsextremismus auf einigen Plakaten, andere benennen positive Werte: „Wir mögen es lieber bunt“ oder „wir sind alle gleich“ – viele Slogans bringen Wertschätzung gegenüber einer offenen Gesellschaft zum Ausdruck. Diese allerdings gilt es zu verteidigen.

„Demokratie ist kein Selbstläufer“, machte Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader klar. Demokratie müsse immer wieder neu errungen werden. „Die Gegner unserer Demokratie sollen erkennen, dass sie im Abseits stehen“. Die Kundgebungen in ganz Deutschland wertete Bader als Aufforderung an die Politik, sich auf den Zusammenhalt der Gesellschaft zu besinnen, in der die Würde des Menschen an oberster Stelle stehe.
Dekan Christian Tsalos erinnerte an den Widerstand Dietrich Bonhoeffers gegen das NS-Regime: „Als Christen ist es unser Auftrag, gegen rassistische Ideologien Stellung zu beziehen“. Alle Menschen seien Geschöpfe Gottes mit gleicher Würde und gleichen Rechten. Tsalos zitierte den württembergischen Landesbischof Gohl: „Wer die Menschenwürde derart mit Füßen tritt, wie es die AfD tut, ist für Christen nicht wählbar“. Das Engagement gegen rechts müsse öffentlich noch sichtbarer werden: „Wir brauchen Menschen, die ihre Stimme erheben“, so Tsalos.

Ein Aufruf ganz im Sinne von Moritz Stein vom städtischen Jugendbeteiligungsformat „BePart!“. Er appellierte besonders an junge Menschen: „Wir können demonstrieren, wir können den Mund aufmachen, wenn menschenverachtende Dinge gesagt werden, wir können wählen gehen.“ Im Hinblick auf die Berichte von „Correctiv“ über die Teilnahme von AfD-Funktionären an einer Veranstaltung bei Potsdam, bei der über die massenhafte Ausweisung von Ausländern beraten wurde, betonte Stein den Stellenwert der Pressefreiheit: „Dank der mutigen Arbeit dieser Redaktion konnte gezeigt werden, wie fest Fremdenfeindlichkeit und Menschenhass in manchen Köpfen verankert sind.“

















Landtagsabgeordnete positionieren sich
Auf das aufklärerische Potenzial journalistischer Arbeit kam auch Andreas Schwarz, Vorsitzender der Landtagsfraktion der Grünen, zu sprechen: „Die Correctiv-Recherche hat viele geschockt“. Die Geschichte lehre: „Wenn Rechtsradikale ankündigen, rechtsradikale Dinge zu tun, dann sollte man das ernst nehmen!“. Es zeige sich, dass die AfD nicht auf dem Boden der Verfassung stehe und eine Gefahr für die Demokratie sei: „Wir sind aufgefordert, jeden Tag für unsere Demokratie zu kämpfen!“, machte Schwarz deutlich.
„Demokratie lebt von Demokraten“, sagte die CDU-Landtagsabgeordnete Natalie Pfau-Weller. Sie ermutigte zum aktiven Engagement in der Politik: „Geben Sie unserer Demokratie ein Gesicht! Das wird unsere Gesellschaft stärken.“
Andreas Kenner, Landtagsabgeordneter der SPD, betonte das große Verdienst der Migranten: „Der Aufschwung unserer Stadt wäre ohne die sogenannten Gastarbeiter niemals möglich gewesen.“ In Pflege und Medizin, der Gastronomie, dem Handwerk sei der Beitrag von Menschen mit Migrationshintergrund unverzichtbar: „Wenn wir all diese Menschen ausweisen würden, könnten wir unser Land dicht machen“, so Kenner.
„Wir müssen Integration als Prozess verstehen“, sagte Murat Lök vom Kirchheimer Integrationsrat. Er würdigte die Erfolge der Integrationsarbeit: „Wir haben dazu beigetragen, dass sich Menschen unterschiedlicher Herkunft in unserer Gesellschaft willkommen fühlen.“ Zunehmende gesellschaftliche Polarisierung erschwere diese Arbeit: „Viele Menschen fühlen sich verunsichert und haben Angst vor dem Unbekannten.“ Umso wichtiger sei der Einsatz für eine offene Gesellschaft: „Jeder kann einen Beitrag leisten, sei es durch Unterstützung von Opfern oder durch Eintreten für Toleranz und Respekt.“
Dankbar und sichtlich überwältigt vermeldete Marc Eisenmann, der als Repräsentant des Kirchheimer Integrationsrats durch das Programm führte, die Teilnehmerzahl: Rund 2000 Menschen waren dem Aufruf zur Kundgebung gefolgt. Die Erwartungen der Veranstalter hat der Zustrom friedlicher Demonstranten somit weit übertroffen.
Fotos von Bianca Lütz-Holoch und Florian Stegmaier


Fotos von Bianca Lütz-Holoch und Florian Stegmaier
