„Ach guck, was ist denn hier los?“, fragt eine Mutter, während ihr Kind bereits barfuß in Richtung Sand stürmt. Zwei ältere Frauen bleiben kurz stehen, schauen sich um und nicken anerkennend: „Des isch aber schee gmacht, des gfällt de Kinder mit dem Strand.“ Der Rossmarkt hat sich innnerhalb weniger Tage in einen Ort verwandelt, der so gar nichts mehr mit Alltag zu tun hat. Statt grauem Pflaster stehen hier nun Palmen, und Sonnenschirme und Liegestühle reihen sich im Sand.
Seit Freitag hat Kirchheim einen eigenen Stadtstrand, Teil des Projekts „Zukunft Innenstadt“, mit dem die Stadt ihre Mitte lebendiger und einladender machen will. Die Idee stammt maßgeblich von Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader und wurde gemeinsam mit Giacomo Mastro umgesetzt, der bei der Stadt das Projekt im Rahmen der strategischen Innenstadtentwicklung betreut.
Eine Schippe Urlaub
Etwa 40 Tonnen Sand wurden aufgeschüttet, der Bereich rund um den Brunnen jedoch wurde mit mobilen Zäunen abgegrenzt und vom Bauhof zusätzlich mit Sandsäcken gesichert. So idyllisch die Kombination aus Wasser und Sand auch wirkt: Wenn zu viel Sand ins Wasser gelangt, etwa durch Kinderfüße, müsste der Brunnen abgeschaltet werden. Diese Balance zwischen Sommerflair und Technikschutz ist eine der kleinen Herausforderungen im Hintergrund.
Ich wünsche mir, dass die Menschen diesen Ort nutzen, und zwar so, dass auch der Nächste noch Freude daran hat.
Giacomo Mastro
Für den Pop-up-Beach hat die Stadt bewusst ein eigenes Budget in die Hand genommen. Damit das Projekt dennoch im Rahmen bleibt, wurde frühzeitig auf die Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen gesetzt. „Wir haben das Vorhaben vorgestellt, und viele Firmen fanden die Idee auf Anhieb sympathisch“, sagt Mastro. Einige passten ihre Preise an, andere unterstützten mit Sachleistungen oder Transport. So wurden beispielsweise manche Pflanzen zum Selbstkostenpreis bereitgestellt, der Sand kostenlos angeliefert oder beim Aufbau geholfen. Im Gegenzug erhielten die beteiligten Betriebe Werbeflächen auf den Bauzaunbannern. Diese dienen nicht nur als Sichtschutz, sondern dämpfen auch den Straßenlärm.
Projekte mit Potenzial
Auch bei der Standortwahl wurde sorgfältig abgewogen. „Der Rossmarkt bietet sich natürlich an, durch seine zentrale Lage, den Schatten und den Brunnen“, sagt Mastro. Wichtig war der Stadtverwaltung, einen Ort zu schaffen, der die Innenstadt belebt, ohne sie zu überreizen, und der bestehenden Angeboten nicht in die Quere kommt. „Wir wollen keine Konkurrenz zu Veranstaltungen oder zur Gastronomie aufbauen. Im Gegenteil, im besten Fall profitieren alle davon“, betont er.
Der Strand bleibt bis zum Ende der Sommerferien am 14. September bestehen. Bis dahin beobachtet die Stadt, wie das neue Angebot angenommen wird. auch mit Blick darauf, ob es im nächsten Jahr eine Neuauflage geben könnte. Bereits am ersten Tag sind die Stühle durchgängig belegt und es zeigt sich: Der Bedarf ist da. Kinder spielen, Jugendliche chillen, Erwachsene lesen im Liegestuhl oder lehnen sich einfach nur zurück. „Ich wünsche mir, dass die Menschen diesen Ort nutzen, und zwar so, dass auch der Nächste noch Freude daran hat“, sagt Mastro. Er hofft, dass der Rossmarkt in den nächsten Wochen zu einem Ort wird, an dem man einfach mal nichts muss. Außer vielleicht den Sand aus den Schuhen schütten.

