Das Boot ist geliebt und geschätzt. Die Kinder des Kirchheimer Carl-Weber-Kindergartens toben im langen, schmalen Garten entlang der Schlöllkopfstraße. Das Spielgerät mit seinen Klettermöglichkeiten sowie die Rutsche mit dem „Starter-Häuschen“ daneben sind vielgenutzt. „Das Boot ist unser großes Außenspielgerät aus Massivholz und in die Jahre gekommen. 16 Jahre war es Wind und Wetter ausgesetzt und hat zwischenzeitlich erhebliche Verschleißerscheinungen. Eine Reparatur ist wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll“, sagt Sabine Grandl, Bereichsleiterin Offene Hilfen/Öffentlichkeitsarbeit bei der Lebenshilfe Kirchheim, zu dem der Carl-Weber-Kindergarten gehört. Holzhackschnitzel sind großzügig drumherum verteilt, sie dienen als Fallschutz. Für Rollifahrer ist der unebene Untergrund jedoch schwierig zu bewältigen, ebenso für diejenigen, die schieben.
Zwei unterschiedliche Kindergartenformen teilen sich formal nicht nur ein Dach, sondern auch die Leitung. In den Regelkindergarten gehen 20 Kinder ohne Behinderung, in den Sonderschulkindergarten 15 mit Behinderung. „Die mischen sich hier im Haus bedarfsgerecht“, beschreibt Sabine Grandl den Alltag. Der Förderschwerpunkt des Carl-Weber-Kindergartens liegt auf der geistigen Behinderung. „Die wenigsten haben nur eine Einschränkung. Zu der geistigen Behinderung kommt entweder noch Autismus dazu oder eine körperliche Behinderung“, erklärt Sabine Grandl.
„Das Team ist besonders. Alle haben richtig Lust darauf, hier zu arbeiten“, sagen Cornelia Klee, Geschäftsführerin der Lebenshilfe, und Sabine Grandl unisono. Es finden sich kaum „reine“ Erzieherinnen, die meisten haben ein Studium oder eine weitere Ausbildung: Heilpädagogen, Sozialpädagogen oder Sonderschullehrerin. „Wir sind hier interdisziplinär – und alle ziehen an einem Strang. Das macht die Arbeit hier so besonders, weil jeder voneinander lernt und profitiert“, so Cornelia Klee. Die Mitarbeiterinnen sind im Dialog miteinander, nicht selten mit der Fragestellung: „Wie würdest du das lösen?“
Zurzeit ist keines der Kinder auf einen Rollstuhl angewiesen, aber das kann sich nächstes Jahr schon ändern. Allerdings gibt es aktuell zwei Kinder, die motorisch so schwach sind, dass sie links und rechts Unterstützung der Erzieherinnen brauchen, um überhaupt auf das kleine Klettergerüst zu kommen. „Die Größe ist nicht für Erwachsene gemacht“, weiß Sabine Grandl aus Erfahrung. Trotz seiner kindgerechten Ausmaße ist es wiederum zu groß, um die Kleinen als Erwachsene unproblematisch vom Boden aus zur Rutsche zu bringen und auf dem Gerät zu betreuen. Viele Kinder haben keine Chance, Kapitän zu spielen, ohne vorher um Hilfe zu bitten. „Dazu kommt, dass mittlerweile die sicherheitstechnischen Reparaturen immer größere finanzielle Dimensionen annehmen“, sagt Cornelia Klee.
Aus diesem Grund hat sich die Lebenshilfe an die Teckboten-Weihnachtsaktion gewendet, um ein neues, zeitgemäßes und vor allem barrierefreies Spielgerät aus Metall installieren zu können. In diesem Zusammenhang soll auch der Untergrund so gestaltet werden, dass er mit Rollstühlen und Gehhilfe stolperfrei begehbar ist. „Holzhackschnitzel sind nicht barrierefrei“, stellt Sabine Grandl klar. Auf einem Spielplatz im Steingauquartier in der Nähe von Café mittendrin hat sie genau den richtigen Belag entdeckt: Er ist eben und federt.
„Alle Kinder sollen das neue Spiel-, Rutsch- und Klettergerät uneingeschränkt nutzen können. Keines der uns anvertrauten Kinder soll immer wieder um Hilfe bitten müssen, um mit den anderen spielen zu können. So können wir bei allen Kindern das Selbstwertgefühl verbessern, weil sie sich ohne Hilfe erproben können“, sagt Sabine Grandl. Die Kosten für die neue barrierefreie Außenspielanlage übersteigen jedoch die finanziellen Möglichkeiten der Lebenshilfe. „Wir rechnen mit etwa 20.000 Euro für das Gerät. Für den Untergrund mit den Vorbereitungen des Bodens muss insgesamt von 30.000 Euro ausgegangen werden“, so Cornelia Klee. Anschaffungen solcher Art würden nicht subventioniert und seien auch nicht Teil der Finanzierung durch die Kostenträger, sprich Stadt und Landkreis.
Das Kirchheimer Modehaus Fischer in der Marktstraße unterstützt auch dieses Jahr wieder die Teckboten-Weihnachtsaktion und spendet am Samstag, 6. Dezember, von jedem verkauften Teil 2,50 Euro an die Weihnachtsaktion.

