Was tun, wenn einen der Paketbote auf dem Kieker hat? André Clauß hat nicht damit gerechnet, sich einmal mit dieser Frage beschäftigen zu müssen. Der Inhaber des Kirchheimer Spielwarenladens „Stein-o-fant“ musste auf schmerzliche Weise herausfinden, dass ein missgünstiger Lieferant einem das Leben schwer machen kann.
Für uns ist durch die Situation ein Schaden in Höhe von mehreren tausend Euro entstanden.
André Clauß, „Stein-o-fant“-Inhaber
Die Probleme begannen, als André Clauß an einem Montag, an dem der Laden generell nicht geöffnet hat, eine größere Kartenlieferung erhielt. Wie Clauß berichtet, habe ein Fahrer des Deutschen Paketdienstes (DPD) das Paket einfach vor der Türe am Straßenrand abgestellt, woraufhin die Ware im Wert von über 1000 Euro gestohlen worden sei. Bis heute habe er von der Firma keinen Schadensersatz erhalten.
Damit hat der Ärger für André Clauß jedoch erst begonnen. So werde die Ware von besagtem Fahrer seit einem Monat überhaupt nicht mehr ausgeliefert. Stattdessen halte der Lieferant vor dem Geschäft an, warte eine kurze Zeit und fahre dann einfach weiter, ohne auszusteigen. „Dann heißt es, dass die Zustellung nicht möglich war, obwohl entweder ich oder meine Frau im Laden war“, so Clauß.
Der Ladeninhaber vermutet, dass der Paketbote nur anhalte, weil DPD das Fahrzeug tracke. So könne er es so aussehen lassen, als ob er tatsächlich versucht habe, die Ware zuzustellen. Dass das nicht der Wahrheit entspreche, kann Clauß laut eigener Aussage durch Überwachungskameraaufnahmen belegen.
Das Geschäft leidet
„Für uns ist durch die Situation ein Schaden in Höhe von mehreren tausend Euro entstanden“, meint André Clauß. „Ich musste drei Großhändlern sagen, dass sie nicht mehr über DPD liefern sollen. Das kostet mich extra, aber ich weiß zumindest, dass die Ware ankommt.“
Den Zusteller zu wechseln, ist Clauß zufolge allerdings nicht in jedem Fall eine Option. Durch die nicht eingetroffene Ware entgehen ihm Einnahmen; auf Dauer verliert er Kunden.
Ein besonderes Problem stellen Retouren bei Amazon dar – auch dort verkauft Clauß seine Ware. Wolle ein Kunde ein Produkt zurückgeben, komme dies bei ihm nicht an und werde stattdessen wieder an den Kunden zurückgeschickt. Da das Geld von Amazon jedoch automatisch rückerstattet werde, würden sich sowohl Geld als auch Ware am Ende beim Kunden befinden.
Ein Ende ist nicht in Sicht
„Ich habe sonst mit keinem Zusteller und keinem anderen Fahrer – auch nicht von DPD – Probleme“, erzählt der Spielwarenhändler. „Es ist nur dieser eine Fahrer.“ Als er den Mitarbeiter vor Kurzem bei seiner üblichen Routine beobachtet habe, sei er ihm hinterhergefahren, um ihn zur Rede zu stellen. Der habe im Zuge der Konfrontation jedoch nur behauptet, ihn nicht zu verstehen.
Wie André Clauß weiter berichtet, funktioniere bei der Lieferung an seine Heimadresse alles einwandfrei. Mittlerweile lasse er sich Teile der Ware daher notgedrungen nachhause liefern, wo diese ihm und seinen Nachbarn den Flur versperren, bis sie mühsam per Miettransporter zum Laden befördert werden können.
„Als Händler ist man wirklich verloren. Es geht an die Existenz ran“, beklagt der Unternehmer. Beim DPD habe er mittlerweile schon mehrmals angerufen. „Dann heißt es immer nur, das würde intern besprochen und das Problem behandelt werden.“ Getan habe sich bisher jedoch nichts; der finanzielle Schaden wächst kontinuierlich.
Auf erneute Nachfrage hin bekräftigte ein Unternehmenssprecher des DPD lediglich, was Clauß schon etliche Male am Telefon gehört hat: Man habe die Situation intern mit dem Fahrer besprochen. Weitere Beschwerden über den Lieferanten seien der Firma nicht bekannt.

