Am Ende gab es offenbar nur eine Lösung: Rückzug. „Unser Verwerter hat in diesem Jahr sechs Container abgebaut, weil die Situation rundherum so schlecht war“, sagt Felix Harting vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Nürtingen-Kirchheim. Die Organisation sammelt im Altkreis Nürtingen an 70 Standorten. Drei der abgebauten Container standen in Weilheim, drei in Lenningen. Um die Behälter herum sei zunehmend Müll abgestellt worden, den der Betreiber entsorgen musste, oder Kleidung, die nicht mehr hineinpasste, sagt Harting.
Doch das Problem sei nicht nur der Müll, sondern auch der Inhalt der Container. Durch eine EU-Richtlinie, die immer noch von vielen falsch interpretiert wird, wird vieles in Altkleidercontainer geworfen, was eigentlich in den Restmüll gehört: kaputte oder stark verschmutzte Kleidung, die nicht mehr recycelt werden kann. Dass die Container immer öfter völlig überfüllt sind, schiebt der DRK-Mitarbeiter ganz klar auf die missverstandene EU-Richtlinie und die damit verbundene Verunsicherung der Verbraucherinnen und Verbraucher. „Früher stand mal was rum, seit Anfang des Jahres ist das immer so“, sagt Felix Harting. Und das, obwohl die Container ein- bis dreimal wöchentlich geleert würden. „Die Entsorgungskosten werden immer größer, die Zahl der zu verwertenden Kleider immer kleiner“, fasst Felix Harting das Problem der Betreiber zusammen.
Wir haben immer wieder volle Windeln im Container.
Felix Harting, Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
Wie bei vielen anderen gemeinnützigen Organisationen steckt auch hinter den Altkleidercontainern des DRK Nürtingen-Kirchheim ein Dienstleister, der sich um die gespendeten Textilien kümmert. Im Falle des DRK ist es Glaeser Textil aus Ulm. Dort wird die Kleidung sortiert. „Nicht Verwertbares wird entsorgt, und dann wird differenziert zwischen Secondhandkleidung und Kleidung, die ins Materialrecycling kommt“, erklärt Felix Harting. Aus Klamotten, die nicht mehr tragbar sind, werden also beispielsweise neue Fasern gewonnen. Allerdings leiden die Betreiber darunter, dass das, was in den Containern landet, immer weniger hochwertig ist. Stichwort: Fast Fashion. „Dadurch wird Recycling immer weniger möglich“, sagt Harting.

Dass sich der Markt für Alttextilien gerade stark bewegt, beobachtet auch der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen (AWB). „Immer wieder werden Standorte von Betreibern aufgelöst und die Sammelcontainer abgezogen“, sagt Till Deininger, der beim AWB für Öffentlichkeitsarbeit und Kundenberatung zuständig ist. Dies sei Folge der derzeit unrentablen Alttextilverwertung.
Allerdings scheint es Licht am Ende des Tunnels zu geben. „2028 besteht in der EU eine erweiterte Herstellerverantwortung und damit verbunden die Hoffnung der Alttextilverwerter, die Altkleidersammlung wieder rentabel zu gestalten“, sagt Deininger. Der AWB stelle aktuell immer wieder fest, dass aufgelöste Standorte binnen kurzer Zeit von einem anderen Betreiber genutzt würden. „Diese sichern praktisch schon den Standplatz für die in Aussicht stehenden wirtschaftlich besseren Zeiten“, sagt Till Deininger.
Altkleider: Was gehört wohin?
Restmüll Kaputte, stark verschmutzte Kleidung gehört nach wie vor in den Restmüll.
Altkleidercontainer Die Container sind für abgelegte, gut erhaltene Kleidung gedacht, die aus hochwertigen Stoffen besteht (hoher Baumwollanteil, wenig Kunstfasern). „Saubere Kleidung mit kleinen Löchern nehmen wir auch an“, sagt Felix Harting. Der Betreiber entscheidet im Einzelfall, ob die Kleidung ins Materialrecycling kommt oder entsorgt werden muss. Wenn Container voll sind, bittet das DRK darum, die Spende wieder mitzunehmen, an einem anderen Tag wiederzukommen oder es an einem anderen Standort zu versuchen. Gerade im Winter muss die Kleidung sonst häufig entsorgt werden.
Diakonie und Umsonstladen Der Diakonieladen in Kirchheim und der Umsonstladen in Lenningen nehmen saubere, gut erhaltene Saisonware an und geben sie für einen kleinen Preis beziehungsweise umsonst weiter. Öffnungszeiten gibt es im Internet.

