Briefe gegen das Vergessen
Briefe gegen das Vergessen

Amnesty Kirchheim bittet um Unterstützung.

Jeden Monat werden von amnesty international drei Appellfälle vorgestellt, in denen über das Schicksal von Menschen informiert wird, die wegen ihres Eintretens für Menschenrechte verfolgt, von Hinrichtung bedroht oder einfach „verschwunden“ sind. Häufig haben sie in der Haft keinen Zugang zu juristischer Beratung. Amnesty bittet darum, sich in Briefen an die Verantwortlichen für diese Menschen einzusetzen. Eine Flut von Briefen aus der ganzen Welt setzt die politisch Verantwortlichen unter Druck und bewirkt nicht selten, dass Gefangene freigelassen oder ihr Verfahren wieder aufgenommen wird. Vorformulierte Briefe können im Weltladen in der Dettinger Straße in Kirchheim abgeholt oder aus dem Internet unter der Adresse amnesty-Kirchheim.de heruntergeladen und ausgedruckt werden. 

Pakistan

Den fünf belutschischen Aktivistinnen und Aktivisten Mahrang Baloch, Bebarg Zehri, Beebow Baloch, Shah Jee Sibghat Ullah und Gulzadi Baloch wird immer wieder die Freilassung gegen Kaution verweigert. Sie sind im Hudda-Gefängnis in Quetta inhaftiert, während Verfahren nach dem Antiterrorgesetz gegen sie laufen, die auf erfundenen Vorwürfen basieren. Sie werden allein wegen ihres Einsatzes für die Menschenrechte verfolgt. Medien oder unabhängige Beobachter haben keinen Zugang zu den Verhandlungen. Beim Prozesstermin am 7. Februar 2026 erklärten die Aktivisten, dass sie kein Vertrauen in den Richter haben, der ihren Prozess leitet. Nach einem Jahr willkürlicher Haft sind einige von ihnen schwer krank, doch wird ihnen eine angemessene ärztliche Versorgung verweigert. So leidet Mahrang Baloch an einer schweren Wirbelsäulenerkrankung und könnte eine Lähmung davontragen, sollte sie nicht behandelt werden. In Pakistan wird die Antiterrorgesetzgebung genutzt, um Aktivisten zum Schweigen zu bringen, insbesondere Angehörige ethnischer Minderheiten wie die Belutschen.

Russland

Unterstützerinnen und Unterstützer der russischen Bewegung Vesna Anna Arkhipova, Yan Ksenzhepolsky, Evgeniy Zateev, Pavel Sinelnikov und Vasiliy Neustroev wurden im April 2026 wegen mutmaßlicher Verbindungen zur russischen Demokratiebewegung Vesna zu langen Haftstrafen verurteilt: Sie reichen von sechs Jahren und zwei Monaten bis hin zu zwölf Jahren. Seit der Gründung von Vesna 2013 haben die Mitglieder der Jugendbewegung zahlreiche friedliche Protestaktionen in Russland organisiert und besucht. Im Oktober 2022 wurde die Bewegung als „ausländischer Agent“ eingestuft und im Dezember als „extremistisch“ verboten. Grundlage des Prozesses waren Social-Media-Beiträge, in denen der Angriffskrieg gegen die Ukraine kritisiert und zu friedlichen Protesten aufgerufen wurde. Die Staatsanwaltschaft konnte diese Beiträge jedoch nicht eindeutig zuordnen. Darüber hinaus sind sowohl die Beiträge als auch friedliche Protestaktionen durch die Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit geschützt, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verbrieft sind. Auch der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte, dessen Vertragsstaat Russland ist, und die russische Verfassung garantieren diese Rechte. Weitere vermeintliche Mitglieder von Vesna schafften es, einer Festnahmewelle zu entkommen und Russland zu verlassen. Sie befinden sich derzeit auf der Fahndungsliste der russischen Polizei.

Nicaragua

Brooklyn Rivera. Am 1.  Juni wurde bekannt, dass Brooklyn Rivera in der Haft verstorben ist. Der Sprecher des indigenen Volkes der Miskito und Gründer der indigenen politischen Partei Yatama fiel Ende September 2023 dem Verschwindenlassen zum Opfer. Erst Ende November 2024, räumten die Behörden ein, ihn in Gewahrsam zu halten. Die Behörden warfen Brooklyn Rivera Landesverrat vor. Er hatte im April 2023 an dem von den Vereinten Nationen ausgerichteten Ständigen Forum für Indigene Angelegenheiten in New York teilgenommen. Daraufhin verweigerte ihm die nicaraguanische Regierung die Wiedereinreise ins Land. Er konnte jedoch über das Territorium der Miskito nach Nicaragua einreisen. Im September 2023 wurde er bei sich zu Hause in Puerto Cabezas willkürlich festgenommen und war seither „verschwunden“. Bereits in den Jahren zuvor war Brooklyn Rivera aufgrund seines Aktivismus drangsaliert worden. Die Behörden hielten ihn fest, ohne seinen Aufenthaltsort bekanntzugeben, ohne Zugang zu seiner Familie oder einem vertrauenswürdigen Rechtsbeistand. Amnesty International warnte wiederholt, dass diese Umstände seine persönliche Unversehrtheit und sein Leben gefährdeten. Sein Tod darf nicht einfach hingenommen werden. Nach internationalen Menschenrechtsstandards müssen alle Todesfälle in staatlichem Gewahrsam untersucht werden, da sie möglicherweise rechtswidrig sind und somit das Recht auf Leben verletzen.