Aktion
Das Ehrenamt in den Fokus rücken

Landrat Marcel Musolf und Burkhard Wittmacher, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, haben sich den Fragen des Teckboten zur „Ehrensache“ gestellt. 

Die Themen Gesundheit und Pflege stehen bei "Ehrensache" im Vordergrund.  Symbolfoto: Carsten Riedl
Die Themen Gesundheit und Pflege stehen bei "Ehrensache" im Vordergrund.  Symbolfoto: Carsten Riedl

Ehrensache heißt jetzt der Ehrenamtspreis. Dabei handelt es sich um ein Programm zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements im Landkreis Esslingen. Ausgelobt wird der Preis vom Landkreis in Zusammenarbeit mit den drei Tageszeitungen Teckbote, Nürtinger Zeitung und Esslinger Zeitung sowie mit Unterstützung der Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Wir haben dazu den Schirmherren – Landrat Marcel Musolf und Burkhard Wittmacher, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse – ein paar Fragen gestellt.

Herr Musolf, Herr Wittmacher, was bedeutet Ihnen das Thema Ehrenamt persönlich?

Marcel Musolf: Ehrenamt bedeutet mir persönlich sehr viel, da ich darin eine der stärksten Formen von gesellschaftlichem Zusammenhalt sehe. Menschen, die ihre Zeit und Energie für andere einsetzen, ohne etwas dafür zu erwarten, prägen unseren Landkreis auf eine Weise, die keine Verwaltung allein leisten könnte. Seit meiner Jugend war ich immer ehrenamtlich aktiv und versuche damit ebenfalls, einen kleinen Teil zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen. Da mir die Stärkung und Würdigung des Ehrenamts ein besonderes Anliegen ist, habe ich das Thema bewusst in meinem direkten Verantwortungsbereich verankert. Meine persönliche Referentin übernimmt daher gleichzeitig die Rolle der Ansprechpartnerin für das Ehrenamt im Landkreis. Ganz bewusst setzten wir neue Impulse für das Ehrenamt im Landkreis.

Burkhard Wittmacher: Die beiden Stiftungen der Kreissparkasse fördern die Arbeit von Initiativen, Projekten und Vereinen im Landkreis finanziell und ideell – und unterstützen damit auch das Ehrenamt. Und auch innerhalb der Kreissparkasse liegt mir die Stärkung und Würdigung des Ehrenamts am Herzen. Mit unserem Programm „Gut.ES tun“ honorieren wir das ehrenamtliche Engagement unserer Mitarbeitenden, Pensionärinnen und Pensionären und unterstützen die Vereine, für die sie sich einsetzen.

Was macht das ehrenamtliche Engagement im Landkreis Esslingen aus Ihrer Sicht so besonders?

Wittmacher: Der Landkreis Esslingen gehört zu den Regionen mit überdurchschnittlich hohem ehrenamtlichen Engagement. Viele Menschen engagieren sich regelmäßig und langfristig – das höre ich immer wieder im Gespräch mit unseren Mitarbeitenden. Zudem decken ehrenamtliche Initiativen im Landkreis ein breites Spektrum an Themen ab – von Sozialem über Kultur, Sport, Umwelt, Integration und Bildung. Diese Bandbreite an bürgerschaftlichem Engagement macht das Leben im Landkreis lebens- und liebenswert.

In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf Gesundheit und Pflege – warum wurde gerade dieses Thema gewählt?

Wittmacher: Wir stellen dieses Thema ins Zentrum des diesjährigen Ehrenamtspreises, weil bürgerschaftliches Engagement in diesem Bereich unmittelbar Lebensqualität, Teilhabe und Würde sichert. Gesundheit ist ein unersetzliches Gut und würdevoll gepflegt zu werden, ein Grundbedürfnis jedes Menschen. Genau dort leisten Ehrenamtliche Tag für Tag Außerordentliches. Das möchten wir mit dem Ehrenamtspreis sichtbar machen und honorieren.

Gesundheit und Pflege stehen zunehmend unter Druck – kann ehrenamtliches Engagement hier wirklich strukturelle Lücken schließen oder besteht die Gefahr, dass der Staat sich zu sehr darauf verlässt?

Musolf: Ehrenamtliche Unterstützung ist für unseren Landkreis enorm wertvoll, aber sie kann die strukturellen Herausforderungen im Gesundheits- und Pflegebereich nicht auffangen. Freiwillige bringen Zeit, Menschlichkeit und Nähe ein – doch die Verantwortung für eine verlässliche Versorgung bleibt klar im hauptamtlichen Bereich und bei den professionellen Trägern. Entscheidend ist daher, dass wir das Ehrenamt gezielt ergänzen.

 

Marcel Musolf (links) und Burkhard Wittmacher. Foto: KSK/Ebinger
Marcel Musolf (links) und Burkhard Wittmacher. Foto: KSK/Ebinger

 

Viele Ehrenamtliche berichten von emotionalen Belastungen gerade im Pflegebereich – wie kann der Landkreis sie besser unterstützen und schützen?

Musolf: Mir ist bewusst, dass die Ehrenamtlichen hier Enormes leisten. Dass viele von ihnen dabei emotional an ihre Grenzen geraten, gehört leider zur traurigen Wahrheit dazu. Durch unser bereits gut ausgebautes sozialfachliches Unterstützungsangebot für Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen verfügt der Landkreis bereits heute über eine starke Grundlage, von der auch Ehrenamtliche profitieren. Ergänzend dazu spielt die präventive Begleitung eine zentrale Rolle: Schulungen, fachliche Inputs und niedrigschwellige Qualifizierungsangebote stärken Ehrenamtliche darin, herausfordernde Situationen sicherer zu bewältigen. Mit der Etablierung der Bildungsplattform „qualifiziert-engagiert-bw.de“ des Landes Baden-Württemberg im Landkreis Esslingen werden wir diese präventiven Angebote künftig noch gezielter bündeln, ausbauen und für alle Engagierten im Landkreis leichter zugänglich machen.

Was brauchen Initiativen im Bereich Gesundheit und Pflege aktuell am dringendsten: Geld, Personal oder mehr gesellschaftliche Anerkennung?

Wittmacher: Ich würde nicht nach dem „oder“ fragen, sondern das „und“ betonen wollen: Initiativen brauchen Geld, um genügend Handlungsspielräume zu haben. Sie brauchen Personal, um ihren vielfältigen Aufgaben gerecht zu werden. Und sie brauchen mehr gesellschaftliche Anerkennung, damit Ehrenamtliche mit Freude dabei sind und sich wertgeschätzt fühlen. Das wiederum motiviert andere, sich für die gute Sache einzusetzen.

Welche Rolle spielt die finanzielle Förderung für die ausgezeichneten Projekte?

Wittmacher: Die finanzielle Förderung durch die Stiftung der Kreissparkasse kann helfen, ehrenamtliche Strukturen innerhalb der Projekte zu stabilisieren, Materialien oder Qualifizierungen zu finanzieren, die Arbeit weiterzuentwickeln oder neue Angebote aufzubauen. Dadurch wird das Ehrenamt attraktiver, die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren verbessert und die gesellschaftliche Teilhabe gestärkt. Und schließlich ist die finanzielle Förderung auch Anerkennung für die Ehrenamtlichen und deren Einsatz.

Was wünschen Sie sich langfristig für die Aktion „Ehrensache“ – und für das Ehrenamt im Landkreis insgesamt?

Musolf: Für „EhrenSache“ wünsche ich mir, dass es sich langfristig als verlässliche Marke für Anerkennung, Wertschätzung und Sichtbarkeit des Ehrenamts im Landkreis etabliert. Sie soll für das Verständnis stehen, dass Engagement nicht nur in schönen Reden gefeiert, sondern auch verstanden wird – mit all seinen Herausforderungen, seiner Vielfalt und seiner gesellschaftlichen Bedeutung. Für das Ehrenamt im Landkreis Esslingen insgesamt wünsche ich mir, dass wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Menschen sich gerne und mit einem guten Gefühl engagieren können: gut begleitet, qualifiziert, geschützt und eingebunden in starke Netzwerke. Engagement soll nicht vom Zufall abhängen, sondern von Strukturen, die es ermöglichen, dass jede und jeder im eigenen Tempo und nach eigenen Möglichkeiten mitwirken kann.

Wie können Vereine bürokratisch entlastet werden, um mehr Zeit und Energie in ihre Kernkompetenz legen zu können?

Musolf: Vereine können vor allem dann entlastet werden, wenn Verwaltungsabläufe einfacher und digitaler gestaltet werden und sie klare Ansprechpersonen haben. Einheitliche Formulare und digitale Prozesse reduzieren den Aufwand spürbar und schaffen mehr Zeit für die eigentliche Vereinsarbeit. So setzen wir es bei der Ehrenamtskarte um, und die positive Resonanz aus dem Ehrenamt bestärkt uns auf diesem Weg. Gleichzeitig unterstützen Vereinslotsen und niedrigschwellige Qualifizierungen dabei, Unsicherheiten schnell zu klären. Allerdings stoßen auch wir als Landkreisverwaltung bei der Entbürokratisierung oft an gesetzliche Vorgaben, auf die wir nur begrenzt Einfluss haben – umso wichtiger ist es, die Spielräume, die wir haben, bestmöglich zu nutzen.

 

Teilnahmebedingungen und Termine

Über die Homepage www.landkreis-esslingen.de/ehrensache können Anmeldungen vorgenommen werden. Wichtig: Weder Organisationen noch Einzelpersonen können sich selbst vorschlagen. Die Bewerbungen müssen von „Paten“ eingebracht werden. Zu den Bewerbungsunterlagen gehört außer dem Bewerbungsbogen noch ein gesondertes Motivationsschreiben.

Bewerbungsschluss ist am Samstag, 20. Juni. Die neun Preisträger werden bis Ende Juni ausgewählt und bis Mitte Juli benachrichtigt. Zu diesem Zeitpunkt – Mitte Juli – beginnen auch die Filmdrehs, die bis Mitte September abgeschlossen sein sollen.

Die Online-Abstimmung ist vom 1.  bis 23. Oktober möglich.

Die Abschlussveranstaltung findet am Dienstag, 3. November, in Nürtingen statt.