Gute Nachrichten haben Seltenheitswert. Aber das hier ist eine richtig gute Nachricht: Das denkmalgeschützte „Schweizerhaus“ des Fabrikanten Max Weise bleibt erhalten, und das auch noch am Originalstandort in der Dettinger Vorstadt. Investor und Stadtverwaltung haben sich auf einen gemeinsamen Kompromiss geeinigt, mit dem beide Seiten zufrieden sind.
Vor einem Jahr sorgte die Absicht, das Sommerhäuschen im Weisepark zugunsten einer Wohnbebauung abzureißen, für große
Prozess langsam angenähert.
Aufregung. Auch gab es große Sorgen um den Baumbestand. Seither ist es eher still geworden um das Projekt, zumindest nach außen hin. Hinter verschlossenen Türen dagegen wurde hartnäckig um die Kompromisslösung gerungen.
Kirchheims Stadtplanungschef Gernot Pohl konnte nun das Ergebnis der Beratungen im Gemeinderat verkünden: „Wir haben uns geeinigt auf eine Bebauung, die die Nutzung des Schweizerhauses weiterhin ermöglicht. Auch die denkmalgeschützte Mauer entlang der Weisestraße bleibt erhalten.“ Für die Zufahrt zur neuen Tiefgarage werde diese Mauer zwar durchbrochen – aber an einer Stelle, an der sie bereits früher einmal erneuert worden war. Dieser Teil der Mauer fällt also nicht mehr unter den Denkmalschutz.
Im Gemeinderat stieß die neue Planung, die einen neuen Bebauungsplan erforderlich macht, auf einhellige Zustimmung. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Bur am Orde-Käß sprach von einer gestiegenen Sensibilität gegenüber schützenswerten Bauten wie auch gegenüber einem alten Baumbestand. Entsprechend lobte sie den Investor: „Er ist mit der Situation sehr konstruktiv umgegangen. Da wurden keine Tatsachen geschaffen – wie wir das an anderen Stellen schon erlebt haben.“ Auch wenn einige Bäume trotzdem weichen müssen, gehe es darum, die anderen Bäume trotz Baustelle zu erhalten und außerdem ein sinnvolles Nutzungskonzept für das Schweizerhaus zu erstellen. Zusätzlich regte sie an, die Aktualität weiterer alter Bebauungspläne zu überprüfen.
CDU-Stadtrat Dieter Franz Hoff zeigte sich sehr „froh, dass die Kuh vom Eis gekommen ist“. Es habe sich gelohnt, an dieser Stelle näher draufzusehen. Auch Ulrich Kübler (Freie Wähler) lobte die Verhandlungsführer: „Wir sind positiv überrascht, dass das im Stillen wohl gut beraten wurde. Wir hätten mit weitaus größeren Schwierigkeiten gerechnet.“
An dieser Stelle schaltete sich Oberbürgermeister Pascal Bader ein und plauderte aus dem Nähkästchen: „Auch wir sind sehr glücklich über dieses Ergebnis. Aber die Verhandlungen liefen anfangs trotzdem nicht ganz so harmonisch, wie es der Kompromiss nun vermuten lassen könnte. Wir haben uns in einem guten Prozess langsam angenähert.“
Es geht über die Baugrenze hinaus
Auch der Oberbürgermeister lobte die Kooperation des Investors, der seine Gebäude nun anders plaziert. Das wiederum ist dadurch möglich, dass die Stadt ihrerseits sich beim Thema „Baugrenze“ beweglich gezeigt hat In der Sitzungsvorlage heißt es dazu: „Die Planung des Investors sieht eine Verschiebung eines Baukörpers in nicht untergeordnetem Maße über die Baugrenze vor, um im Norden den Baumbestand zu schützen und das denkmalgeschützte Schweizerhaus freizustellen.“ Konkret heißt das, dass jetzt östlich von Schweizerhaus ein Neubau mit nahezu quadratischer Grundfläche entsteht und südlich ein weiterer Neubau, dessen Grundriss ein langgezogenes Rechteck darstellt.
Was jetzt noch geklärt werden muss, ist die künftige Nutzung des Schweizerhauses, einschließlich möglicher Zugangsrechte für Besucher, die sich das Häuschen eventuell im Rahmen von Führungen anschauen wollen. Das ist allerdings eine Detailfrage, an der die Kompromisslösung nicht mehr scheitern sollte. Es bleibt also bei der guten Nachricht: Das Schweizerhaus darf nach langem Dornröschenschlaf zu neuem Leben erwachen. Ein Abbruch steht nicht mehr zu befürchten.
Ein Sommerrefugium mit rieselnder Wasserkühlung
1905 ließ Max Weise das „Schweizerhaus" im parkähnlichen Garten seiner Villa errichten. Es diente als Rückzugsort im Sommer, denn es besaß ein eigenes Kühlungssystem: Der künstliche Hügel, auf dem das Blockhaus steht, sorgt nicht nur für ein gewisses „alpines“ Ambiente. Er diente ursprünglich auch als Wasserreservoir, das 3 000 Liter fasste. Über Pumpen gelangte das Wasser nach oben, und wenn es von dort an den Felsen entlang nach unten rieselte, kühlte es das Häuschen ebenso wie den umlaufenden Balkon. Außerdem diente der Hügel als Aussichtspunkt, um Villa, Park und Fabrikanlagen Max Weises vor der Albkulisse präsentieren zu können. Nach Weises Tod 1931 wurde das Schweizerhaus kaum mehr genutzt. vol