Das Tierheim Kirchheim platzt aus allen Nähten. Raum und Ressourcen fehlen, und doch werden am laufenden Band neue Tiere gemeldet, die Hilfe benötigen. „Die Sommer- und Urlaubszeit ist immer die schlimmste Zeit, und jedes Jahr denkt man, es geht nicht mehr“, bedauert Sandra Nebe, die das Heim seit rund sieben Jahren leitet.
Alles, was wir dort tun, ist ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Sandra Nebe, Leiterin des Kirchheimer Tierheims, über die Bemühungen des Kirchheimer Tierheims im Gebiet um Hahnweide und Bürgerseen
Momentan sind genau 60 Katzen vor Ort untergebracht. Das stellt das Kirchheimer Tierheim vor große Herausforderungen. „Wenn wir sonst zwischen 35 und 40 Katzen haben, sind wir schon gut voll“, verbildlicht Sandra Nebe das Problem. Zusätzlich zu den Katzen haben Sandra Nebe und ihr Team dieses Jahr notgedrungen auch eine Vielzahl anderer Tiere, wie Igel, Tauben, Hunde, Vögel und Kaninchen aufgenommen. Auch Schildkröten zählen inzwischen immer öfter zu den Bewohnern des Heims. Weil die Unterbringung schwierig und man nicht wirklich dafür ausgestattet sei, müsse man dabei improvisieren, erklärt Sandra Nebe.
Auf hilfsbedürftige Tiere stößt das Heim in der Regel durch die Hinweise aufmerksamer Bürger auf Streuner, die in Wohnungen und Häusern Schutz suchen oder in Wald und Wiese umherstreifen. Diese Tiere sind oft in sehr schlechtem Zustand. Sie sind ausgehungert und dreckig; ohne ein sicheres Zuhause sind sie den Elementen ausgesetzt und anfällig für Krankheiten. Sandra Nebe vermutet eine „unfassbar hohe“ Dunkelziffer verstorbener Kätzchen. „Das geht jedes Jahr so weiter.“
Problemgebiet Hahnweide und Bürgerseen
Besonders in dem weitläufigen, zum großen Teil naturbelassenen Areal rund um Hahnweide und Bürgerseen treiben sich viele Streuner herum. „Es gibt sie einfach überall“, berichtet Sandra Nebe. Erst kürzlich ging ein Hinweis auf eine Gruppe Jungkatzen ein, die bei den Gästen der Pizzeria am Flugplatz um Essen bettelten. Fünf der insgesamt sechs etwa 14 Wochen alten Kätzchen konnten eingefangen und im Heim untergebracht werden. Auch eine Katze, bei der es sich mit aller Wahrscheinlichkeit um die Mutter handelt, wurde sichergestellt. Sie war bereits erneut schwanger und hat mittlerweile sieben Junge zur Welt gebracht. Eines der Babys hat es bedauerlicherweise nicht geschafft.

Sandra Nebe gibt zu bedenken, dass sich ohne das Eingreifen des Tierheims allein am Flugplatz mindestens ein Dutzend Katzen herumtreiben würden. Man könne sich ausrechnen, was das im Herbst und Frühjahr für Nachwuchs gegeben hätte, meint die Tierschützerin bitterlich.
Auch bei den Bürgerseen wurde vor Kurzem ein Kätzchen lautstark miauend und in „erbärmlichem Zustand“ in der Asche einer Grillstelle gefunden. Das Katzenjunge, das auf den Namen Karlchen getauft wurde, hat sich in der Zwischenzeit zum Glück gut erholt.
Das Streunerproblem rund um Hahnweide und Bürgerseen ist nicht neu. Wie Sandra Nebe berichtet, habe man in ihren 15 Jahren beim Tierheim in diesem Gebiet unzählige Katzen aufgegriffen, kastriert und im besten Fall an eine liebevolle Familie vermittelt. Doch die Zahl der hilfsbedürftigen Tiere steigt jedes Jahr: „Alles, was wir dort tun, ist ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Nebe.
So kann man helfen
Spenden werden im Tierheim dringend gebraucht – in Form von Geld oder Nassfutter für die Tiere. Denn: Es müssen nicht nur die Mägen der Heimbewohnerinnen und -bewohner gefüllt werden, sondern auch die der rund 80 weiteren Katzen, die an den betreuten Futterstellen in der Region auf ihre nächste Mahlzeit hoffen.

Ebenfalls „immer gern gesehen“ sind ehrenamtliche Helfer, die dem Tierheim unter die Arme greifen. Am meisten hofft Sandra Nebe aber natürlich auf die Bereitschaft der Menschen, Heimkatzen oder andere Tiere zu adoptieren und ihnen ein glückliches, umsorgtes Leben zu ermöglichen – auch wenn das mit zum Teil ungemütlichen Fragen und einem Hausbesuch einhergehe. „Jedes Tier muss die Möglichkeit bekommen, in ein gutes Zuhause vermittelt zu werden.“

