Hochzeitstag
Das Kirchheimer Unternehmerpaar Luczky feiert 60 Jahre Ehe

Emilia und Josef Luczky ziehen seit sechs Jahrzehnten an einem Strang. So ist es ihnen auch noch gelungen, ein großes Unternehmen aufzubauen. 

Das Ötlinger Ehepaar Emilia und Josef Luczky feiert seine Diamantene Hochzeit. Foto: Carsten Riedl

Wir waren beide auf einer Geburtstagsparty eingeladen, wir saßen uns gegenüber und er hat seine Schwester ganz liebevoll auf die Stirn geküsst. In dem Moment habe ich zu mir gesagt: Der wird der Vater meiner Kinder“, erzählt Emilia Luczky schmunzelnd. So sollte es kommen, obwohl nicht gleich alles nach Plan lief. Fast auf den Tag genau ist das Kirchheimer Unternehmerpaar jetzt 60 Jahre verheiratet. Leicht war es nicht immer, aber glücklich waren sie dennoch. 

Beim ersten Treffen verguckt

An dem Geburtstag vor über 60 Jahren hat die gebürtige Rumänin nicht nur Gefallen an seinem liebevollen Umgang mit der jüngeren Schwester gefunden, sondern auch an den strahlend blauen Augen, der braun gebrannten Haut und der guten Statur des jungen Mannes. Kurz um: Emilia Luczky war sich sicher mit ihm – Josef Luczky hingegen hat sich bedeckt gehalten. Bevor sie die Chance hatten, sich näher kennenzulernen, war er auch schon wieder weg. Sein dreitägiger Urlaub war zu Ende und der Militärdienst rief. Erst nach drei Monaten folgte das Wiedersehen: Da war Emilia aber schon in anderen Händen. Josef Luczky verrät, dass auch er sich sofort in Emilia verguckt hatte. Deshalb ließ er nicht locker, und nach weiteren drei Monaten war klar, dass es die beiden miteinander versuchen wollten –  zwei Jahre später, am 28. August 1965, folgte die Hochzeit. 

Eine Zeit lang war alles gut, aber dann gab es einen gravierenden Einschnitt im Leben der jungen Eltern. Josef Luczky hatte den kühnen Plan gefasst, Rumänien zu verlassen und nach Deutschland zu fliehen. Der gelernte Maurermeister wollte bessere Bedingungen für die Arbeiterschaft im Land – Kritik sei aber unerwünscht gewesen. Damit konnte er sich nicht arrangieren, weshalb er nur diesen Ausweg sah. „Er hat das alles über Jahre hinweg bis ins kleinste Detail organisiert“, erinnert sich Emilia Luczky. 1976 war es soweit: Mit dem Allernötigsten ausgestattet, verließen die Eheleute ihre Heimat. Einzig ihre Eltern waren eingeweiht, allen anderen hatten sie erzählt, dass sie ans Meer fahren würden, um Geschäfte abzuschließen. „Wir sind an unseren Nachbarn vorbeigefahren, und ich habe einfach nur geweint“, sagt die Ötlingerin. Es sei ein schreckliches Gefühl gewesen, ein ganzes Haus, ein Zuhause zurückzulassen und zu gehen, ohne zu wissen, ob man jemals zurückkommen kann. Das Schlimmste war jedoch: Sie musste zwei ihrer drei Kinder bei den Großeltern lassen. „Ich habe heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt Emilia Luczky. Dennoch ist sie sich sicher, dass es die beste Entscheidung war – heute würden das auch ihre Kinder sagen, obwohl es damals sehr schwer für sie gewesen ist. 

Ehepaar Lutzky feiert Eiserne Hochzeit

In Deutschland angekommen, mussten beide wieder bei null anfangen. Sie waren zunächst bei Bekannten ihrer Cousine in Nürtingen, die sie noch nie gesehen hatten und die nicht wussten, dass sie kommen werden. „Wir standen einfach vor der Tür“, sagt Emilia. Dort haben sie sich zu dritt ein Zimmer geteilt, ehe sie eine Dachwohnung beziehen konnten. Von dort aus ging es ins Übergangswohnheim, bis sie schließlich eine Sozialwohnung bekommen haben. Trotz der Anstrengungen und Hürden haben sich die beiden in Deutschland nie schlecht gefühlt. „Wir wurden sehr freundlich empfangen, und die Integration hat immer sehr gut funktioniert“, sagt Emilia. Auch das Engagement des Arbeitsamts sei sehr groß gewesen.

1965 gaben sich die beiden in Rumänien das Jawort. Foto: pr

Für Josef war immer klar, dass er sich selbständig machen wird. In Rumänien hatte er sich etwas aufgebaut, und hier fühlte er sich als ein Niemand unter vielen Jemanden, erzählt er. Deshalb warteten sie erst gar nicht lange, sondern gründeten im Jahr 1981 das Kirchheimer Unternehmen Luczky Bauunternehmung. Es war nicht leicht, sich in der Teckregion einen Kundenstamm aufzubauen, erinnert sich der Ötlinger. Trotzdem sind sie hartnäckig geblieben und haben jeden Pfennig, den sie verdienten, reinvestiert.

Luzcky Eiserne Hochzeit

„Jede Schaufel und jeden Nagel haben wir selbst gekauft“, sagt Emilia Luczky. Schlussendlich habe es nur geklappt, weil sie gemeinsam an einem Strang gezogen und sich bedingungslos vertraut haben. So hat Emilia Luczky nicht nur in ihrem Vollzeitjob als Buchhalterin gearbeitet, sie hat auch den Haushalt geschmissen, sich um die Kinder gekümmert, jeden Tag frisch gekocht und die Buchhaltung für die Firma gemacht. Aber auch als der Erfolg kam, sind die beiden bodenständig geblieben: „Josef fährt immer noch mit seinem 21 Jahre alten Auto“, sagt Emilia Luczky schmunzelnd. Den einen oder anderen Urlaub gönnen sie sich dann aber doch zusammen. „Meine Frau sitzt immer auf gepackten Koffern“, gibt Josef Luczky lächelnd zurück.

Die Türen standen immer offen

„Wir hatten auch schwere Zeiten, aber wir waren immer glücklich“, sagt die Ötlingerin. Besonders gut hat ihr gefallen, dass das Haus immer voll war. Nicht nur wegen ihrer eigenen Kinder und deren Freunden, sondern auch weil sie vielen Geflüchteten geholfen haben, so wie ihnen einst geholfen wurde.