Emsig geht es am Montagmorgen auf dem Rollschuhplatz zu. Wo tags zuvor bis in die Nacht hinein unzählige Viertele geschlotzt wurden, ist nun das Klappern zusammengelegter Biertischgarnituren zu hören, fährt ein Gabelstapler durch die Reihen und werden Lkw bestückt. Fleißige Hände rollen die Blumengirlanden ein, lagern weiteres Dekomaterial ein. Ein untrügliches Zeichen: Das 36. Kirchheimer Weindorf ist zu Ende.
Wer befürchtet hatte, das Weindorf würde einem Baustellencharakter ähneln, wurde eines Besseren belehrt. In den Weinlauben und unter den großen Schirmen kam wie gewohnt die typische Stimmung und Weinseligkeit auf – da fiel der Kran kaum ins Gewicht, er wurde kurzerhand von den Machern ins Ambiente integriert.
Bei uns gab es kein Convenience-Essen. Wir machen alles selber, auch die Maultaschen.
Robert Ruthenberg

„Das war ein tolles Weindorf, seit 2003 hatten wir das tollste Wetter“, schwärmt Weindorfwirt Robert Ruthenberg. Vor allem an den Wochenenden saßen seine Gäste dicht an dicht, war kein Plätzchen mehr frei. „Unser Publikum ist einfach fantastisch, genauso wie wir es uns wünschen: Es geht liebevoll miteinander um, alle sind freundlich – das muss wohl am Wein liegen, auch wenn der ein oder andere leicht angeschickert ist“, sagt der Wirt. Die Preisspanne bei den Weinen ist ordentlich. „Qualitativ sind sie alle super, es war für jeden Geldbeutel etwas dabei. Wir hatten fantastische Weine im Angebot“, sagt Robert Ruthenberg.
Das Gleiche gelte auch beim Essen. Von hochpreisig bis „normal“ habe die Bandbreite gereicht. „Keinen Kompromiss machen wir bei der Qualität. Bei uns gab es kein Convenience-Essen. Wir machen alles selber, auch die Maultaschen. Das ist ein großes Fest. Die Bäcker der Holzofenpizzen haben Unglaubliches geleistet“, zollt er ihnen seinen Respekt bei der sommerlichen Hitze auch noch neben dem glutheißen Ofen Hochleistung zu bringen.
Zudem gab es drei Gourmettage, jeweils mit einem Drei-Gänge-Menü. Den Reigen eröffnete Sascha Grampp, Inhaber und Küchenchef des Ohmdener Landgasthofs am Königsweg. Bei ihm gab es als Hauptgang Schwarzfederhuhn Supreme auf Süßkartoffelpüree mit gebratener Roter Beete, sautierte Steinpilze und Trüffeljus. Den Sonntag darauf übernahm Rolf Straubinger vom Burghotel Staufeneck die Küche. Seine Vorspeise: Geflammte Eismeer-Lachsforelle „Asia“ mit Miso, Senfkohl, Radieschen, Ponzusud, Crumbles. Den Abschluss bildete Ben Benasr von Bens Weinstube Klink in Degerloch, wie Rolf Straubinger mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Bei ihm gab es als Dessert eingelegte Rumfrüchte mit Tonkabohneneis und Nougat Ganache.
Für gute Stimmung sorgten gleich mehrere Musiker. „Das Stauferland Duo hat unplugged an den Tischen aufgespielt. Tanja und Helmuth haben in der Bärenlaube Gassenhauer zum Mitsingen und Schunkeln geboten“, sagt Robert Ruthenberg. Dort unterhielten auch Axel und Siggi die Gäste. Der Sänger und Songwriter Marc Water war in der Waldhornlaube zu Gast, ebenso wie die Lenz Brothers und Ricky, bekannt vom Sonnenrot Festival, und „Die2“.
Nicht vergessen ist Micha Holz, Kultkneipier aus Kirchheim, der das Weindorf maßgeblich geprägt hat. „Er fehlt mir sehr“, sagt Robert Ruthenberg über den Tod des langjährigen Freunds. Der Titel der Speisekarte war ihm gewidmet. „Wir hoffen, dass sein Geist im Weindorf weiterlebt. Wir wollen es in seinem Sinne weiterführen.“


