Bei der „Musik zur Todesstunde Jesu“ standen sich am Karfreitag zwei stilistisch unterschiedliche Werke von Johann Sebastian Bach gegenüber. In der Kapelle am Alten Kirchheimer Friedhof erklang mit dem „Actus tragicus“ ein Werk, das der 22-jährige Bach während seiner Zeit als Organist in Mühlhausen geschrieben hat, gefolgt von der „Missa in A-Dur“, einem eher späten Werk des Leipziger Thomaskantors, das in seiner vollendeten kompositorischen Reife beeindruckt.
Abschluss des Projekts "Bach mit Sach“
Die Aufführung, bei der die Parts der Gesangssolisten mit Laien besetzt waren, setzte gleichzeitig den Schlusspunkt des Mitsingprojekts „Bach mit Sach“, zu dem der Chor der Kirchheimer Martinskirche und Bezirkskantor Ralf Sach eingeladen hatten. Seit Januar feilte der Chor in wöchentlichen Proben an den beiden Werken. „Die Arbeit war sehr anspruchsvoll, hat jedoch großen Spaß gemacht“, sagte Gastsängerin Beatrix Forkl. Das Projekt sollte neue Sängerinnen und Sänger auf den Chor der Martinskirche neugierig machen. „Wir sind inzwischen sehr überaltert“, erzählte Doris Schmidt, die seit vielen Jahren im Kirchenchor singt. „Leider konnten diesmal einige unserer älteren Mitglieder nicht mitwirken, da sie nicht mehr so lange stehen können. Über neue Sänger würden wir uns sehr freuen“.
Volltönendes Gotteslob
Schon beim Erklingen der ersten Takte spürte man: Die Auseinandersetzung mit der großartigen Musik Bachs bereitete allen Mitwirkenden Freude. Im „Actus tragicus“ setzte der Chor, nach der einleitenden Sonatina des sparsam besetzten Instrumentalensembles, klangvoll ein. Mit dem eröffnenden „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ und dem prächtigen Schlusschor „Glorie, Lob, Ehr und Herrlichkeit“ stimmten die Sängerinnen und Sänger ein volltönendes Gotteslob an.
Die natürliche Stimme von Sybille Scheuffele fügte sich in der Sopran-Arie „Ach, der Herr lehre uns“ gut ins Klangbild ein, und mit dunkel gefärbter Altstimme gab Cecilia Tempesta der Arie „In deine Hände befehle ich meinen Geist“ Kontur. Winfried Müller absolvierte die Basspartie mit sonorem Wohllaut, wobei er insbesondere in den tiefen Lagen durch stimmliche Präsenz überzeugte.
Die Wiedergabe des „Actus tragicus“ war stimmig, und auch in der „Missa A-Dur“ hielt Ralf Sach die Akteure mit ausladender Dirigiergestik auf sicherer Spur. Und wenn es, wie im Chor „Gloria in excelsis“, gelegentlich zu kleinen Präzisionsverlusten kam, brachte er die Ensembles schnell wieder zurück auf die Ideallinie.
Glanzvolle bläserische Momente
Ein Sonderlob verdiente sich das Instrumentalensemble, allen voran die Blockflötisten Vladimir Soares und Leni Göser, die für glanzvolle bläserische Momente sorgten. Auf dem vom Cellisten Johann Riepe und Ralf Sach an der Truhenorgel solide gelegten Fundament entwickelte sich ein von Agathe Steiff souverän gespieltes Violinsolo prächtig: In der Bass-Arie „Dominus Deus“ umspielten die Geigenlinien den Vokalpart tonschön und technisch brillant.
In Bachs Missa verbanden sich Instrumentalpalpartien, Vokalsoli und Chor zur homogenen Einheit. Und als der Schlusschor „Cum sancto spiritu“ in barockem Glanz erklang, öffnete sich ein Fenster zur frohen Botschaft des Osterfestes: „Jesus ist auferstanden.“

