Randnotiz
Der Mops in uns

Gedanken über den besten Freund des Menschen

Ein wenig Mops steckt doch in jedem. Foto: Adobe Stock
Ein wenig Mops steckt doch in jedem. Foto: Adobe Stock

Wer erinnert sich noch an Tinkerbell? Richtig: Das war die vierbeinige Handtasche ohne Henkel, die Hotel-­Erbin Paris Hilton als sogenannte Celebrity mit sich herumschleppte. Als die Handtasche als Markenzeichen zu groß geworden war und optisch plötzlich mit der Sonnenbrille konkurrierte, kaufte sich Frau Hilton eine neue. Chihuahuas sind in XS ja meist vorrätig auf Lager.

Früher hatten Menschen Hunde. Heute auch schon mal einen Lebensgefährten mit Fell oder besser noch: ein Insta-kompatibles Gadget mit feuchter Schnauze und Lungenatmung, das das eigene Profil fotogen unterstreicht. Vicco von Bülow – besser bekannt als Loriot – hätte daran wohl wenig auszusetzen gehabt, auch wenn der genialste Beweisführer für real existierenden deutschen Humor gerade noch rechtzeitig, um von solchen Strömungen mitgerissen zu werden, das Zeitliche segnete. „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, befand der große Menschenkenner. Wobei sich einem die Frage aufdrängt, wer da eigentlich wen ausgesucht hatte: der feinsinnige Humorist den würdevoll dreinblickenden Mops oder der Mops den Mann, der seine stoische Weltsicht endlich verstand? Man mag sich gar nicht ausmalen, wie die Hundehalterzahlen heute aussehen würden, wäre eine solch stille Übereinkunft auf breiter Front angelegt.

Möglicherweise wird jedoch grob unterschätzt, was im Mensch-Tier-Kosmos an Interaktion tatsächlich vonstatten geht. Die Psychologin Yana Bender vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena hat herausgefunden, dass sich Hund und Halter häufig ähneln. Nicht nur, was Frisur und Figur betrifft, auch bei Persönlichkeitsmerkmalen fanden Forscher verblüffende Parallelen. Demnach sei sogar denkbar, dass sich beide Seiten im Laufe ihres Zusammenlebens in ihren jeweiligen Charakter- und Wesenszügen fortlaufend annähern. Immer mehr Menschen scheinen in ihren Schlappohren also jemanden gefunden zu haben, der ihnen mit den Jahren immer ähnlicher wird. Andere brauchen dafür eine Ehe.