Im Kreis Esslingen ist in der ersten Jahreshälfte ein Viertel weniger Solarstrom neu erzeugt worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mit einer zusätzlichen Leistung von 21 Megawatt belegt der Landkreis unter den 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg Platz 20. Den stärksten Zuwachs hat der Kreis Biberach mit 127 Megawatt zu verzeichnen. Schlusslicht ist Pforzheim mit mageren drei. Die gute Nachricht: Mit einer landesweiten Steigerung der installierten Leistung von 988 Megawatt in den ersten sechs Monaten dieses Jahres liegt Baden-Württemberg mehr als im Soll: Das selbst gesteckte Ausbauziel von 1150 Megawatt für 2025 lässt sich laut Landesregierung damit bereits im August erreichen. Allerdings: Für 2026 liegt die Latte mehr als doppelt so hoch.
Es zeigt, dass Photovoltaik als Thema im Alltag angekommen ist.
Dr. Magnus Schulz-Mönninghoff, Projektmanager der Klimaschutzagentur im Kreis, hält die landesweiten Zahlen für erfreulich.
Magnus Schulz-Mönninghoff, Projektmanager der kreiseigenen Klimaschutzagentur, sieht Solarstrom nicht in der Krise. Im Gegenteil: Die absoluten Zahlen seien Grund für Optimismus. „Es zeigt, dass Photovoltaik als Thema im Alltag angekommen ist“, meint der Fachmann. Das verlangsamte Tempo beim Zubau ist ein Phänomen, das nicht nur im Kreis, sondern bundesweit zu beobachten ist. Allerdings liegt der Kreis Esslingen mit einem Zubau-Schwund von 25 Prozent deutlich über dem landesweiten Mittel von zehn Prozent. Vor allem Gewerbetreibende zeigen sich in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zurückhaltend bei Investitionen in größere Dachanlagen. Vielen sei schlicht die Rendite zu gering. „Da wird eher Geld ins eigentliche Kerngeschäft gesteckt“, weiß Schulz-Mönninghoff.
Geht es um die Förderung erneuerbarer Energien, ist der Vergleich unter den Landkreisen schwierig, weil häufig irreführend. Dort, wo besonders viel Solarstrom erzeugt wird, kommt die Energie vor allem aus größeren Solarparks. Also aus Landkreisen mit viel Fläche und wenig Einwohnern. Im Kreis Esslingen hingegen ist Strom von Dächern seit jeher Markttreiber bei Erneuerbaren. Freiflächen-PV gibt es hier kaum. Sie macht nur rund ein Prozent der installierten Leistung aus. Ein Wert, der seit zwei Jahren unverändert ist. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Anders als im ländlichen Oberschwaben sind im dichtbesiedelten Kreis Esslingen geeignete Grundstücke gar nicht vorhanden oder viel zu teuer.
Beim Thema Windkraft herrscht sogar völlige Flaute: Im Kreis Esslingen dreht sich bisher kein einziges Rotorblatt. Die wenigen Flächen von in der Summe gerade mal 90 Hektar, die dafür zumindest geeignet wären und nicht in Schutzgebieten liegen, befinden sich bei Bempflingen und Neckartailfingen sowie zwischen Großbettlingen und Grafenberg.
Doch auch bei Privatstrom von Dächern ist das ungenutzte Potenzial beträchtlich: Nur 13,8 Prozent der Fläche, die für Photovoltaik hier infrage käme, werden tatsächlich genutzt. Selbst der Alb-Donau-Kreis als landesweiter Spitzenreiter kommt nur auf knapp ein Drittel. Für die Mitarbeitenden der Klimaschutzagentur heißt das: Überzeugungsarbeit leisten, wo immer es geht. Kostenlose und anbieterunabhängige Beratung für Hausbesitzer ist die eine Seite. Um auf breiter Front voranzukommen, heißt das Zauberwort „Bündelaktion“ in einer oder gleich mehreren Kommunen gemeinsam. Mit Partnern wie Stadtwerken oder Plattform-Betreibern lassen sich so Dutzende Haushalte auf einen Schlag erreichen. Im Juni ließen sich auf diese Weise auf den Fildern knapp 100 neue Interessenten für das Thema gewinnen. Zurzeit läuft eine Bündelaktion in Schlaitdorf, Altenriet, Neckartenzlingen und Großbettlingen. Partner sind die Kirchheimer Teckwerke als Bürgergenossenschaft.

