Jubiläum
Die Kirchheimer Feuerwehr feiert ihr 175-jähriges Bestehen

Innenminister Strobl betont beim Festakt am Samstagabend in der Stadthalle die Bedeutung des Ehrenamts. Der Einsatz der Männer und Frauen, die rund um die Uhr Hilfe in der Not leisteten, sei gelebte Nächstenliebe.

Der Spielmanns- und Fanfarenzug aus Kirchheim, Ostfildern, Notzingen, Nürtingen und Metzingen umrahmte den Abend.  Foto: Cornelia Wahl

Ein Blitzschlag am 8. August 1848, der zu einem verheerenden Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens in der Heidenschaft führte, war der Zündstoff für den Start der Kirchheimer Feuerwehr. Markgraf Wilhelm von Baden, der gleichzeitig im Kirchheimer Schloss weilte, erzählte Herzogin Henriette von Württemberg von einer Feuerwehr im badischen Durlach. Die Herzogin erkannte den Nutzen, finanzierte die Ausbildung dreier junger Männer, unterstützte bei der Beschaffung einer Löschausrüstung, was die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim am 14. Februar 1849 vorantrieb.

Mittlerweile sind 175 Jahre ins Land gezogen, Fördergelder gibt es vom Land und die Aufgaben der Feuerwehr sind gewachsen. Nicht mehr Brände allein stehen im Fokus. Die Gründe fürs Ausrücken haben sich gewaltig verändert. Die Zunahme von Naturkatastrophen ist nur einer davon. Um dem allem Rechnung tragen zu können, habe man Spezialeinheiten geschaffen, etwa für Türöffnungen, Strahlenschutz, Einsätze bei Stromausfall, für Hygiene oder eine Drohneneinheit, wie Stadtbrandmeister Michael Briki erzählt. Auch Technik und Ausrüstung haben sich verändert, wie Markus Handte und Wolfgang Schlatter in Bildern zeigten.

Im abgedunkelten und in rotes Licht getauchten Saal navigierte der Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Kenner mit heiteren Anekdoten durchs Programm und begrüßte neben den „eigentlichen Ehrengästen, den Feuerwehrmännern und -frauen“, den obersten Dienstherren der Feuerwehren im Land, Innenminister Thomas Strobl. Für die ausschließlich ehrenamtlich erbrachte Arbeit zum Wohle der Gesellschaft gab es von ihm, der Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordneten Natalie Pfau-Weiler und allen anderen Rednern viel Lob.

„Gelebte Nächstenliebe“

Strobl betonte die Wichtigkeit dieses Ehrenamtes. Der Einsatz der Männer und Frauen, die rund um die Uhr Hilfe in der Not leisteten, sei gelebte Nächstenliebe. Der Minister betonte, dass das Land die Feuerschutzsteuer auch künftig vollkommen bei den Feuerwehren belassen werde, um mit Fördergeldern die Wehren bei Anschaffungen zu unterstützen.

Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader hob die wegweisende Leistungsbereitschaft, die Kameradschaft und die Jugendarbeit hervor. Derzeit arbeite man an einem Alarmierungsplan, um auf Einsätze optimal vorbereitet zu sein. Ein weiteres Anliegen in Richtung Innenminister: die Bürokratie zu verringern. Eine rechtssichere Ausschreibung für Beschaffungen habe einen Umfang einer Habilitationsschrift.

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz, einst selbst bei der Kirchheimer Feuerwehr aktiv, erinnert sich an seinen ersten Einsatz, ein Brand bei McDonalds. Dr. Natalie Pfau-Weiler hob die Vielseitigkeit und Kameradschaft der Blaulichtorganisationen hervor. Sie dankte den Arbeitgebern, welche die Ehrenamtlichen für Einsätze freistellten.

Landrat Heinz Einingers Gedanken galten der Seniorenabteilung, die zur Unterbringung von Flüchtlingen in der Kreissporthalle tatkräftig beim Aufbau von Feldbetten mit anpackten.

Adrian Wibel, Bezirksbrandmeister des Regierungsbezirks Stuttgart, wünscht sich mehr Selbsthilfefähigkeit in der Bevölkerung, um die Wehr zu entlasten. Sein Dank geht zudem an die Angehörigen für die Geduld und die ausgehaltenen Ängste um ihre Lieben.

Florian Schepp ehrte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes das Ehrenmitglied Klaus Hirtreiter und den Ehrenkommandanten Ernst Löffel für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement.

Mit dem Einzug der Fahnenträger verschiedener Feuerwehren aus dem Landkreis zu den Klängen des gemischten Spielmanns- und Fanfarenzugs aus Kirchheim, Ostfildern, Notzingen, Nürtingen und Metzingen endete der Festakt.