Die Initiative historisches Kirchheim äußert sich kritisch zum Beschluss des Kirchheimer Gemeinderats, das denkmalgeschützte Fachwerkgebäude Kornstraße 4 zu verkaufen. Hintergrund ist die Absicht der Stadt, das Gebäude an den Meistbietenden zu veräußern, verbunden mit der Erwartung, dass der künftige Eigentümer das Haus denkmalgerecht saniert und nutzt.
Die Initiative verweist darauf, dass das Gebäude im Gemeinderat als historisch bedeutend und stadtbildprägend bezeichnet worden sei. Gleichzeitig äußert sie die Sorge, dass die Stadt nach einem Verkauf nur eingeschränkte Möglichkeiten habe, einen Abriss zu verhindern. Zwar habe die Stadt erklärt, darauf achten zu wollen, dass es nicht zu einem Abriss komme, im Falle eines Nachweises wirtschaftlicher Unzumutbarkeit durch den Käufer könne jedoch der Denkmalschutz an Grenzen stoßen. Die Initiative verweist in diesem Zusammenhang auf frühere Erfahrungen, Stichwort Waldhorn.
Nach Stadtbrand einhetilich aufgebaut
Zur Bedeutung des Gebäudes führt die Initiative aus, dass die Kirchheimer Innenstadt nach dem Stadtbrand von 1690 weitgehend einheitlich wiederaufgebaut worden sei und im Zweiten Weltkrieg keine Zerstörungen erfahren habe. Insbesondere die Kornstraße gelte als Beispiel für eine geschlossene Fachwerkbebauung und werde bei Stadtführungen entsprechend hervorgehoben. Das Gebäude Kornstraße 4 habe dabei eine besondere Stellung. Es diente ursprünglich als Wirtschaftsgebäude des Spitals und befindet sich seit 1895 im Besitz der Stadt.
Im denkmalpflegerischen Werteplan des Regierungspräsidiums wird das Gebäude als wichtiger Bestandteil des historischen Stadtbilds beschrieben. Demnach dokumentiere es mit seinen teilweise bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Bauelementen die anspruchsvolle Bauweise des wohlhabenden Spitals und sei neben dem Gebäude Max-Eyth-Straße 18 der letzte erhaltene Rest des früheren Spitalhofs. Eine von der Stadt beauftragte bauhistorische Untersuchung bestätigt nach Angaben der Initiative zudem den insgesamt guten baulichen Zustand.
Die Initiative erinnert daran, dass der Abriss der Gebäude Kornstraße 4 und Max-Eyth-Straße 18 bereits in den 1970er-Jahren zugunsten eines Kaufhauses geplant gewesen sei und durch eine Bürgerinitiative verhindert werden konnte. In den folgenden Jahrzehnten habe die Innenstadt durch die Einrichtung von Fußgängerzonen und private Sanierungen an Attraktivität gewonnen. Kirchheim gelte heute als beliebte Einkaufsstadt mit einer harmonischen Innenstadt und nehme im Kreis Esslingen eine Spitzenposition ein. Aus Sicht der Initiative sollte daher auch aus wirtschaftlichen Gründen die historische Fachwerkarchitektur erhalten bleiben. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass die finanzielle Lage der Kommunen angespannt sei. Dennoch warnt die Initiative davor, baukulturelles Erbe aus finanziellen Gründen zu veräußern. Der zu erwartende Verkaufserlös könne aus ihrer Sicht keinen nachhaltigen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten.
Die Initiative spricht sich dafür aus, bei einem Verkauf nicht ausschließlich das Höchstgebot zu berücksichtigen, sondern auch das Nutzungskonzept und den denkmalgerechten Umgang mit dem Gebäude. Ziel müsse es sein, einen weiteren Verlust historischer Bausubstanz zu vermeiden: „Kirchheim darf nicht zur gesichtslosen Schlafstadt werden. Eine zweite Causa Waldhorn muss unbedingt verhindert werden. Ein Abriss der Kornstraße 4 darf unter keinen Umständen passieren.“ tb

