Dass Dave Goodman anders als die andern ist, beweist er schon bei seiner lockeren Begrüßung: Kein übliches „Hello, nice to be here“, sondern ein eisbrechendes „Prost! Zum Wohl!“. Genau, warum soll nur dem Publikum ein Bierchen gegönnt werden? Doch wer genau steckt eigentlich hinter dem Musiker, Geschichtenerzähler, Entertainer und Weltklasse-Virtuose-Gitarrist, wird er überhaupt seinen überschwänglichen Vorschlusslorbeeren gerecht? Gleich vorneweg: Ja, er wird – weil er’s kann.
„Ich spiele ein Lied von meiner vorletzten Studio-CD … das heißt … ist eigentlich ein tolles Lied … eine tolle Geschichte
über mein … Gedächtnis“, kündigt der 58-jährige Kanadier mit kunstvollen Pausen und knuffigem Akzent seinen Song „She’s gone“ an. Und dieser handelt, wie er verrät, von seiner „damaligen zukünftigen Ex-Frau“, die fortan in der Bastion gesangstechnisch zum Running Gag wird.
„Äh, hatten wir schon Prost? Wo ist mein Bier?“, hakt er grinsend bei seinem ihm hautnah zugewandten Gegenüber nach – worauf von dort ein männlich-schwäbisches „jedes Stückle – a Schlückle“ folgt. Darauf folgte „The Night we chased the Day“, ein Song, mit dem Dave Goodman gleichfalls eine seiner spannenden Lebensstationen beschreibt.
Aufgewachsen in einer musikalischen Großfamilie in der kanadischen Provinz British Columbia, begann er im Alter von zwölf Jahren mit der Geige, wechselte dann schnell zur E-Gitarre, studierte nach seinem Highschool-Abschluss am Vancouver-College Jazz und wanderte mit 24 mit seiner bereits erwähnten Exfrau nach den USA aus, bis er Ende der neunziger Jahre – mit oder ohne Ex? – mehr oder weniger in Bremen sesshaft wurde.
„Sind Jimi Hendrix-Fans hier? Viele Kids wissen ja gar nicht mehr, wer das war“, so Dave Goodman und verspricht, dass er seine Gitarre nach „Little Wing“ nicht verbrennen wird. Egal, ob in Covers, darunter auch „A Whiter Shade of Pale“ von „Procol Harum“, oder in seinen grandiosen Eigenkompositionen, Dave Goodman reiht sich in die Liga der geerdeten Ausnahmemusiker ein, dessen stilistische Vielfalt im Gesang und unbeirrbare Präzision, was sein Spiel mit seinen wechselnden Gitarren betrifft, seinesgleichen sucht. „Hypnotized“, „Sweet Maybelline“, „Tiger by the tail“, „Stranger“ oder „Leavin“ – die je nach Gusto mit Einflüssen von Blues und Folk, Swing und Pop daherkommen oder lyrische Poesie versprühen – der Wiedererkennungswert in seiner Stimme ist einfach gegeben.
Zu 99 Prozent in seiner Welt
Ebenfalls einzigartig, seine Rhythmusbegleitung mit Wisch- oder Klopfbewegungen auf dem Korpus der Gitarre, bringt so nicht nur die Saiten zum Klingen. Mal weich, mal rau setzt David Goodman mit seinem brillanten Fingerpicking dynamische Akzente und Staccato-Elemente – scheint dabei mit zu neunundneunzig Prozent geschlossen Augen vollkommen in seiner Welt zu sein. Nicht zuletzt punktet das Multitalent auch als sympathischer Geschichtenerzähler, nimmt einen Schluck, verrät Neues von seiner Ex und betont: „Bei Covid ist mit klar geworden, mein Lieblingsding ist, mit Menschen meine Zeit zu verbringen“. Das sahen mit Sicherheit die Bastion-Besucher genauso.

