Porträt
Ein Kirchheimer, der anpackt

Gunnar Stahlberg ist in der Teckstadt für seine zahlreichen Projekte in der Gastronomie und der Veranstaltungsbranche bekannt. Die Angst, dass etwas schiefgehen könnte, hatte er nie.

Der Kirchheimer Gunnar Stahlberg verbringt einen Großteil seiner Zeit im „Herr Kokoschinski“ damit, Veranstaltungen zu planen. Foto: pr

Selbst anzupacken und sich bei Renovierungsarbeiten die Hände schmutzig zu machen, das ist es, was dem Kirchheimer Gunnar Stahlberg so richtig Freude macht. „Zuletzt haben wir einen Schankwagen von Grund auf erneuert und mit einer neuen Inneneinrichtung ausgestattet“, sagt er. Dafür haben er und sein Team vier Wochen lang gewerkelt – bis schließlich alles passte. Bevor der 44-Jährige Teil der Event- und Gastronomieszene wurde, hat er jedoch einen anderen Weg eingeschlagen. Nach seinem Abschluss an der Realschule in Oberlenningen hat er eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei der ehemaligen Papierfabrik Scheufelen gemacht. Diesen Schritt bereut er nicht – ganz im Gegenteil: Seine Ausbildung kommt ihm bei seinen Projekten auch heute noch zugute. Mit langen Wartezeiten für Handwerker muss er sich nicht befassen: „Ich mache immer alles selbst.“

Biertage und Büroräume

In Kirchheim ist der gebürtige Schopflocher mittlerweile für seine zahlreichen Projekte und Veranstaltungen bekannt. Erst im Sommer stand er auf dem Marktplatz hinter dem Zapfhahn und hat Bier ausgeschenkt. Bereits zum vierten Mal hat er die von ihm ins Leben gerufenen Biertage auf die Beine gestellt – und das trotz Knieverletzung. Sein erstes Kirchheimer Projekt liegt schon viele Jahre zurück: die Eröffnung des Clubs Milchbar (heute Mietclub) im Jahr 2010. Weil Gunnar Stahlberg immer nach einer neuen Herausforderung sucht, kamen kurze Zeit später die Wunderbar und Mietbar hinzu. Im Jahr 2023 folgte das „Herr Kokoschinski“. Damit ist die Liste aber noch nicht komplett: In der Kirchheimer Innenstadt hat der Kirchheimer Apartments und Büroräume, die er vermietet – nicht zu vergessen ist der Schankwagen, der seit diesem Jahr zu seinem Mietpark gehört.

Bis dahin war es aber ein weiter Weg. Nach seiner Ausbildung hat sich Gunnar Stahlberg schnell gefragt, ob er wirklich bis zur Rente als Industriemechaniker arbeiten möchte. Sein Entschluss: Nein, möchte er nicht. Deshalb ist er nach Stuttgart gezogen und hat dort nach dem Erwerb der Fachhochschulreife eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann seinem Lebenslauf hinzugefügt. Im Anschluss daran ging es steil bergauf: So übernahm er etwa die Projektleitung für die Werbung des Russischen Nationalballetts und des Moskow Circus on Ice. Weil er schon immer die Augen nach dem nächsten Projekt offen gehalten hat, begann er damals, DJ-Events in der Landeshauptstadt zu organisieren – ehe es ihn zurück nach Kirchheim zog.

Keine Angst vor Rückschlägen

Auf dem Platz der kleinen Freiheit, der von Stiftsscheuer, Torbogen, dem „Herr Kokoschinski“, der Wunderbar und Lichterketten eingerahmt ist, ist Gunnar Stahlberg zu Hause. Im Sommer organisiert er dort zahlreiche Musikabende und im Winter einen kleinen Weihnachtsmarkt. Die Angst, dass eines seiner Projekte schiefgehen könne, hatte er nie. „Mein Baugefühl hat mir immer gesagt, das funktioniert.“ Diese Einstellung habe er auch seinem Team zu verdanken. Denn: Komplett allein stemmt der Kirchheimer seine Projekte nicht. Philipp Kempter ist als seine rechte Hand seit zwölf Jahren in Prozesse wie den Bar­betrieb und die Organisation von Firmenveranstaltungen eingebunden – hierin sehen sie mittlerweile ihren Schwerpunkt.

Der Platz der kleinen Freiheit wird jedes Jahr weihnachtlich geschmückt. Foto: Carsten Riedl

Ohne sein Team würde das alles nicht funktionieren. Sein Geheimrezept ist ein höflicher und wertschätzender Umgang. „Ich würde von niemandem etwas verlangen, das ich nicht auch selbst machen würde.“ Diese Philosophie sorge für eine so gute Stimmung im Team, dass es seit einiger Zeit auch kein Problem mehr sei, genügend Mitarbeiter zu bekommen. Während sich Gunnar Stahlberg um die laufenden Veranstaltungen kümmert, übernimmt seine Frau die Betreuung der beiden zwei und sechs Jahre alten Kinder sowie die Vermietung der Apartments. „Wir sind komplett unterschiedlich, ergänzen uns aber perfekt.“