Eine beeindruckende Entwicklung hat der Ortsverband Kirchheim im Sozialverband VdK Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren zurückgelegt. Diese positive Wiederbelebung hat vor allem mit Karl Steinmann zu tun, dem ersten Vorsitzenden. Ursprünglich als Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner gegründet, stehen heute die VdK-Mitglieder für Beratungen sämtlicher Belange den Bürgerinnen und Bürgern zur Seite.
Die Leute werden mit Formularen zugeklatscht.
Karl Steinmann
Karl Steinmann kennt sich aus, das hat sich herumgesprochen, weshalb auch Ratsuchende aus den Nachbarkreisen nach Kirchheim in die Alleenstraße 92 kommen. Er weiß um die Gesetze und deren Möglichkeiten, aber auch Grenzen. Vor allem: Bei ihm steht der Mensch im Vordergrund. Er berät mittwochs. Um 13 Uhr startet er, vor 19 Uhr schließt er die Tür nicht und schafft so sieben bis acht Beratungen. Anfragen haben ihn schon aus Ulm und vom Bodensee erreicht. Er weist niemanden ab, auch wenn er für Wochen ausgebucht ist. „Ich wehre mich dagegen, nur VdK-Mitglieder und Menschen aus dem Landkreis zu beraten. Lieber sitze ich zweimal in der Woche hier, bevor mir einer durch die Lappen geht und nicht zu seinem Recht kommt – das liegt mir sehr am Herzen“, sagt er.
VdK-Sozialrechtsanwälte kontaktiert
„Manche sind total verzweifelt, weil sie nicht wissen, wie es weitergehen soll, welcher Antrag ausgefüllt werden muss. Sie fühlen sich in der Luft hängengelassen und suchen bei uns Rat. Bei 98 Prozent der Fälle können wir helfen.“ Eine typische Beratung: Jemand kommt mit einem Riesenstapel Papiere an, der sortiert, nach Dringlichkeit eingestuft und ausgefüllt wird. „Die Leute werden mit Formularen zugeklatscht. Ich muss dann die Hintergrundgeschichte kennenlernen. Die Sozialberatung wird an den VdK delegiert“, ist seine Erfahrung. Er erzählt von einer 22-Jährigen, die ein behindertengerechtes Fahrzeug benötigt, um zur Arbeit zu kommen. „Rentenversicherung und Arbeitsagentur schieben sich die Zuständigkeiten hin und her. Wir kamen auch nicht vorwärts, deshalb habe ich das unseren VdK-Sozialrechtsanwälten weitergegeben.“ Auch über 80-Jährige suchen regelmäßig Rat bei ihm.
Seit elf Jahren ist Karl Steinmann Mitglied beim VdK. Beim Antrag hat er ein Häkchen bei „Interesse am Ehrenamt“ angekreuzt – und war kurz darauf Kassier und damit im Vorstand aktiv. Seit eineinhalb Jahren ist er erster Vorsitzender und bringt ordentlich Schwung in den Ortsverband. Einmal im Monat, immer donnerstags um 18 Uhr im Vereinsheim „Zum Hasen“, findet der Stammtisch statt. Nach Urlaubs- und Ferienzeit ist es am 24. September wieder so weit.
Barrierefreies Lokal
„Ich wollte für unsere Veranstaltungen ein barrierefreies Lokal und das haben wir dort gefunden. Beim Stammtisch treffen wir uns einfach zum geselligen Beisammensein mit Essen und Trinken und freuen uns auf neue Gesichter“, erzählt der Vorsitzende. Alle zwei Monate gibt es dort auch Vortragsabende ab 18 Uhr. „Was muss ich über die VdK-Beratungen wissen – wie bekomme ich Hilfe beim VdK“, lautet der Titel jetzt am 17. September, der allen Interessierten offensteht.
Auch eine Kreativgruppe ist entstanden. Die trifft sich im Lebens-Raum-Café ein paar Häuserecken weiter in der Alleenstraße 104. Jeden dritten Freitag im Monat, also jetzt am 18. September, findet ab 14 Uhr der Bastelnachmittag statt. „Schwerpunkt iwar die Deko für unsere große Jubiläumsveranstaltung im Oktober mit der Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Verena Bentele“, freut er sich auf die Veranstaltung, die er federführend organisiert. Die Kreativgruppe war auch für das Angebot in der Wechselhütte auf dem Kirchheimer Weihnachtsmarkt zuständig, für das allein Karl Steinmann 60 Tüten Gutsle gebacken hat.
„Supertruppe in Kirchheim“
„Das Schöne bei meiner Arbeit ist: Die Leute kommen am Boden zerstört zur Tür herein und gehen in der Regel mit einem Lächeln hier wieder raus. Das treibt einen an. Man hat das Gefühl, einem Menschen was Gutes getan zu haben. Da denkt man nicht an die Zeit“, sagt Karl Steinmann in seiner ruhigen Art mit zufriedenem Lächeln. Sein wöchentlicher Aufwand beläuft sich auf etwa 30 Stunden in der Woche, in manchen Monaten schafft er es auf circa 100 Stunden ehrenamtlich geleistete Arbeit. Weil er der Ansicht ist, dass der mitgliederstärkste Ortsverband auch im Kreisverband vertreten sein soll, bringt er sich dort künftig im Vorstand ein. „Wir in Kirchheim sind eine Supertruppe mit sieben Leuten im Vorstand. Es wird zwei weitere Sozialrechtslotsen geben, deren Ausbildung dauert ein Dreivierteljahr“, weiß er um die Unterstützung. Die hat er bei den Beratungen bislang vom Kreisverband erhalten.

