Technologie
Einsatz von KI gehört in Kirchheim zum Schulalltag

An den Kirchheimer Schulen schreitet die Digitalisierung voran. Genutzt werden im Unterricht teils auch KI-basierte Tools. Schüler setzen aber nach wie vor verstärkt auf das analoge Lernen. 

Am Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium wird im Unterricht auf einen guten Mix aus digitalem und analogem Arbeiten Wert gelegt. Foto: Carsten Riedl

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) gehört mittlerweile in vielen Bereichen des täglichen Lebens dazu und entwickelt sich beständig weiter. Das geht auch an den Kirchheimer Schulen nicht spurlos vorbei, wie beispielsweise ein Besuch am Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG) zeigt. Seit Anfang Dezember kommt dort Fobizz zum Einsatz, das ein speziell für Lehrkräfte entwickeltes Angebot an digitalen Tools und KI beinhaltet. 

„Man muss sich mit KI beschäftigen, auch in der Schule“, sagt Schulleiter Martin Roll. Wichtig sei dabei eine ausgewogene Dosierung und dass man die Schülerinnen und Schülern für den kritischen Umgang mit KI sensibilisiere: „Das ist ein Teil der gymnasialen Bildung.“ Das Kreismedienzentrum habe die Programme dem Kollegium vorgestellt und erklärt. „Aktuell haben 60 Lehrerinnen und Lehrer, das sind zwei Drittel des Kollegiums, einen Fobizz-Zugang“, beschreibt Martin Roll die hohe Nachfrage an seiner Schule. Fobizz sei datenschutzkonform, „personenspezifische Daten müssen bei der Nutzung nicht eingegeben werden“.

KI kann Abläufe verschlanken

Die LUG-Lehrerinnen Carolin Bunke, Hannah Rüggeberg, Carolin Kurz und Tanja Proft zählen zu jenen, die Fobizz in ihrem Unterricht und bei dessen Vorbereitung ab und zu nutzen. So haben sie unter anderem individuell eigene Chatbots für den Einsatz in ihren

Ich nutze lieber meine eigenen Aufschriebe. Da ist der Lerneffekt größer.

Tom Nast (17), Gymnasiast am LUG Kirchheim

Fächern programmiert. „Ein wichtiger Unterschied zum herkömmlichen ChatGPT ist, dass wir die KI, die dann von den Schülern genutzt wird, selbst mit Material füttern. Zum Beispiel mit Übungsaufgaben oder Arbeitsblättern. Da ist also unser pädagogischer Filter drauf“, betont Carolin Bunke (Bio, Deutsch, Ethik). Chemie-Lehrerin Hannah Rüggeberg oder und ihre Kollegin Tanja Proft (Deutsch, Bio, Gemeinschaftskunde) nutzen die KI-Tools teils beim Erstellen von Klausuren: „Das ist sehr zeitsparend, auch wenn man sich natürlich dabei an den eigenen Materialien orientiert“, so Proft. Hannah Rüggeberg hat für ihre Abiturienten zur Vorbereitung alte Abi-Aufgaben samt Lösungen in ihren persönlichen Chatbot gestellt, mit dem die Schülerinnen und Schüler für die Prüfung ergänzend üben können. Zeit spare es auch, wenn man mithilfe der KI bei der Unterrichtsvorbereitung sehr lange Grundlagentexte kürzen und aus den wesentlichen Punkten Aufgaben erstellen lasse, nennt Carolin Kurz (Mathe, Gemeinschaftskunde, Wirtschaft) eine weitere Option. Natürlich gelte es auch hier, alles zu überprüfen. „Der Mix macht’s – sowohl bei der Vorbereitung als auch im Unterricht“, fasst Martin Roll zusammen. 

Mit schuleigenen iPads bearbeiten die Schülerinnen und Schüler im Unterricht teils auch KI-generierte Aufgabenstellungen. Foto: Carsten Riedl

Insgesamt gut 400 iPads stehen am LUG inklusive WLAN-Zugang zur Verfügung. „Manche Schülerinnen und Schüler nutzen zudem eigene anstatt Stift und Block. Dafür haben sie aber keinen dauerhaften WLAN-Zugang, höchstens per Code einen zeitlich begrenzten“, erklärt Roll. Man müsse sich grundsätzlich Gedanken über die pädagogischen Ziele machen. So sei es wichtig, auch noch ohne digitale Endgeräte zu arbeiten, gerade bei den unteren Klassenstufen. „Im Studium oder im Beruf sollte man den Umgang damit aber beherrschen.“ Die Technik ersetze keinesfalls den persönlichen Kontakt im Unterricht, betonen auch die vier Pädagoginnen.

Schüler setzen aufs Analoge

Im Bio-Grundkurs von Carolin Bunke steht an diesem Nachmittag die Gentechnik auf dem Programm. Über einen QR-Code loggen sich die Schülerinnen und Schüler mit ihren iPads ein und gelangen zu einem digitalen Arbeitsblatt samt Aufgaben, die mit den Fobizz-Tools kreiert wurden. Tom (17), Lisa (17), Lilly (16) und Lenn (17) sind sich einig, dass das digitale Arbeiten im Unterricht und der Einsatz von KI zwischendurch zwar eine gute Abwechslung sei, dennoch setzen die Gymnasiasten nach wie vor verstärkt auf das analoge Arbeiten.

„Persönlich nutze ich KI eher selten. Vielleicht mal ChatGPT statt Google oder um eine Präsentation zu strukturieren. Also eher organisatorisch statt inhaltlich“, sagt Tom, „ich nutze lieber meine eigenen Aufschriebe. Da ist der Lerneffekt größer.“ Das bestätigt Lisa, die besonders in ihren Leis­tungsfächern auf die Papierform setzt: „Dann habe ich es sicher.“ Klar lasse man mal Texte von ChatGPT zusammenfassen, gerade in der stressigen Klausurenphase zur Zeitersparnis. „Das muss man inhaltlich aber immer überprüfen.“ Bei der Nutzung von Social Media erkenne man meistens noch, ob die Beiträge KI-generiert seien, sagt Lenn, allerdings werde die Technik immer besser und die Differenzierung so schwieriger.

LUG-Lehrerin Carolin Bunke nutzt zur Vorbereitung ihres Biologie-Unterrichts teilweise die digitalen Tools des Fobizz-Programms für Lehrkräfte. Foto: Carsten Riedl

Von der Freihof-Realschule in Kirchheim weiß Martin Roll, dass dort ebenso mit Fobizz gearbeitet werde. Das Kirchheimer Schlossgymnasium nutzt es dagegen laut Schulleiterin Lucia Heffner „bislang aus datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht. „Wir nehmen am Pilotierungsprojekt FairChat der Bildungsplattform Moodle teil“, so Heffner. Da FairChat einen sicheren Zugang zur KI gewährleis­te, arbeiten die Schüler und Schülerinnen des Schlossgymnasiums direkt mit der Software. „Es geht etwa darum, wie Prompts formuliert sein müssen, damit man das gewünschte Ergebnis erhält“, erläutert die Schulleiterin. Bei der Unterrichtsvorbereitung komme die Software ebenfalls zum Einsatz: etwa zum Kreieren von Bildern, dem Übersetzen von Texten und dem Erstellen von Tests.